Griechenlands ehemaliger Finanzminister Yanis Varoufakis charakterisiert die Eurogruppe als Ort für Psychopathen und die Finanzminister als Schäubles Marionetten.
In einem Interview an die holländische Zeitung De Volkskrant charakterisiert der Wirtschaftswissenschaftler und ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis die Verhandlungen über das dritte Paket zur Rettung Griechenlands als einen reinen Putsch und meint charakteristisch: „Es war ein klarer Putsch, ein großer Putsch, und zwar ein gelungener.„
Wie Yanis Varoufakis vertritt, akzeptierte die Eurogruppe niemals eine Regierung, die auf Basis eines provokanten Programms gewählt wurde, und deswegen interessierten sie sich überhaupt nicht für die von Athen vorgeschlagenen Reformen. „Ich wusste, dass welche Zugeständnisse auch immer wir machen würden, sie niemals ausreichend seien würden. Die Troika wollte die griechische Regierung in den Dreck ziehen und erniedrigte sie mit der Schließung der Banken völlig.„
Schäuble an Varoufakis: „Mit Dir verhandle ich nicht …„
Als Beispiel für die Haltung Brüssels führt Yanis Varoufakis eine vertrauliche Unterhaltung an, die er mit Schäuble hatte, während der er verbindlich die Organisation einer unbestechlichen Steuerverwaltung zusagte und den deutschen Finanzminister sogar aufrief, einen Deutschen vorzuschlagen, der ihr Leiter werden würde. „Mit Dir werde ich nicht verhandeln„, antwortete ihm Schäuble.
Das deutsche Finanzministerium merkt jedenfalls seinerseits an, Schäuble vermöge sich an ein solches Anliegen von Varoufakis nicht zu erinnern, wobei Berlin betont, es sei nicht seine Sache, irgendjemanden in diese Position einzusetzen.
Auf eine Frage des Journalisten, ob es letztendlich irgend eine angenehme Erinnerung an seine Amtskollegen in der Eurogruppe gebe, antwortete der ehemalige Finanzminister: „Wer von angenehmen Augenblicken in der Eurogruppe spricht, muss umgehend weggesperrt werden, weil er ein gefährlicher Verrückter ist (Lachen). Die Eurogruppe ist ein sehr unangenehmer Platz, einschließlich Schäubles, Dijsselbloems und Draghis. Die Machtzentren sind per Definition stressig, mit großem Egoismus und ständigen Konflikten. Wenn jemand Psychopath ist und ihm die Konflikte gefallen, dann ist die Eurogruppe der geeignete Ort.„
Parallel merkt Yanis Varoufakis an, nichts Radikales vorgeschlagen zu haben, sondern nur, einfach Griechenland wieder auf seine Füße kommen zu lassen, und ergänzt, eine Einigung mit der SYRIZA-Regierung wäre katastrophal gewesen, weil der Widerstand gegen die Troika sich weltweit als signifikant erwiesen hätte. „Dieser Schimmer einer Hoffnung war für die Bürger verboten, weil Wahlen in Spanien, Portugal und Irland folgten„, merkt er an.
Alle sind Marionetten in den Händen Schäubles
Auf die Frage, wer in der Eurogruppe der Boss war, antwortet Varoufakis, Schäuble sei der „Master“ aller Marionetten, also aller anderen Finanzminister. Dijsselbloen habe keine wirkliche Stärke, er habe keine Macht, er sei ein Soldat, eine Marionette. Er vermag keinerlei Entscheidung zu treffen, wenn er nicht mit Schäuble spricht. Schäuble beschließt, wer Vorsitzender wird, er bestimmt die Agenda, er kontrolliert alles.
Wie Yanis Varoufakis erklärt, bezeichnete er auch gegenüber der El Pais deswegen Dijsselbloem als „Leichtgeist“. Wie er anmerkt, unterhielt er selbst sich nie mit Dijsselbloem, da er mit ihm keine wirkliche Diskussion führen konnte. Mit wem er dagegen geredet habe, war Mario Draghi, den er auch als einen ausgezeichneten Ökonomen bezeichnet. „Schäuble ist gerissen und hat eine Vision und Macht. Dijsselbloem ist ein Zahnrad in einer Maschine, die er selbst nicht einmal begreift.„
Auf die Frage, ob und was er aus den Monaten seiner Amtszeit als griechischer Finanzminister bereue, antwortet Varoufakis: „Dass ich auf die Einheit der griechischen Regierung vertraute, oder um genauer zu sein: die Einheit innerhalb des Kampf-Kabinetts der sieben Personen, einschließlich meiner selbst und des Premierministers. Während der Dauer jener Zeit waren wir Tag und Nacht zusammen. Ich schlief auf die Weise, wie man in einem wirklichen Krieg in den Schützengräben schläft: ab und an wenige Stunden.„
„Ich vertraute Tsipras blind, das war nicht gut. Ich fühle mich nicht verraten, aber enttäuscht,“ endet der ehemalige Finanzminister.
(Quelle: To Pontiki)