»Weißhelme« sollen beim Regime Change helfen (Karin Leukefed am 16.05.2015 in der jW)

Karin Leukefed schrieb am 16.05.2015 in der jW:

Die »Weißhelme« schlagen Alarm: »Fassbomben – manchmal gefüllt mit Chlor – sind heute die schlimmsten Mörder von Zivilisten in Syrien.« So ist in einem Aufruf der Gruppierung zu lesen, die vom US-geführten Regime-Change-Bündnis »Freunde Syriens« als »Zivilschutz« etabliert worden ist. »Unsere unbewaffneten und neutralen Rettungsarbeiter haben mehr als 12.000 Menschen vor den Angriffen in Syrien gerettet«, doch es »gibt Kinder, die wir nicht hören können, weil sie unter Trümmern gefangen sind. Für sie muss der UN-Sicherheitsrat seine Forderung umsetzen, die er vor einem Jahr aufgestellt hat. Fassbomben müssen (…) durch die Einrichtung einer Flugverbotszone gestoppt werden«, fordert Raed Saleh, Leiter der »Weißhelme« in der syrischen Provinz Idlib. Die Webseite www.whitehelmets.org wird ergänzt durch den Internetauftritt der »Syrischen Zivilschutzkräfte« (SCD – www.syriacivildefense.org). Kontakttelefone beider Organisationen haben die internationale Vorwahlnummer der Türkei +90.

Die Öffentlichkeitsarbeit der »Weißhelme« läuft gut. International bekannt wurden sie durch eine Fülle von Reportagen. Allerdings gibt es auch Augenzeugenberichte (https://urs1798.wordpress.com), wonach nicht wenige dieser Retter sich aus den Reihen der bewaffneten Aufständischen rekrutieren. In Krankenwagen sollen Kämpfer und Waffen aus der Türkei nach Syrien geschmuggelt worden sein. Einige Fahrzeuge seien mit Sprengstoff gefüllt und als Bombe gezündet worden.

SCD wird u.a. vom United States Institute of Peace unterstützt. Das »Institut für Frieden« hat zusammen mit der Berliner »Stiftung Wissenschaft und Politik« (SWP) 2012 am Projekt »The Day After« (»Der Tag danach«) gewirkt. Dieses plant, wie Syrien nach dem Sturz von Präsident Baschar Al-Assad kontrolliert und wieder aufgebaut werden sollte. Inzwischen ist die Projektgruppe »The Day After« eine Kooperation mit der vom Westen unterstützten oppositionellen syrischen »Nationalen Koalition« (Etilaf) eingegangen. Deren Präsident Khaled Khoja dankte kürzlich in einer Rede am Sitz der Vereinten Nationen in New York »Frankreich, den USA und Großbritannien« und »den Freunden des syrischen Volkes, die großzügig humanitäre Hilfe, Zuflucht, Hilfe für die Vertriebenen und die Ausbildung und Ausrüstung unserer tapferen zivilen Rettungsteams« geleistet hätten.

Die »Weißhelme« sollen offenbar Freiwillige und Mitarbeiter internationaler Hilfsorganisationen wie der UNO oder der Rote-Kreuz- bzw. Roter-Halbmondgesellschaften in Syrien ersetzen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte im Januar angekündigt, in medizinischen Krisensituationen schnell verfügbare Teams einzusetzen, die sogenannten Weißhelme. Am 10. April 2015 sagte Bundesentwicklungsminister Gerd Müller, er könne sich eine Weißhelm-Einheit in Syrien gut vorstellen. Für den Wiederaufbau seien »Blauhelme zu wenig«, so Müller. »Weißhelme« könnten bei der Schaffung von Ausbildungs- und Erziehungssystemen helfen. Warum »Weißhelme« erfolgreicher als »Blauhelme« der UNO agieren könnten und wer sie legitimiert, erklärte Minister Müller nicht.

 

Karin Leukefeld schrieb in ihrem Artikel „Hoffnung auf Atempause“ – Syrien: Verhandlungen über Waffenruhe in Aleppo. Westen hofiert Aufständische (Junge Welt 20.8.2016) u.a.:

Die »Syrischen Zivilen Verteidigungskräfte«, besser als »Weißhelme« bekannt, wurden derweil für den Friedensnobelpreis nominiert. Die Gruppe operiert in den von Kampfgruppen kontrollierten Gebieten. Raed Al-Saleh, der Vorsitzende der »Weißhelme«, forderte wiederholt den UN-Sicherheitsrat auf, eine »Flugverbotszone« zu verhängen, um die Arbeit der Gruppe zu unterstützen.

Die USA, die nach Angaben des US-Außenministeriums die Gruppe bisher mit mehr als 40 Millionen US-Dollar durch die staatliche Organisation US-Aid unterstützt haben, verweigerten Al-Saleh gleichwohl im April die Einreise in die USA, wo er für seine Arbeit ausgezeichnet werden sollte. Begründet wurde das Verbot damit, dass Al-Saleh »möglicherweise Kontakte zu extremistischen Gruppen« habe.

Dies bestätigen auch verschiedene Filmaufnahmen von den Aktionen der Gruppe. So kamen etwa Aufnahmen an die Öffentlichkeit, in denen »Weißhelme« den Kämpfern der dschihadistischen »Al-Nusra-Front« zujubeln.

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