Bundeswehreinsatz mit Bodentruppen in Mali (IMI-Report)

Zusammenfassend kann mit Fug und Recht davon gesprochen werden, dass
Mali mit tatkräftiger Unterstützung Deutschlands umfassend militarisiert
wird. Das von der UN für MINUSMA erteilte Mandat ist entsprechend
ausgreifend und unbestimmt zugleich und damit völlig unrealistisch. In
Bundeswehrkreisen wird deshalb auch von einem Einsatz ausgegangen, der
Jahrzehnte dauern könnte. Sicherheitslage und regionales Umfeld sind in
vielerlei Hinsicht mit Afghanistan vergleichbar.

Diese Militarisierung findet statt, während unter den beteiligten
europäischen Staaten keinerlei Einigkeit oder Konzept besteht, wie die
zugrundeliegenden Konflikte gelöst und der malische Staat zukünftig
organisiert werden soll. Zur Erinnerung: Die Bundeswehr bildet malische
Soldaten aus, die nicht nur Minderheiten attackieren, sondern ihrerseits
in einem schweren Konflikt mit der immer noch nach Unabhängigkeit
strebenden MNLA steht. Diese kämpft in Koordination mit Frankreich jene
Gebiete frei, die anschließend von MINUSMA und der Bundeswehr
kontrolliert werden können, damit hier wiederum die malische Armee
stationiert werden kann. Während im UN-Mandat das Ziel der territorialen
Integrität verankert ist, unterstellen Viele Frankreich als wichtigstem
militärischen Akteur jedoch ganz andere Ziele. Alexander Göbel etwa,
„Afrika-Korrespondent“ des Deutschlandfunks, mutmaßte bereits im Juni
2015: „Fakt ist: Wie im Nachbarland Niger gibt es auch im Norden Malis
Uran, außerdem Gold, Seltene Erden, Erdöl. Je näher die Tuareg-Rebellen
ihrem Ziel kommen – einem unabhängigen Staat Azawad -, desto leichter
dürfte es für Frankreich sein, später die Ressourcen zu kontrollieren.
Ein Friedensvertrag, gar ein wirklich souveräner und stabiler malischer
Staat, der würde dieser Strategie nur im Wege stehen.“[8] Vor allem
stabile und demokratische Staatswesen – in Mali, Niger dem Tschad und
allen anderen in diesen Konflikt gezogenen Ländern des Sahels – dürften
diesen Zielen noch viel mehr im Wege stehen.

http://www.imi-online.de/2016/05/30/eintausend-deutsche-soldaten-in-mali/
Christoph Marischka (30. Mai 2016)

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