Ex-NATO-Generalsekretär Rasmussen: USA sollen „Weltpolizei“ spielen, um Autokrat Putin zu stoppen (RTdeutsch)

https://deutsch.rt.com/international/41007-ehemaliger-nato-generalsekretar-will-dass/

22.09.2016

Der ehemalige NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hat die USA aufgefordert, den „Weltpolizisten“ zu spielen, um „Autokraten wie Wladimir Putin“ etwas entgegenzusetzen. Er äußerte dies in einem Kommentar für das Wall Street Journal.

Seiner Meinung nach besitzen nur die USA die erforderliche „Glaubwürdigkeit“, derer es bedarf, um „ein Polizist der die Ordnung wiederherstellt“, ein „Feuerwehrmann der die Flammen des Konfliktes löscht“ und „eine Art Bürgermeister“ zu sein, der „smart und mit Augenmaß den Wiederaufbau leitet“.

Der ehemalige Linksradikale und NATO-Gegner Rasmussen, den die Karrierechancen als Sohn des früheren norwegischen Außenministers Thorvald Rasmussen vom Nutzen der Allianz überzeugt haben dürften, wurde 2014 als Generalsekretär der NATO durch Jens Stoltenberg ersetzt.

Im Vorfeld hatten Medien darüber berichtet, dass zahlreiche NATO-Botschafter Rasmussens aggressive Rhetorik in der damaligen politischen Großwetterlage als wenig hilfreich betrachtet hätten.

Goldman Sachs sorgte 2015 mit einem Beratervertrag dafür, dass Rasmussen sein weiteres Dasein nicht als verarmter Frührentner fristen muss. Der frühere NATO-Generalsekretär bedankt sich dabei unter anderem mit byzantinistischen Huldigungen an die Adresse Washingtons:

Die Welt braucht einen solchen Polizisten, wenn sich Freiheit und Wohlstand gegen die Unterdrückung durchsetzen sollen, und der einzige fähige, verlässliche und wünschenswerte Kandidat für diese Position sind die Vereinigten Staaten“, schrieb der ehemalige NATO-Generalsekretär in seinem Kommentar.

Ebenso lobte er die USA für ihre „Führungsrolle in der internationalen Ordnung – welche nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet wurde und welche eine nie zuvor da gewesene Periode des Friedens, des Fortschritts und des Wohlstands für die Welt geschaffen hat“.

Dass hunderte und tausende Zivilisten in Ländern wie Vietnam, Korea und Jugoslawien von den vermeintlichen Segnungen dieser Ordnung nicht restlos überzeugt sein dürften, ficht den meinungsstarken Rasmussen ebenso wenig an wie die durchwachsene Bilanz US-amerikanischer Interventionen in diversen Konfliktgebieten wie Afghanistan, Irak, Libyen oder Pakistans Stammesregionen. Ebenso scheiterte bislang der Kampf gegen den Islamischen Staat.

Im Jahre 2015 stellte eine vielbeachtete Studie der Physicians for Social Responsibility (Deutsch: Ärzte mit sozialer Verantwortung) die Behauptung auf, dass dem seit mittlerweile 15 Jahren andauernden amerikanischen War on Terror mindestens 1,3 Millionen Menschen zum Opfer gefallen seien, wobei sogar bis zu zwei Millionen möglich seien.

Trotz dieser erschreckenden Statistik ist Rasmussen der Meinung, dass die USA für Frieden auf der Welt einstünden.

Genau wie nur Amerika die Mittel hat, um das Abrutschen ins Chaos zu stoppen, so hat auch nur Amerika die moralische Kapazität hierfür – nicht um der Macht, sondern um des Friedens Willen.“

Obwohl er öffentlich noch keinen Kandidaten für die anstehenden US-Präsidentschaftswahlen unterstützt hat, scheint Rasmussen auf einen Wahlsieg Hillary Clintons zu setzen, welche Russland offen kritisch gegenübersteht und die Notwendigkeit sieht, die NATO-Mitglieder Osteuropas weiterhin zu unterstützen.

Mit einem Russland, das aggressiver auftritt und diverse einschüchternde Manöver gegenüber den baltischen Staaten durchführt […], ist es nicht in unserem Interesse [Truppen abzuziehen]. Denken Sie nur daran was es gekostet hätte, wäre die NATO nicht präsent gewesen an der Front und hätte nicht klargemacht, dass sie [die Russen] nicht vorrücken können“, sagte Clinton im April.

Diese Legende vom landräuberischen Russen, der schon längst am Atlantik stehen würde, hätte ihm die NATO als Vorhut der westlichen Wertegemeinschaft nicht heldenhaft die Stirn geboten, scheint auch der Ex-Generalsekretär der Militärallianz für eine realitätsnahe Analyse zu halten:

Wenn Amerika sich zurückzieht – wenn die Welt sogar nur denkt, dass amerikanisches Zögern einen fehlenden Willen zeigt, Konflikte zu verhindern und zu lösen – hinterlässt dies ein Vakuum, welches von verbrecherischen Autokraten aus aller Welt gefüllt wird“, schreibt Rasmussen.

Rasmussen, der vor seiner Beförderung an die Spitze des Militärbündnisses noch Ministerpräsident Dänemarks war, interessiert sich augenscheinlich auch sehr stark für die jüngsten Entwicklungen in Syrien. Dass den wahhabitischen Rebellen bis dato der erwünschte „Regime Change“ noch nicht gelungen ist, scheint ihn zu betrüben. Vor allem auch, dass die Russische Föderation daran einen bedeutenden Anteil hatte.

Entsprechend sparte er nicht an Kritik gegenüber US-Präsident Obama und dessen „Widerwillen, die Welt [gegen den russischen Präsidenten Putin] zu führen“:

Während Europa und die USA geschlafen haben, hat Putin eine skrupellose militärische Operation zu Gunsten des Assad-Regimes in Syrien begonnen und versucht, Russland als eine Weltmacht zu etablieren, die die USA in ihrer Wichtigkeit herausfordert.“

%d Bloggern gefällt das: