https://www.jungewelt.de/2015/06-06/036.php
Weichei des Tages: Pentagon
Die diensthabenden Scharfmacher in Washington schäumen. Da hatten die USA vor ein paar Monaten das russische Unternehmen Energomasch auf ihre Sanktionsliste gesetzt. Der Hersteller von Raketenmotoren gehöre mehrheitlich dem russischen Staat und habe einen Kumpel von Wladimir Putin als Minderheitsaktionär; das reichte der sogenannten Mutter des Rechtsstaates als Argument. Jetzt kommt laut New York Times Kritik an dieser Entscheidung von einer Seite, von der man es am allerwenigsten erwartet hätte: dem US-Verteidigungsministerium. Es forderte den Kongress auf, die Sanktionen gegen Energomasch zumindest so weit abzumildern, dass dessen Produkte wieder in die USA verkauft werden dürften. Wie das?
Energomasch ist aus dem sowjetischen Raumfahrtprogramm hervorgegangen und liefert seit den neunziger Jahren den USA die Motoren für die »Atlas V«-Raketen. Die Motoren gelten bei US-Experten als »zuverlässig und technisch fortgeschritten«. Leider handelt es sich bei ihnen um Einwegprodukte. So droht dem Pentagon ohne die russischen Zulieferungen in absehbarer Zeit die Situation, dass es seine eigenen Spionagesatelliten »für die delikatesten Aufklärungs- und Verteidigungsmissionen« nicht mehr ins All schießen könnte. Die Abwehr dieser Gefahr müsse, so das Pentagon in einem Brief an die zuständigen Ausschüsse des US-Kongresses, dem Land auch die 300 Millionen Dollar wert sein, die Energomasch aus den bereits vereinbarten Lieferungen an die USA erlösen werde.
Zwar versucht ein US-Konsortium seit einigen Jahren, einen mit dem russischen konkurrierenden Motor zu bauen. Doch die Entwicklung soll erst 2019 abgeschlossen sein, mit der Abnahme rechnet das US-Militär nicht vor 2022. Dumm gelaufen für das Imperium – und eine echte Chance für eine Gegensanktion, die greift. Sollte das nicht Russland 300 Millionen Dollar wert sein? (rl)