Donnerstag, 7 Mai 2015, 10-20 Uhr,
Tagung
Werkstatt der Kulturen
Wissmannstraße 32, 12049 Berlin
Am 26. Dezember 2013 hat der japanische Premierminister Shinzô Abe den Yasukuni-Schrein besucht. Trotz aller Kritik nicht nur aus Nachbarländern sondern auch aus Europa und den USA zeigt er seine Beharrlichkeit an diesem geistigen Hort des japanischen Militarismus, indem er am 21. April 2014 eine Opfergabe für das Frühlingsfest des Schreins schenkte.
Diese Handlung hat nicht nur mit dem Geschichtsrevisionismus zu tun, der die kolonialistisch-imperialistische Vergangenheit des „Großjapanischen Kaiserreiches“ rechtfertigt. Für die Rechtsnationalisten, die den „Regimewechsel“ zu Tennô als Staatsoberhaupt, Einschränkung der Bürgerrechte und Schaffung der „Landesverteidigungstruppen (Kokubô-Gun)“ verwirklichen wollen, ist der Yasukuni-Schrein eine unverzichtbare Anlage, nicht nur um an die Glorie des „Großjapanischen Kaiserreiches“ zu erinnern, sondern auch um künftig, erstmal noch ohne Verfassungsänderung aber im Namen der „kollektiven Verteidigung“, produzierte Kriegsgefallene zu verehren.
Trotz des religiösen Aussehens ist der Yasukuni-Schrein eine Militäranlage, um Offiziere und Soldaten, die das Leben für den Tennô geopfert haben, samt zwangsmobilisierten und getöteten Koreanern und Taiwanesen als „Heldenseelen“ und „Kriegsgötter“ zu verehren, nicht um um Kriegstote zu trauern. Er ermöglichte es, den entschlossenen „Ehrentod“ zu glorifizieren – ein wesentliches Element der psychologischen Kriegsführung. Während das Innenministerium vor 1945 für Schreine und Tempel zuständig war, waren für den Yasukuni das Heeres- und das Marineministerium zuständig. Die Betriebskosten des Yasukuni wurden vom Militärbudget ausgegeben. Das Kriegsmuseum „Yûshûkan“, das zum Yasukuni gehört, feiert den damaligen Angriffskrieg als „Verteidigungskrieg für das selbständige Dasein“ und „heiligen Krieg für die Befreiung Asiens“.
Angesichts Religionsunterdrückungen vor und während des Zweiten Weltkrieges sind nicht wenige Bürger innerhalb und außerhalb Japans gegen die Rehabilitierung des Staatsschintoismus, die der offizielle Yasukuni-Besuch eines Ministerpräsidenten symbolisiert. Es geht um die Glaubensfreiheit, die Trennung von Staat und Religion und den Frieden in Japan und Asien. Der Nationale Christenrat in Japan (NCCJ), bei dem seit 1967 der Ausschuß für die Problematik des Yasukuni-Schreins tätig ist, hat gleich nach dem Yasukuni-Besuch von Abe dem Ministerpräsidenten seinen Protest erklärt.
Veranstaltungssprachen: Koreanisch-deutsch simultan | Japanisch-deutsch simultan
Für angemeldete Besucher_innen liegen Kopfhörer bereit.
Eine Veranstaltung in Kooperation mit der Werkstatt der Kulturen
und dem Korea-Verband.
Mit Unterstützung von: Anti-Yasukuni Candle Lights Action, Berliner Missionswerk, Japanisch Deutsches Friedensforum Berlin, Japanische Fraueninitiative Berlin, Koreanische Frauengruppe in Deutschland, Solidarity of Korean People in Europe