jungewelt.de – In Sorge um den Frieden 70 Jahre nach Kriegsende: Proteste gegen »Ball des Heeres« und Militarisierung deutscher Außenpolitik

Am 9. Mai wird nicht nur in Russland und an den Sowjetischen Ehrenmalen in Berlin der Tag des Sieges über den Hitlerfaschismus gefeiert. In der deutschen Hauptstadt tanzt auch die Bundeswehr an diesem Samstag abend. Anlass für den »Ball des Heeres« im Palais am Funkturm ist der 60. Jahrestags des Beitritts der BRD zur NATO. Friedensbewegte wollen dies ab 18 Uhr mit einer Protestaktion unter dem Motto »Tanz am Rande des Abgrunds – Wir schlagen Krach« begleiten. »Die NATO war und ist ein aggressives Militärbündnis, das die wirtschaftlichen und geostrategischen Interessen der westlichen Industrienationen mit Waffengewalt durchsetzt«, heißt es im Aufruf von Gruppen der Berliner Friedenskoordination. »Der 9. Mai gilt in vielen osteuropäischen Ländern seit 1945 als Tag des Sieges, weil an diesem Tag die letzte Unterschrift unter die Kapitulationsurkunde des Deutschen Reiches in Berlin-Karlshorst gesetzt wurde.« An diesem Datum wolle nun ausgerechnet die Bundeswehr »eine rauschende Nacht mit Live-Musik, Fünf-Gänge-Gourmet-Menü und außergewöhnlichem Showprogramm feiern«. Mit Tröten, Kochtöpfen und anderen Lärminstrumenten wollen die Aktivisten »Krach gegen diesen Kriegerball« schlagen. Diese und andere Aktionen rund um den 70. Jahrestag der Befreiung stellten am Dienstag Vertreter verschiedener Gruppen in der ver.di-Mediengalerie in Berlin vor. »Die Sorge der Friedensbewegung gilt der fortschreitenden Militarisierung der deutschen Außenpolitik und der Gefahr einer militärischen Konfrontation in Europa«, heißt es in einer von den Juristen und Juristinnen gegen atomare, biologische und chemische Waffen (IALANA). Das Aktionsbündnis »70 Jahre Tag der Befreiung« organisiert für den 10. Mai unter dem Motto »Nein zu Krieg und Faschismus – für eine Politik der Verständigung und friedlichen Konfliktlösung« eine Demonstration. Treffpunkt ist um 12 Uhr am Hackeschen Markt in Berlin. Redner sind unter anderem die Kommunistin und Zeitzeugin Erika Baum sowie die Schauspieler Peter Sodann und Rolf Becker. Linke-Politiker Oskar Lafontaine soll per Video zugeschaltet werden. (jW)

https://www.jungewelt.de/2015/05-06/060.php

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