„Bild“ rührt die Kriegstrommel – von Oskar Lafontaine

„Bild“ rührt die Kriegstrommel

Gestern hat der zu „Bild“ heimgekehrte ehemalige Regierungssprecher Gerhard Schröders, Bela Anda, geschrieben: „Taten! Es ist die einzige Sprache, die Terroristen verstehen! Und die in der Bevölkerung das Gefühl totaler Ohnmacht verdrängt.“ Diesen Satz können alle Terroristen, die in den westlichen Metropolen Anschläge planen, unterschreiben. Sie denken an die Millionen Toten, die den Öl- und Gaskriegen der westlichen Terroristen zum Opfer gefallen sind.

Der Chef von bild.de, Julian Reichelt, schreibt heute: „Nach verheerenden Anschlägen in New York, Washington, Madrid, London und gleich zwei Mal in Paris sollte klar sein, dass es sich lohnt, diesen Feind mit aller militärischen Härte zu bekämpfen. Sätze wie ‚Gewalt schafft nur noch mehr Gewalt‘ und ‚Militärisch lässt sich der Terror nicht besiegen‘ klingen zwar klug und besonnen, sind aber nichts als eine bequeme Ausflucht. Denn egal, ob wir diesen Krieg gewollt haben (und natürlich wollten wir ihn nicht) – unser Feind führt ihn jeden Tag. Die zivilisierte Welt hat eine moralische Pflicht, nicht vor diesem Krieg zurückzuschrecken.“

Die Unbelehrbarkeit und Geschichtsvergessenheit vieler Journalistinnen und Journalisten ist erschreckend. Jürgen Todenhöfer weist immer wieder darauf hin: „Als der ‚Krieg gegen den Terror‘ begann, gab es weltweit wenige hundert Terroristen, jetzt sind es über Hunderttausend.“ Was lernt die „westliche Wertegemeinschaft“ daraus? Sie bombt weiter, damit noch mehr junge Männer im Vorderen Orient, deren Familien umgebracht werden, zu Terroristen werden. Es ist nicht zu fassen.

Der liberale Journalist Theodor Wolff hat die Situation vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs so beschrieben: „Die Dummheit, die keine Ahnung hatte, was ein moderner Krieg bedeutete, existierte ebenso wie das kaufmännische Talent betriebsamer Heereslieferanten, die den Gewinn blutiger Geschäftsjahre im Voraus berechneten und hinter der immer wehenden Flagge des Patriotismus Kanonen und Gewehre mitunter den fremden Regierungen billiger verkauften als der eigenen Armee.“ Als hätte er die heutigen Leitartikel gelesen, schreibt Wolff, nach dem heute ein renommierter Journalistenpreis benannt ist, von „der brandstiftenden Presse“, die unaufhörlich bemüht sei, „durch Schaffung neuer Missverständnisse die Völker zu entzweien“.

Bild: Mobilmachung im Ersten Weltkrieg, Bundesarchiv Bild 183 25684 0004 via Wikimedia Commons

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