USA bereiten Sturz von Präsident Evo Morales vor

Nil Nikandrow
11. Juni 2016
Aus dem Englischen: Einar Schlereth

US-Geheimdienste haben ihre Operationen zur Entfernung des bolivianischen Präsidenten Evo Morales aus dem Amt gesteigert. Alle Optionen liegen auf dem Tisch, inklusive seine Ermordung. Barack Obama, der die Schwächung des lateinamerikanischen „feindlichen Blocks populistischer Staaten“ als Sieg der Außenpolitik seiner Verwaltung ansieht, will vor seinem Amtsende noch diesen Erfolg buchen.

Washington fühlt sich in Bolivien unter Druck wegen Chinas erfolgreicher Expansion in dem Land. Morales stärkt stetig seine finanzielle, ökonomische, handelspolitische und militärische Beziehung mit Beijing. Chinesische Geschäfte blühen in La Paz. Sie tätigen Investitionen und Darlehen und nehmen an Projekten teil, um für Bolivien eine Schlüsselposition in der Transport-Industrie des Kontinents zu erzielen. In den nächsten 10 Jahren wird Bolivien dank seiner großen Gasreserven die Energie-Zentrale Südamerikas werden. Evo Morales sieht die Entwicklung seines Landes als Top-Priorität und die Chinesen haben, anders als die Amerikaner, Bolivien immer als einen Alliierten und Partner angesehen in einer Beziehung, die doppelte Standards vermeidet.

Die US-Botschaft in La Paz ist seit 2008 ohne Botschafter. Er wurde wegen seiner subversiven Tätigkeiten als persona non grata angesehen. Der interim Chargé d’affaires ist gegenwärtig Peter Brennan und man fragt sich, für welchen Geheimdienst er eigentlich arbeitet. Er war früher in Pakistan stationiert, wo „schwierige Entscheidungen“ gemacht werden mussten über Ermordungen, aber den größten Teil seiner Karriere verbrachte er in Lateinamerika. Im besonderen war er  verantwortlich für die Einführung des ZunZuneo-Dienstes in Kuba (ein illegales Programm, der „Kubanischer Twitter“ getauft wurde). USAID leitete dieses CIA-Programm unter dem unschuldigen Vorwand, den Kubanern zu helfen, sich über kulturelle und sportliche Ereignisse und internationale Nachrichten zu informieren. Sobald es eingeführt war, gab es Pläne, es zu benutzen, um die Bevölkerung zur Vorbereitung eines „kubanischen Frühlings“ zu benutzen. Wenn man über Brennan etwas liest, stößt man häufig auf den Begriff „dunkles Pferd“. Er ist gewohnt zu bekommen, was er will um jeden Preis, und seine knappe Deadline in Bolivien (vor dem Ende von Obamas Präsidentschaft) zwingt Brennan, große Risiken einzugehen.

Zuletzt hat Brennan „sich hervorgetan“ bei dem Referendum, ob Morales sich 2019 nochmals zur Wahl aufstellen lassen darf und auch während der Abstimmung. Um die „Nein“-Stimmen zu ermutigen, mobilisierte die US-Botschaft ihre gesamte Propaganda-Maschine, setzte alle von ihr kontrollierten NGOs in Bewegung und spendierte eine Menge zusätzlicher Gelder für Proteste. Es ist aufschlussreich, dass viele dieser Proteste damit endeten, dass Fotos von Morales in seiner Präsidenten-Tracht verbrannt wurden. Rekordhohe Mengen Dreck wurden auf den Präsidenten abgefeuert. Beschuldigungen von Korruption waren am gängigsten, obwohl Morales immer offen mit seinen persönlichen Finanzen war. Es wäre schwer gewesen, ihm einen Besitz von „43 Mrd. Dollar auf Offshore-Konten“ anzudichten, wie man es mit Hugo Chávez und Fidel Castro machte.

Brennan hat auch Abkommen mit Washington über andere Operationen getroffen, um den Präsidenten zu kompromettieren. Eine Attacke wurde von dem CIA-Agenten Carlos Valverde Bravo in Gang gebracht, einem bekannten TV-Journalisten und ehemaligem Agenten in Boliviens Sicherheitsdienst. In seinem Programm vom 3. Februar beschuldigte er die frühere Gefährtin von Morales, Gabriela Zapata, kommerzielle Managerin des chinesischen Unternehmens CAMC Engineering Co., dunke Geschäfte im Wert von 500 Mill. $ gemacht zu haben. Gleichzeitig tauchten im Internet Insinuationen auf, dass der Präsident darin verwickelt sei, obwohl Morales mit ihr alle Verbindungen 2007 abbrach, und keine Individuen, ohne Rücksicht auf Namen oder Rang, verschont hat in seinem Kampf gegen die Korruption.

Das von der US-Botschaft entworfene „Exposée“ wurde bis zum Tag des Referendums am 21. Februar 2016 durchgeführt. Die „Nein“-Stimmen gewannen, trotz des positiven Ergebnisses der Meinungsumfragen. Morales akzeptierte die Niederlage mit seinem indianischen Großmut, aber in seinen Erklärungen nach dem Referendum war ihm klar, dass die US-Botschaft eine feindlselige Kampagne geführt hatte.

Die Untersuchung des Falls Gabriela Zapata enthüllte, dass sie ihre frühere Beziehung zu Morales ausnutzte, um ihre Karriere zu fördern. Ihr wurde eine Position bei CAMC angeboten und sie zog in eine Luxuswohnung in einem vornehmen Viertel in La Paz und zog eine große Schau über ihre „enge“ Beziehung zu Morales ab, obwohl er mit allem nichts zu tun hatte. Sie versuchte auch eine geschäftliche und persönliche Beziehung zum Stabschef des Präsidenten Juan Ramón Quintana herzustellen. Er leugnete kategorisch, Zapata jemals getroffen zu haben.

Nach und nach lösten sich alle CIA-Beweise in nichts auf. Zapata muss jetzt aussagen und ihr Anwalt sitzt im Ausland, weil seine Kontakte zu den Amerikanern aufgeflogen sind. Der US-Agent Valverde Bravo ist nach Argentinien geflohen. Von dort schleudert er neue Anklagen gegen Morales mit verstärkter Kraft. Es ist alles ganz logisch: Eine ständig wiederholte Lüge ist eine effektive Waffe in der neuesten Generation der Informations-Kriegsführung. Das jüngste Beispiel ist der Sturz von Dilma Rousseff, die der Korruption angeklagt wurde von Beamten, die von der Regierung als korrupt identifiziert worden waren!

Die US-Armee hat ihre Anwesenheit in Bolivien in den jüngsten Monaten verstärkt. Zum Beispiel besuchte Oberst Felando Pierre Thigpen das Department Santa Cruz, wo es starke separatistische Absichten gibt. Thigpen ist bekannt, in eine Programm zwischen Pentagon u nd CIA verwickelt zu sein, um potentiellen Nachwuchs für US-Geheimdienste zu besorgen. In Kommentaren von bolivianischen Bloggern und in Veröffentlichungen über Thigpen wird bemerkt, dass der Oberst in das Land geschickt wurde am Vorabend der Ereignisse, die in Beziehung stehen zur „bevorstehenden Erzetzung einer Regierung, die ihr Potential erschöpft hat, und wegen des Bedarfs zur Rekrutierung alternativer junger Persönlichkeiten für eine neue Führungs-Struktur“. Einige Kommentare deuteten an, dass Thigpen die Arbeit der Diplomaten Peter Brennan und Erik Foronda, ein Medien- und Presse-Berater an der Botschaft, kontrolliert.

Die Botschaft antwortete, indem sie erklärte, Thigpen sei „auf eigene Initiative“ nach Bolivien gekommen, aber es ist kein Geheimnis, dass er eingeladen wurde, „um mit Jugendlichen zu arbeiten“ von NGOs, die ihre Aktivitäten mit den Amerikanern koordinieren: die Foundation for Leadership and Integral Development (FULIDEI), die Global Transformation Network (RTG), die Bolivian School of Heroes (EHB) und andere. Thigpens Arbeit ist also nicht improvisiert, sondern eine direkte Herausforderung der Regierung Morales. Im Land selbst erhält er politische Unterstützung von der Christian Democratic Party, eine Partei der äußersten Rechten.

Die US-Pläne zur Destabilisierung Boliviens – die der Regierung von Evo Morales von einem nicht genannten befreundeten Land zugespielt wurden – umfassen einen Schritt-für-Schritt Zeitplan für Aktionen der Amerikaner. Zum Beispiel: „Hungerstreiks in Gang setzen und Massen-Moilisierungen und Konflikte an den Unis schaffen, in zivilen Organisationen, indigenen Gemeinden und verschiedenen sozialen Kreisen sowie in den Regierungs-Institutionen. Bekanntschaften knüpfen mit sowohl aktiven als auch pensionierten Militärs, mit dem Ziel, die Glaubhaftigkeit der Regierung in der Armee zu untergraben. Es ist absolut erforderlich, Soldaten für ein Krisen-Szenario zu tränieren, damit in einer Atmosphäre wachsender sozialer Unruhen sie einen Aufstand gegen das Regime unternehmen können und die Proteste unterstützen, um einen friedlichen Übergang zur Demokratie sicherzustellen.“

Die ersten Früchte des Programms sind das Auftauchen sozialer Proteste gewesen (Märsche von behinderten Bürgern auf Vorschlag der US-Botschaft), obwohl Evo Morales mehr Sorgen für die Interessen der Bolivianer gezeigt hat als irgendeine Regierung in der Geschichte Boliviens.

Der Umfang der Operationen zum Sturz von Präsident Morales – finanziert und geleitet von US-Geheimdiensten – wird ständig größer. Der größte Gegner Amerikas in Lateinamerika ist verurteilt worden zum Schicksal der „Neutralisierung“. In Attacken gegen Evo Morales hat die radikale Opposition offen angedeutet, dass es lange her ist, seit man einen Flugzeugabsturz in der Region erlebt hat mit einem Politiker, der ein Feind Washingtons ist …

Quelle – källa – source

%d Bloggern gefällt das: