junge Welt: Zweifel an Geheimdienstinformationen Angeblicher »Kopf« der Attentäter als einer der Toten vom Einsatz in Saint-Denis identifiziert

Von Hansgeorg Hermann, Paris
 
Die Pariser Staatsanwaltschaft hat am Donnerstag mittag einen der Toten der Polizeioperation von Saint-Denis als den gesuchten Pariser Attentäter Abdelhamid Abaaoud »formell« identifiziert. Der 28jährige gebürtige Marokkaner mit belgischem Pass war der Öffentlichkeit in den Tagen nach den Anschlägen von Paris, bei denen am vergangenen Freitag 130 meist junge Menschen ums Leben kamen, als Planer und »Kopf der Kommandoaktion« präsentiert worden.
 
Der französische Ministerpräsident Manuel Valls begrüßte »die Neutralisierung eines der Köpfe der Attentate«. Erhebliche Zweifel an dieser Version äußerten Sicherheitsexperten und Psychologen – allesamt ehemalige Polizei- und Militärberater. Abaaoud habe »weder das intellektuelle noch das mentale Profil eines Kriegsherrn« gehabt.
 
Zweifel an den Geheimdienstinformationen, die am Mittwoch zu einem sieben Stunden dauernden konzertierten Einsatz französischer Sicherheitskräfte gegen eine mutmaßliche Terrorzelle in Saint-Denis im Norden von Paris geführt hatten, gaben auch Sprecher der Polizei in der Tageszeitung Libération zu Protokoll. Das Haus, in dem während der Aktion acht Verdächtige gestellt und drei von ihnen getötet wurden, sei zum Teil von Hausbesetzern bewohnt gewesen, die mit den Anschlägen in Paris »absolut nichts zu tun gehabt« hätten. Außerdem hätten sich Angaben zu technischen Einzelheiten, die für den Einsatz von Bedeutung gewesen seien, als falsch erwiesen.
 
Regierungschef Valls hatte am Vormittag vor der Nationalversammlung vor »Terroranschlägen mit chemischen oder biologischen Waffen« gewarnt. Der Auftritt von Valls erinnerte fatal an die Lügen der US-amerikanischen Dienste, die zum Irak-Krieg führten. Medienvertreter stellten die Frage, warum der Ministerpräsident »ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt« Angst in der Bevölkerung schüre. Er hatte von den Abgeordneten verlangt, den von Präsident François Hollande verfügten »Ausnahmezustand« um mindestens drei Monate zu verlängern.
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