Putsch in der Türkei – Diskussion und aktuelle Artikel

1) Kemalistischer Putsch, islamische Revanche, westlicher Chauvinismus?
Diskussion zur Türkei und Europa, 1.9.2016, Wien

2) Selbstkritik der PKK
Die Beendigung des Friedensprozesses als historischer Fehler

3) Die Türkei dient dem Westen nicht ganz so wie gewünscht
Interview mit Ridvan Kaya

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1) Kemalistischer Putsch, islamische Revanche, westlicher Chauvinismus?
Diskussion zur Türkei und Europa, 1.9.2016, Wien

Es diskutieren:

• Reza Algül, Politikwissenschaftler und alevitischer Lehrer
• Mülkiye Laçin, Dachverband der Kurdischen Vereine in Österreich (Feykom)
• Murat Gürol, Aktivist gegen das Islamgesetz, Netzwerk Muslimische Zivilgesellschaft
• Sandra Bakutz, Internationale Plattform gegen Isolation, Radio-Moderatorin
• Ali Cem Deniz, Journalist und Autor eines Türkei-Buches (erscheint im Oktober)
• Wilhelm Langthaler, vielfacher Türkei-Reisender, Antiimperialistische Koordination (AIK)

Moderation: Imad Garbaya, tunesischer Linksoppositioneller

Donnerstag, 1. September 2016 – 19:00
Amerlinghaus (Gallerie), Stiftgasse 8, 1070 Wien

Der gescheiterte Putsch war ein Zeichen – doch für was eigentlich? Die möglichen Lesarten könnten selbst aus antiimperialistischer Sicht nicht unterschiedlicher sein.

Da sind jene, die die Volksmobilisierung gegen die Nato-Militärs betonen, die nicht nur die demokratischen Errungenschaften sicherte, sondern auch die Selbständigkeit der Türkei gegenüber der westlichen Einflussnahme. Da gibt es diese, die die Gefahr der Herrschaft des Politischen Islam betonen, der ebenfalls in eine Diktatur führe. Aus kurdischer Sicht wiederum scheint sich Erdogan seinen kemalistischen Gegnern zunehmend anzunähern.

Dann sei auch die Interpretation aus Sicht des syrischen Bürgerkriegs genannt, der offensichtlich auf die Türkei zurückschlägt. Und da sind dann wie immer auch die wildesten geopolitischen Spekulationen, nach der die USA wahlweise auf Gülen, Erdogan, die Kemalisten oder die Kurden setzen würden.

Man könnte meinen, es gäbe zumindest eine gemeinsame Ablehnung der europäischen medialen und politischen Kampagne gegen die Türkei, sowie Türken und den Islam im Allgemeinen. So will Hofer in altbekannter FP-Manier die Einbürgerung von Türken überhaupt stoppen, VP-Kurz will Anti-Putsch-Demonstranten „heimschicken“ und SP-Kanzler Kern sieht das Grundrecht auf Demonstration missbraucht. Dabei werden Erdogans Erbsünden der Todesstrafe und des Ausnahmezustands in Stellung gebracht, als gäbe es so was in den USA oder Frankreich nicht. Doch einigen Linken geht selbst diese Kritik noch zu wenig weit.

Wie kann eine demokratische und antiimperialistische Position das alles unter einen Hut bringen?

Eine Veranstaltung der Antiimperialistischen Koordination (AIK), die mit ihren Vorläufern seit den 1980er Jahren in der Solidarität mit dem vielgestaltigen und auch widersprüchlichem Kampf der Völker der Türkei gegen Diktatur und westlichen Imperialismus aktiv ist.

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2) Selbstkritik der PKK
Die Beendigung des Friedensprozesses als historischer Fehler
Von Jörg Ulrich

Bei den sich in Syrien und der Türkei überschlagenden Ereignissen ist eine Meldung etwas untergegangen, die wir für eine notwendige und wichtige Revision des Verhältnisses der kurdischen Befreiungsbewegung zum Politischen Islam ansehen. Eine der führenden Persönlichkeiten der KCK (Union der Gemeinschaften Kurdistans, das politische Organ des von Öcalan propagierten Demokratischen Konföderalismus) hat in einem Statement gegenüber der kurdischen Nachrichtenagentur ANF am 8. August 2016 bekundet, dass es aus seiner Sicht im Nachhinein ein historischer Fehler gewesen sei, nach den so erfolgreichen Wahlen im Juni 2015 der AKP kein Angebot zu einer Koalitionsregierung unterbreitet zu haben. Cemil Bayik, Kovorsitzender der KCK, dazu wörtlich: „Die Weigerung der HDP eine Koalition mit der AKP einzugehen, bewerten wir als einen historischen Fehler.“

Ganzer Artikel: http://www.antiimperialista.org/de/node/244861

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3) Die Türkei dient dem Westen nicht ganz so wie gewünscht
Interview mit Ridvan Kaya

Ridvan Kaya ist muslimischer Denker, Schriftsteller und Aktivist und gehört zu den zentralen Figuren des Politischen Islam in der Türkei. Er ist Vorsitzender des Vereins Özgür-Der und Chefredakteur der Haksöz-Magazine. Kaya sieht keine Notwendigkeit der Modernisierung des Islam und lehnt auch Parlamentarismus ab. Antiimperialismus ist indes für ihn wichtig und er suchte daher den Dialog mit anderen antiimperialistischen Kräften, um mögliche Kooperationen auszuloten. Im aktuellen Konflikt in der Türkei und in Syrien steht er, wie nicht anders zu erwarten, fest auf der sunnitisch-islamischen Seite und der AKP-Regierung, und deckt auch ihr Narrativ. Dennoch finden sich Ansätze Brücken zu schlagen beispielsweise in den vorsichtigen Andeutungen, die einen Waffenstillstand ermöglichen könnte.

Interview: http://www.antiimperialista.org/de/node/244860

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