Die internationale Nachrichtenagentur Pressenza, die den Fokus auf Frieden und Gewaltfreiheit legt, nahm aktiv am Forum für eine Integration Lateinamerikas am 20 und 21. Juli in Quito teil, wie auch am Internationalen Kongress “Kommunikation und Integration für und von Lateinamerika” ebenfalls in der ecuadorianischen Hauptstadt am 23. Und 24. Juli. Letzteres wurde von Ciespal und Telesur organisiert. Für Pressenza ist eine Kommunikation mit dem Ziel einer Integration Lateinamerikas und der Karibik von größter Bedeutung.
Aber was bedeutet eigentlich Integration? Welche Teile werden hier integriert? Die Staaten, die Völker, die Nationen? Diese Fragen machen Sinn, um erst einmal festzustellen, welche Einigkeit angestrebt wird.
Die Begriffe Staat und Nation sollte man nicht verwechseln oder sie als ein und dasselbe sehen. Nationen bestehen weit über territoriale oder Regierungs-Zuständigkeiten hinaus. Immer mehr wächst auch das Verständnis dafür, dass ein Staat eine Vielfalt von Nationalitäten beherbergt und von diesen gebildet wird. Wir verstehen unter “Nation”, was der lateinamerikanische Denker Silo ausgedrückt hat, eine Nation ist, “wenn Personen, die sich mit ähnlichen Werten identifizieren und eine gemeinsame Zukunft anstreben, sich gegenseitig anerkennen”. “Eine Nation” – führt er weiter aus – “kann heute gegründet werden, in die Zukunft wachsen oder morgen scheitern oder weitere Gemeinschaften in das Projekt einbeziehen”.
In einem projizierten Sinn treffen die Lateinamerikaner und die Völker der Karibik aufeinander, um in eine gemeinsame Zukunft zu gehen. Das bedeutet, die Grundlage unserer Einheit besteht nicht wesentlich aus einem alten Vermächtnis, sondern aus der Möglichkeit uns als Brüder in einem gemeinsamen Projekt zu erkennen. Die Integration ergibt sich somit in einem Raum des international gewünschten Zusammenkommens. Auf diese Weise können verschiedenste kulturelle Traditionen, verschiedene Sprachen und Sichtweisen auf die Welt sich vereinigen. Aus dieser neuen Mischung können auch neue gemeinsame Bräuche und Sichtweisen entstehen.
Also bedarf es bei unserem Projekt der Integration nicht nur institutioneller zwischenstaatlicher Instanzen, die den permanenten Eingriffsversuchen der etablierten Macht – aus dem Aus- und Inland – standhalten, sondern vor allen Dingen müssen sich die Völker aktiv und bewusst auf den Weg machen andere Völker und Wirklichkeiten zu finden, über ihre eigenen geographischen, kulturellen und geistigen Grenzen hinaus.
Ein integratives Projekt macht Sinn und kann dauerhaft bestehen, wenn sich die Nationen vereinen und wenn die Staaten und deren Regierungen Sprecher und institutionelle Vermittler dieser Einheit sind. Ein integratives Projekt in Lateinamerika und in der Karibik ist die evolutive Antwort auf die unsensible Desintegration durch die Globalisierung. Es ist das Zeichen einer Avantgarde, die mit geschwisterlichen und menschlichen Banden versucht als Leuchtturm über die eigene Region hinaus zu leuchten.
Wie kann man auf dieses Projekt aufmerksam machen? Wie kann man immer mehr Gemeinschaften und Gruppen dazu aufrufen, sich zu beteiligen? Das ist unsere Aufgabe. So wie wir an Integration denken als Artikulation und Zusammenfließen, so wollen wir auch, dass die Völker in eine gemeinsame Richtung zusammenkommen und somit muss die Kommunikation dieses Projekts der Integration auch mit all dem übereinstimmen. Also kann jede Organisation, jedes Medium, jedes Netzwerk, jeder der kommuniziert sich einfach an diesem Projekt beteiligen, wenn er etwas über seine eigenen und unmittelbarsten Interessen hinaus machen möchte, viel weiter darüber hinaus. Es geht, wie schon Anfangs gesagt, darum uns zu suchen und zu finden, um dieses große Projekt der Integration von Völkern und Personen, die eine erfüllte Zukunft für die ganze Menschheit wünschen, zu verbreiten.