Warum Pokemon Go kein Spiel ist

Es geht um die Verbindungen der Spielefirma Niantic mit Google (mal wieder), der CIA und anderen US-Geheimdiensten, letztlich auch mit dem Pentagon. Die zugrundeliegende Technologie wurde speziell zu dem Zweck entwickelt, räumliche Daten zu erheben, auszuwerten und zu kontextualisieren. Nicht zum Wohle der Allgemeinheit, versteht sich, sondern zur Massenüberwachung und -kontrolle sowie für weltweite miltärische Operationen. Es geht um Raumerfassung, und „Pokémon Go“-Spieler machen sich im Moment dabei zu willigen und billigen Zuträgern. Zusätzlich werden die Daten auch kommerziell verwertet, für Werbung und um Menschen zu manipulieren, z.B. bestimmte Orte (derzeit v.a. Geschäfte) aufzusuchen. Ein doppelter Gewinn für den militärisch-geheimdienstlich-industriellen Komplex.

„Pokémon Go und die CIA“
http://www.heise.de/tp/artikel/48/48996/1.html

In diesem Zusammenhang muß natürlich auch Gamification erwähnt werden.
https://de.wikipedia.org/wiki/Gamification

Ein Zusammentreffen von Gamification und massenhaftem Datensammeln kann zurecht als Super-GAU für (noch vorhandene) demokratische Strukturen, Freiheitsrechte und die „res publica“ angesehen werden. Darauf wies prominent u.a. der verstorbene FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher hin, der nicht gerade als paranoider Spinner galt.
(Frank Schirrmacher in „Alternativlos“ Folge 29 (Webcast). Achtung, das Interview ist fast 3 Stunden lang, lohnt sich aber:
http://alternativlos.org/29/ )

Natürlich gilt das oben Gesagte für jegliche Geschäftsmodelle, die (auch) mit Daten Geld verdienen, prinzipiell also für jede kommerzielle App, insbesondere wenn sie scheinbar kostenlos ist. Neu bei Pokemon Go ist jedoch, daß den Nutzern nicht einmal ein realer Gegenwert oder Nutzen daraus entsteht, daher tritt der Manipulations- und Ausbeutungseffekt hier besonders deutlich zutage. Hoffentlich!

tl;dr — Einige Zitate aus dem o.g. Artikel:

„In nicht einmal drei Wochen wurden bereits weltweit 75 Millionen der Apps heruntergeladen. Das sichert eine große Verbreitung und dem Hersteller massenhaft Geodaten und Bilder von den Orten, die mit den Kameras der Smartphones und Tablets aufgenommen werden. Wer spielen will, muss personenbezogene Daten freigeben, die Kamera ist immer angeschaltet, wenn man nicht auf die AR-Funktion [„erweiterte Realität“ -D.P] verzichtet, was erst ab Android 6.0 möglich ist, Zugriff hat die App auf das GPS-Signal, den Speicher und die Kontaktliste.
Alle erhobenen Daten gehen in den Besitz der amerikanischen Firma Niantic und damit womöglich auch an Google über, sie können wieder an Dritte weitergegeben werden, nicht nur an andere Unternehmen, sondern auch an Behörden oder Geheimdienste.“

„John Hanke, Geschäftsführer von Niantic, erklärte, dass man daran denke, neben Werbung gegen Zahlung (cost per visit) Treffpunkte oder Pokéstops etwa in Geschäften oder Gebäuden einzurichten, um Spieler anzulocken. „Do-not-track“-Befehle werden nicht beachtet.“

„Als [die Niantic-Vorgängerfirma] Keyhole von Google übernommen wurde, war es bereits eine Firma, die mehr oder weniger den Geheimdiensten gehörte. Die CIA hebt die Bedeutung der Investition in Keyhole besonders hervor, aus dessen Earth Viewer schließlich Google Earth entstand, also auch mit erheblichen Investitionen der Geheimdienste […]“

„Mit Google Earth und Street View werden weltweit Bilder von Straßen und Gebäuden gemacht. Aber einsehbar werden nur Orte, die von außen und von oben zugänglich sind. Es fehlt der Zugang in den umschlossenen Raum. Hier könnte Pokemon Go eine Möglichkeit bereitstellen, diese Hürde zu überwinden, ohne dass dies als Eindringen erscheinen muss. Mit einem Spiel setzt man eine Heerschar von Trolls in Bewegung, die nur spielen wollen, aber als Spione unterwegs sind, um umbaute Räume ebenfalls zu erfassen und zu kartieren, was sich in ihnen befindet. Das wäre eine neue Art von „Open Source Intelligence“ nicht nur für das massenhafte Sammeln von Bewegungsprofilen, sondern etwa auch für Bilder von Innenräumen oder anderen Orten, ohne ein Smartphone direkt abzuhören. Zudem ist die Kamera immer aktiviert, auch wenn der AR-Modus ausgeschaltet ist.“

„Die israelische Armee hat die Pokémon-App auf Militärstützpunkten verboten, weil das Spiel den Zugriff auf GPS-Daten und Kamera erfordert. Das Spiel sei ein Mittel zum Sammeln von Informationen, so die Sicherheitsabteilung der Armee.“

(http://www.heise.de/tp/artikel/48/48996/1.html)

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