http://www.jungewelt.de/2015/10-21/028.php
Am Dienstag morgen sollte vor dem Berliner Kriminalgericht Laura von Wimmersperg wegen einer Aktion des zivilen Ungehorsams gegen Kampfdrohnen der Prozess gemacht werden. Gegen die langjährige Moderatorin der Berliner Friedenskoordination war wegen der Verletzung der Hausordnung des Bundestages ein Bußgeldbescheid in Höhe von 250 Euro verhängt worden, hiergegen hatte sie Einspruch eingelegt. Da in den vorgesehenen Gerichtssaal nur elf Besucher passten, aber mehr als 50 Prozessbeobachter gekommen waren, um der Angeklagten solidarisch zur Seite zu stehen, wurde die Verhandlung nach langem hin und her auf den 10. November vertagt. Gruppen der Berliner Friedenskoordination hatten vorab die Protestaktion im Parlament noch einmal erklärt:
(…) Im Rahmen einer der ersten Debatten des Plenums über die Beschaffung von Kampfdrohnen für die Bundeswehr im Sommer 2013 hatte Laura von Wimmersperg mit drei weiteren Aktivistinnen und Aktivisten in einer Aktion zivilen Ungehorsams dagegen protestiert. Mit wie in Blut getauchten rot angemalten erhobenen Händen riefen sie in der Pause zwischen zwei Rednern mehrmals »Ächten Sie die Kampfdrohnen!«
Der Entscheidung für oder gegen Kampfdrohnen für die Bundeswehr kommt eine hohe Bedeutung zu, da ihr Einsatz auf Tötung unerwünschter Personen ohne juristisches Verfahren abzielt, die nicht Kombattanten im Sinne des humanitären (Kriegs-) Völkerrechts sind. Das ist ein Vorgehen, das als Mord und Kriegsverbrechen eingestuft werden muss, und mit dem Friedensgebot des Grundgesetzes unvereinbar ist.
Gruppen der Berliner Friedenskoordination sind Mitinitiatoren der bundesdeutschen Antidrohnenkampagne. Sie haben z. B. im Rahmen dieser Arbeit an alle für Berlin gewählten Bundestagsabgeordneten einen Fragebogen zu Kampfdrohnen mit der Bitte um Beantwortung geschickt, der von nicht einmal der Hälfte der Bundestagsabgeordneten beantwortet wurde.
Nach Vorstellungen des zuständigen Richters soll die Verhandlung gegen Laura von Wimmersperg am 10. November im gleichen kleinen Raum 3007 des Kriminalgerichts in Berlin-Moabit stattfinden. Wer dieser beiwohnen will, sollte sein Erscheinen vielleicht vorab bei Gericht ankündigen – Telefon 030 90140.