Zurück über den Euphrat – Kurdische Einheiten sollen nach Erfolgen zurückgedrängt werden. Auch deutsche Spezialeinheiten im Kampfgebiet (junge Welt)

https://www.jungewelt.de/2016/08-27/013.php

Karin Leukeld

Der Ort Manbidsch ist knapp 80 km von Aleppo entfernt. In Verbindung mit dem Grenzort Dscharabulus hat Manbidsch strategische Bedeutung als Verkehrsknotenpunkt zwischen der Türkei, Rakka und Aleppo. Kämpfer, Waffen und Munition, aber auch junge Frauen aus Europa wurden über diesen Nachschubweg in das Gebiet des sogenannten »Islamischen Staates« (IS, arabisch Daesch) oder anderer Kampfgruppen im Umland von Aleppo gebracht.

In Manbidsch haben die Kurdischen Selbstverteidigungskräfte mit den Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) Anfang Juli 2016 medienwirksam einen großen Erfolg gefeiert, als sie den Ort vom IS befreiten. Kurdische Kämpferinnen trugen, das Gewehr über der Schulter, Babys auf dem Arm an der Seite erschöpfter, verschleierter Mütter die Straße entlang, Männer rasierten sich lachend gegenseitig die langen Bärte ab. Die IS-Kämpfer ließ man ziehen, nachdem sie ihre Waffen abgegeben und Geiseln freigelassen hatten.

Von Manbidsch aus wollten die Kurden weiter in Richtung Westen ziehen, um den dritten Kanton von Rojava, den Ort Afrin an der Grenze zur Türkei, ihrem föderalen Gebiet anzuschließen. Doch der Einmarsch der türkischen Armee mit bis zu 1.500 ihrer verbündeten islamistischen Kampfgruppen bei Dscharabulus in den Norden Syriens hat diesem Vorhaben einen Riegel vorgeschoben. Die USA, verbündet sowohl mit der Türkei als auch mit den Kurden in Syrien, ordneten den Rückzug letzterer an. »Östlich des Euphrats« könnten sie bleiben, hatte US-Vizepräsident Joe Biden bei einem Besuch in Ankara erklärt. Westlich des Euphrats aber hätten die Kurden nichts zu suchen.

Die Kurden kamen nicht allein nach Manbidsch, wie Augenzeugen berichteten. Mit ihnen rückten westliche Spezialkommandos ein, insbesondere werden Sondereinsatzkräfte aus den USA, aus Frankreich und Deutschland bestätigt.

Eine zivile Quelle aus Manbidsch, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben muss, sagte, dass (auch) „deutsche Soldaten (sich) auf dem Parkplatz der Zementfabrik in Manbij“ einquartiert hätten. Das Gelände hätten die ausländischen Truppen weiträumig abgeriegelt, Zivilisten sei es nicht erlaubt, sich zu nähern. »Die Waffen (der Soldaten) sind vom Pentagon«, so die Quelle weiter. Man wisse, dass die ausländischen Spezialkräfte neue Kampfgruppen ausbildeten, das Training dauere 15 Tage. »Man fragt die Männer (die sich für die Ausbildung bewerben): Wollt ihr gegen Assad oder gegen Daesch kämpfen?« berichtete die Quelle. Die letzte Entscheidung, ob jemand zum Trainingsprogramm zugelassen werde, treffe das Pentagon. Gebe es grünes Licht, werde die Person bewaffnet und ausgebildet.

Auch deutsche Soldaten befänden sich in Dscharabulus und in Manbidsch, bestätigte eine offizielle syrische Quelle gegenüber der Autorin. Viele Zivilisten hätten das berichtet. Man wisse aber nicht, ob die deutschen Soldaten »mit den Kurden aus dem Nordirak oder aus der Türkei über Dscharabulus« gekommen seien.

Die in England ansässige »Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte«, die u. a. von der Europäischen Kommission finanziert wird, berichtete (15.6.2016), dass sich 50 deutsche Sondereinsatzkräfte im Norden Syriens aufhielten, darunter seien 20 militärische Ausbilder. (kl)

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