Wann versteht irh es endlich? Krieg führt zu Terror, führt zu mehr Krieg, führt zu Terror (Jürgen Todenhöfer)

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Liebe Freunde, solange ich eine Stimme habe, werde ich unseren Politikern zurufen: Stoppt Eure terroristischen Kriege und Waffenlieferungen und verschwindet aus dem Mittleren Osten. Nur dann bricht der internationale Gegenterror in sich zusammen.

Die blutigen Tage, die der Westen derzeit erlebt, durchleiden die Menschen im Mittleren Osten seit Jahrzehnten. Aber nicht Hunderte starben in Afghanistan, Pakistan, Irak, Libyen, Syrien oder Somalia, sondern Millionen. Durch unsere Kriege und unsere Waffenlieferungen. Kampfpanzer für 1.6 Mrd. € hat Deutschland gerade an Katar geliefert. „Zur Verteidigung unserer Werte.“ Welch ein Hohn!

Jetzt wundern sich die Hintermänner dieser Kriege und Waffenlieferungen, dass Extremisten auf diesen Bombenterror mit kriminellem Gegenterror antworten. Der französische Philosoph Jean-Paul Sartre beschrieb diese Blindheit der Politiker gegenüber ihrer Mitschuld am Gegenterror mit den klassischen Worten: „Das ist der Moment des Bumerangs. Die Gewalt schlägt auf uns zurück und wir verstehen so wenig wie früher, dass es unsere eigene Gewalt ist.“

55 Jahre lang habe ich die Krisengebiete des Mittleren Ostens bereist. Mit Rebellen, Terroristen, Diktatoren und Präsidenten gesprochen. Mein väterlicher Freund, Hanns Martin Schleyer, wurde von RAF-Terroristen ermordet. Ich war selbst kurzzeitig Richter in einem Terroristenprozess. Und stand auf der RAF-Todesliste. Ich weiß, wie Terroristen ticken. Auch wie der IS tickt. Und was Terroristen zu ihrem widerlichen Terrorismus treibt. Es sind unsere widerlichen Kriege. Ich habe, wie Ihr wisst, viele Tage mit IS-Terroristen verbracht. Staunend höre und lese ich, was Politiker, die nie an der Kriegs- oder Terrorfront waren, über diesen Terrorismus erzählen. Avanti dilettanti!

Es gibt viel klügere Strategien gegen den IS als Bombenkriege: Geheimdienste, Geld, Unterwanderung, Spezialeinsätze. Mit Bombenkriegen wird der Westen den IS nie besiegen. Selbst wenn er alle Städte zerstört, die der IS erobert hat. Einschließlich Mosul und Raqqa. Weil 90% der Bombenopfer Zivilisten sind, deren Angehörige oder Freunde sich rächen werden. Durch Kriege werden wir den IS allenfalls in den Untergrund zwingen. Nicht nur im Mittleren Osten. Auch bei uns. Das ist keine Lösung des Terror-Problems, sondern eine apokalyptische Vorstellung!

Ich wiederhole: Nur sunnitische Araber können den (angeblich) sunnitischen IS ein für alle mal ausrotten. Die Sunniten des Irak sind dazu bereit, wenn sie in ihrem Land die gleichen Rechte bekommen wie die Schiiten. Wenn es zu einer echten nationalen Aussöhnung kommt. Der Vorschlag ihrer Führung zu einer Ausschaltung des IS liegt dem Weißen Haus vor. Doch keiner spricht mit ihnen. Sie waren ja Anhänger Saddam Husseins.

Die Politik des Westens erinnert mich an ein Zirkuspferd, das nur einen Trick beherrscht: Krieg. Obwohl das Problem dadurch jeden Tag größer wird. Von Wespen gestochen, schlägt der Westen mit Knüppeln auf die Wespennester ein. Und wundert sich, dass die Wespenplage immer größer wird. Wie Heinrich Kleist’s im Augenblick der Tat betrunkener ‚Dorfrichter Adam‘ kapiert der Westen nicht, dass er Hauptverursacher des internationalen Terrorismus ist. Ohne den Irakkrieg Bush’s gäbe es den IS gar nicht, wie selbst Barack Obama zugibt.

Wer sich bei uns gegen Militärinterventionen einsetzt, wird beschimpft, verhöhnt, ja fast kriminalisiert. Obwohl selbst ‚unlösbarste‘ Konflikte ohne Intervention von außen gelöst wurden. Siehe den Nuklearstreit mit dem Iran! Oder den als unlösbar geltenden Ost-West-Konflikt der Nachkriegsjahre. Aber mit Frieden ist offenbar weniger zu verdienen als mit Krieg.

Am Krieg verdient nur die Waffenindustrie. Das Volk darf immer nur bezahlen. Mit Geld, Blut und Tod. Wir dürfen diesem mörderischen Dilettantismus nicht länger zusehen.

WIR WERDEN JEDES WEITERE KRIEGSJAHR IM MITTLEREN OSTEN MIT JAHRZEHNTEN DES TERRORS BEZAHLEN. Das habe ich bereits 2003 in meinem ersten Buch zum ‚Krieg gegen den Terror‘ geschrieben. (‚Wer weint schon um Abdul und Tanaya? Die Irrtümer des Kreuzzugs gegen den Terror‘) Heute wiederhole ich diese Voraussage. Keiner unserer ‚Riesenstaatsmänner‘ soll sagen können, das habe er nicht wissen können. Euer JT

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