junge Welt l Kampf um Befreiung – Palästinenser in Syriens Hauptstadt Damaskus unterstützen Armee beim Vorgehen gegen »Islamischen Staat«. PLO pocht auf »Nichteinmischung«

Von Karin Leukefeld, Damaskus

Jarmuk war die Heimat der größten Palästinensergemeinde in Syrien. Ursprünglich war das Lager eine Ansammlung von Zelten für Flüchtlinge, die 1948 Palästina verlassen mussten. 1987 wurde aus dem Camp ein offizielles, von den Vereinten Nationen anerkanntes Flüchtlingslager. Aus den Zelten wurden Hütten und Häuser. Syrer, die aus allen Teilen des Landes nach Damaskus kamen, um in der Hauptstadt zu arbeiten, zogen ebenfalls nach Jarmuk. Die Häuser wurden höher, die Fläche von nur wenig mehr als zwei Quadratkilometern wurde immer dichter bebaut. Jarmuk wurde zu einem Damaszener Stadtteil. 2010 war Jarmuk ein boomender Wirtschaftsstandort.

Ausgebildet in den Schulen des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA), konnten Palästinenser in syrischen Universitäten studieren. Viele erhielten staatliche Stipendien, um im Ausland zu lernen. Anders als im Libanon, wo der Zugang zum Arbeitsmarkt für Palästinenser stark eingeschränkt ist, können sie in Syrien als Ärzte, Ingenieure und Beamte arbeiten.

Jarmuk galt als die »Hauptstadt der Palästinenser« außerhalb Palästinas. Drei Hauptstraßen durchqueren den Ort, die heute Frontlinien sind. Nach offiziellen UNRWA-Angaben waren im Jahr 2010 knapp 150.000 palästinensische Flüchtlinge in Jarmuk registriert.

Anfang 2011 wurden in Syrien 526.000 palästinensische Flüchtlinge gezählt. Seit Ausbruch des Krieges haben bis zu 50 Prozent der »syrischen Palästinenser«, wie sie sich selber nennen, das Land verlassen. Viele leben heute in Flüchtlingslagern im Libanon oder haben sich auf die gefährliche Reise nach Europa gemacht. Eine unbekannte Zahl ertrank dabei im Mittelmeer. (kl)

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