Die Kriege der nächsten Jahre (III) (Tag der Bundeswehr) German Foreign Policy

Zwei Wege – Eine Katastrophe: Übereinstimmungen und Unterschiede in deutschen Europakonzepten, für die Wolfgang Schäuble und Jürgen Habermas stehen. Flugschrift No. 1 von Hans-Rüdiger Minow. Januar 2016. Als e-book (10,- Euro) oder in Print (18,90 Euro). Flugschrift hier bestellen.
Die Kriege der nächsten Jahre (III)
10.06.2016
BERLIN
(Eigener Bericht) – Zwecks Rekrutierung von Jugendlichen führen die deutschen Streitkräfte am morgigen nationalen „Tag der Bundeswehr“ offensive Kriegsoperationen vor. Im sächsischen Frankenberg etwa, wo Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) die Veranstaltung mit einer Rede eröffnen wird, will die Truppe den „Angriff eines verstärkten Panzergrenadierzuges mit Schützen- und Kampfpanzern“ demonstrieren. Auch im niedersächsischen Munster sollen Besucher ein „einsatzähnliches Szenario“ zu sehen bekommen, bei dem „alle modernen Gefechtsfahrzeuge“ des Heeres „in Action“ gezeigt werden. Während die deutschen Streitkräfte bei diesen Gelegenheiten an die Technikbegeisterung und Abenteuerlust ihres potentiellen Nachwuchses appellieren, verweisen sie an ihren Universitätsstandorten Hamburg und München auf die dort vermeintlich anzutreffenden „perfekten“ Studienbedingungen. Zudem präsentiert sich die Truppe beim „Tag der Bundeswehr“ als besonders familienfreundlicher „Arbeitgeber“: Integraler Bestandteil aller Veranstaltungen ist stets ein ausgefeiltes „Kinderprogramm“.
Armee zum Anfassen
Wie das Bundesverteidigungsministerium mitteilt, wird Ressortchefin Ursula von der Leyen (CDU) am morgigen Samstag in der Wettiner Kaserne im sächsischen Frankenberg den diesjährigen nationalen „Tag der Bundeswehr“ mit einem Grußwort eröffnen. Laut von der Leyen geht es bei der an insgesamt sechzehn Standorten des deutschen Militärs durchgeführten Veranstaltung darum, eine Armee „zum Anfassen“ zu präsentieren, um nicht zuletzt potentiellem Nachwuchs zu zeigen, „wie vielfältig die Aufgaben und Tätigkeiten bei der Bundeswehr sind“.[1] In Frankenberg steht dabei auch die Vorführung offensiver Kriegsoperationen auf dem Programm: Der Truppe zufolge wird die hier stationierte Panzergrenadierbrigade 37 den Besuchern den „Angriff eines verstärkten Panzergrenadierzuges mit Schützen- und Kampfpanzern“ demonstrieren.[2]
Kampfpanzer in Action
Eine ähnliche Präsentation ist nach Angaben der Bundeswehr auch im niedersächsischen Munster geplant. Hier soll das Publikum ein „einsatzähnliches“ Szenario zu sehen bekommen, bei dem „alle modernen Gefechtsfahrzeuge des Heeres, einschließlich des neuen Schützenpanzers Puma und des Kampfpanzers Leopard 2A7, in Action gezeigt“ werden.[3] Bei dem Manöver handele es sich um den „zentrale(n) Programmpunkt“ der Veranstaltung, den man im Laufe des Tages insgesamt vier Mal vorführen wolle, heißt es. Besonders hervorgehoben wird zudem die „Mitwirkung“ des Kommandos Spezialkräfte (KSK).[4] Die für Aufstandsbekämpfung und verdeckte Operationen hinter den feindlichen Linien zuständige Eliteeinheit war unter anderem in Afghanistan in gezielte illegale Tötungen sogenannter Terrorverdächtiger involviert.
Besonders spannend
Außer an die Abenteuerlust und den Spaß am Nervenkitzel appellieren die deutschen Streitkräfte mit den geschilderten Vorführungen gezielt an die Technikbegeisterung potentieller jugendlicher Rekruten. „Militärisches Großgerät“ wie der Kampfpanzer „Leopard“ sei nach seiner Erfahrung „immer besonders spannend für die meisten Besucher“, erklärt etwa Oberstleutnant Michael Weckbach vom „Landeskommando Thüringen“, der den „Tag der Bundeswehr“ in Erfurt organisiert.[5] Analog äußern sich die Verantwortlichen des Truppenstandorts Veitshöchheim (Bayern). Im Rahmen einer „Waffenschau“ werden sie am Samstag mehr als 80 Kampffahrzeuge präsentieren; dabei seien „Profis“ anwesend, die allen Interessierten zu technischen Fragen geflissentlich „Rede und Antwort“ stünden, heißt es.[6]
Aktion „Job-Tausch“
Diverses „Großgerät“ wird beim „Tag der Bundeswehr“ auch auf dem Fliegerhorst Hohn in Schleswig-Holstein zu sehen sein, darunter ein Kampfjet vom Typ „Tornado“ und der Militärtransporter Airbus A400M. Der Truppe zufolge steht die Veranstaltung ganz im Zeichen der von Verteidigungsministerin von der Leyen verkündeten Rekrutierungsoffensive „Bundeswehr in Führung – Aktiv. Attraktiv. Anders“ (german-foreign-policy.com berichtete [7]). So bietet die Luftwaffe hier eigens eine „Aktion Job-Tausch“ an: „Wer schon immer mal in einen Job der Bundeswehr reinschnuppern wollte, bekommt über die Aktion ‚Job-Tausch‘ dafür eine Gelegenheit. Parallel dazu übernimmt ein Bundeswehrmitarbeiter die Aufgaben des Zivilisten außerhalb der Kaserne. Durch den Austausch lernen Menschen die Bundeswehr hautnah kennen und stellen einen persönlichen Kontakt zu Mitarbeitern her.“[8] Passend dazu wird die Heeresfliegertruppe an ihrem Standort im niedersächsischen Bückeburg ihre „einzigartigen“ Ausbildungstechniken präsentieren. Man verfüge über das „größte und modernste Simulatorenzentrum für Hubschrauber in Europa“ und ermögliche damit angehenden Piloten, „gefährliche Situationen in einer sicheren Umgebung beherrschen zu lernen“, heißt es.[9]
Traumhafte Studienbedingungen
Ganz ähnlich fallen die Selbstdarstellungen der deutschen Militärhochschulen in Hamburg und München aus. So erklärt etwa eine Offiziersanwärterin in einem Interview zum „Tag der Bundeswehr“, die Studienbedingungen in der bayerischen Landeshauptstadt seien geradezu „traumhaft“.[10] Analog äußert sich der für die „Kommunikation der Arbeitgebermarke Bundeswehr“ zuständige „Presse- und Informationsstab“ des Verteidigungsministeriums in einer Werbebroschüre. Darin heißt es, die deutschen Streitkräfte ermöglichten angehenden Akademikern ein „Studium Erster Klasse“, das sich im Unterschied zur Situation an zivilen Universitäten durch „kleine Seminargruppen“ und die Zahlung eines „volle(n) Gehalt(s)“ schon während der Ausbildung auszeichne.[11]
Ausweichassistent
Verwiesen wird zudem auf die vermeintlich hervorragende „Nachwuchsförderung“ der Bundeswehruniversitäten. Die Militärhochschule in München etwa wird am „Tag der Bundeswehr“ ein Forschungsprojekt vorstellen, bei dem Doktoranden und junge Wissenschaftler einen „Ausweichassistenten“ für Kfz entwickeln, der autonom Kollisionen vermeiden und das Verhalten des Fahrers einschätzen kann.[12] Begründet wird die Notwendigkeit eines solchen Systems vorrangig mit dem „Schutz von schwächeren Verkehrsteilnehmern“ wie Fußgängern oder Radfahrern.[13] Unerwähnt bleibt dabei indes, dass die Entwicklung autonom agierender Fahrzeuge integraler Bestandteil zahlreicher Rüstungsvorhaben ist (german-foreign-policy.com berichtete [14]) – das Projekt der Bundeswehruniversität München erscheint allein als Dienstleistung an der Gesellschaft.
Mit Kinderprogramm
Genau diese Haltung spricht auch aus der offiziellen Propaganda zum „Tag der Bundeswehr“. So erklärt das Verteidigungsministerium, die Veranstaltung sei eine „bundesweite Plattform“ für den „Austausch“ zwischen Streitkräften und Gesellschaft; die Truppe zeige sich nicht nur als „attraktiver Arbeitgeber“, sondern ebenso als „Partner vor Ort“.[15] Es verwundert vor diesem Hintergrund nicht, dass an nahezu allen Standorten ein ausgefeiltes „Kinderprogramm“ angeboten wird: Während das deutsche Militär auf diese Weise seine vermeintliche Familienfreundlichkeit demonstriert, verschleiert es gleichzeitig, dass Kinder und Jugendliche stets zu den ersten Opfern jeglicher Kriegsoperationen zählen.
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http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/59384

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