Stoppt den Krieg! US-Veteranen für Frieden fordern: Nicht von Propaganda verdummen lassen (junge Welt)

https://www.jungewelt.de/2016/09-14/084.php

 

Die Veteranen für Frieden (VFP) wurden 1985 von zehn ehemaligen US-Soldaten gegründet. Die Organisation wuchs auf mehr als 8.000 Mitglieder an, als die USA 2003 die Invasion in den Irak vorbereiteten. Die VFP haben heute mehr als 120 Ortsverbände, darunter auch internationale Verbände in Vietnam, Großbritannien und Irland. Wir dokumentieren eine nicht datierte Stellungnahme der Organisation, die sie derzeit über ihre Internetseite verbreitet.

Kürzlich wurde ein erschütterndes Foto von einem blutenden und sichtlich verstörten kleinen syrischen Jungen, der in einem Krankenwagen in Aleppo saß, weit verbreitet und in nationalen und internationalen Nachrichtensendungen kommentiert. Als Reaktion darauf forderten einige Journalisten die Obama-Administration auf, »etwas zu unternehmen«, zum Beispiel, militärische Ziele und Regierungseinrichtungen in Syrien zu bombardieren.

Die Veteranen für Frieden haben großes Mitgefühl mit allen Opfern in Syrien sowie mit allen, die Familienangehörige, Freunde und geliebte Menschen in diesem schrecklichen Krieg verloren haben. Viele von uns sind Veteranen von militärischen Konflikten, die der amerikanischen Öffentlichkeit mit emotional erschütternden, aber irreführenden Botschaften und Bildern »verkauft« wurden. Wir erkennen und verurteilen die Manipulation ausgewählter Bilder menschlichen Leides als Propaganda, die dazu benutzt wird, weitere militärische Gewalt zu rechtfertigen, die nur zu noch mehr Tod und Leid führen wird. Warum sehen wir nicht Bilder vom Leid auf beiden Seiten des Krieges in Syrien? Warum wird das Bild eines verletzten Jungen benutzt, um noch mehr Gewalt zu fordern?

Die »Flugverbots-« und »Sicherheitszonen«, die einige »Experten« für Syrien fordern, sind Kriegshandlungen, die zu noch mehr Gewalt und Zerstörungen führen würden, wie es in Libyen geschehen ist. Diese Nation wurde durch eine »humanitäre Intervention« praktisch zerstört.

»Flugverbots-« und »Sicherheitszonen« würden Piloten der US-Airforce in eine direkte militärische Konfrontation mit Piloten der russischen Luftwaffe bringen. Das wäre eine gefährliche militärische Eskalation zwischen zwei Nuklearmächten und eine existentielle Gefahr für alles Leben auf der Erde.

Das weitverbreitete Foto des kleinen syrischen Jungen ist nur das letzte und besonders schreckliche Beispiel dieses psychologischen Krieges, der gegen die öffentliche Meinung in den USA und weltweit geführt wird. Nahezu täglich entstellen die Medien den Konflikt in Syrien als einen Kampf zwischen »Rebellen«, die die Demokratie lieben, und dem »brutalen Diktator Assad«. Was tatsächlich in Syrien geschieht, ist eine ausländische Intervention, mit der die letzte säkulare, multireligiöse Nation im Mittleren Osten zerstört werden soll. Gewalttätige extremistische Gruppen werden von den Vereinigten Staaten bewaffnet, ausgebildet und unterstützt und darüber hinaus mit Milliarden US-Dollar von Saudi-Arabien und Katar finanziert. Diese zwei undemokratischen Monarchien haben ihre eigenen Gründe, einen »Regime-Change« in Syrien zu betreiben.

Wir sind überzeugt, dass der einzige Weg, um die Krise in Syrien zu lösen und den Opfern dieses Konflikts zu helfen ist, die Waffen schweigen zu lassen und den Kampf nicht weiter anzuheizen. Das syrische Volk hat das Recht, seine Führung selbst zu wählen und selbst über seine Zukunft zu entscheiden.

Wir fordern die Regierung der Vereinigten Staaten auf, jede militärische, politische und wirtschaftliche Unterstützung für die bewaffneten Oppositionsgruppen einzustellen und Druck auf ihre Verbündeten auszuüben, dasselbe zu tun. Die Veteranen für Frieden fordern ein Ende aller Wirtschaftssanktionen gegen Syrien, besonders in bezug auf Arzneien, einschließlich dringend benötigter Krebsmedikamente. Wir fordern die US-Regierung auf, großzügige humanitäre Hilfe für die Millionen syrischen Flüchtlinge zu gewähren. Mehr syrischen Flüchtlingen muss es ermöglicht werden, in die USA einzureisen.

Die syrische Regierung hat das Recht, sich gegen die ausländische Aggression zu verteidigen, auch gegen die Pläne der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten, einen »Regime-Change« zu erzwingen.

Wir fordern alle Kriegsparteien auf, dafür zu sorgen, dass keine unschuldigen Zivilisten getötet werden.

Es ist an der Zeit, den Krieg in Syrien zu beenden. Es ist an der Zeit, mit der schwierigen Aufgabe zu beginnen, die Wunden dieses schrecklichen Krieges zu heilen, der dem syrischen Volk aufgezwungen wurde. Wir müssen für die Rolle unserer eigenen Regierung Verantwortung übernehmen. Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen in Syrien und im Mittleren Osten in Frieden leben können.

Übersetzung: Karin Leukefeld

www.veteransforpeace.org

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