seit 2011 fordere ich Obama auf, in Verhandlungen mit seinem Feind Assad zu suchen – von Jürgen Todenhöfer

Liebe Freunde, seit 2011 fordere ich Obama auf, in Verhandlungen mit seinem Feind Assad eine friedliche Lösung der syrischen Tragödie zu suchen. Die USA lehnten stets schroff ab. Sie wollten durch einen Sturz Assads ihren Haupt-Rivalen im Mittleren Osten, Iran, schwächen. Jetzt arrangieren sich die USA mit Iran. Also spricht man auch wieder mit Assad. Gegen den IS kann man ihn auch gut gebrauchen. „Now we can!“
Im April 2013 war ich in Absprache mit dem Weißen Haus und mit Kenntnis der deutschen Bundesregierung 5 Stunden bei Assad. Das Weiße Haus wurde anschließend über alle Details dieser Sondierungsgespräche informiert. Sie enthielten Vorschläge Assads, deren Tragweite gewaltig war.
Nicht nur bezüglich einer Zusammenarbeit der Geheimdienste beider Länder im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Sondern auch bezüglich der politischen Zukunft Assads nach Abschluss eines „fairen nationalen und internationalen Friedensvertrages“. Seine einzige Bedingung: „Dass alle ausländischen Waffenlieferungen nach Syrien für eine bestimmte Zeit gestoppt würden.“ Obama hatte über seine Kumpels in Saudi-Arabien und Qatar die Macht dazu.
Die Vorschläge Assads gingen meilenweit über alles hinaus, was damals in der Öffentlichkeit diskutiert wurde. Und was vielleicht nie mehr erreichbar sein wird. Es hat Obama nicht interessiert. Syrisches Blut ist billig.
Die Antwort des Weißen Hauses lautete daher wie immer: „Mit diesem Kerl reden wir nicht“. Hunderttausende Syrer – Assadgegner und Assadanhänger – haben diese verantwortungslose und kindische Haltung des Friedensnobel-Preisträgers Obama mit dem Leben bezahlt. Von der Entstehung des „Islamischen Staates“, der mächtigsten und gefährlichsten Terrororganisation aller Zeiten, ganz zu schweigen. Ein ganzes Land ist daran zerbrochen. Mit ihm das harmonische Miteinander der Religionen, Syriens Markenzeichen. Wie einst im Irak.
Niemand muss arabische Diktatoren lieben. Auch nicht den syrischen Präsidenten Bashar Al Assad, der nach Ausbruch der syrischen Demonstrationen dramatische Fehler gemacht hat. Liebe zu Diktatoren verlangt auch niemand. Aber unsere Politiker müssen offen sein für Verhandlungen, um politische Fehlentwicklungen zu beenden. Dafür werden sie bezahlt. Sie müssen mit dem Teufel verhandeln, wenn dadurch Frieden geschaffen werden kann. Das ist ihre verdammte Pflicht.
30 Jahre Gesprächsverweigerung haben die „Helden“ im Weißen Haus im Falle Irans gebraucht, um das zu kapieren. 4 blutige Jahre im Falle Syriens. Auch wenn sie ihren Kurswechsel gegenüber Assad jetzt wie üblich hinter fadenscheinigen Dementis verbergen. Die sie übermorgen wieder bestreiten werden. In Wirklichkeit wird bereits verhandelt. Niemand lügt im Mittleren Osten überzeugender als die westlichen Politiker.
Wenn ich an die vielen verkrüppelten Kinder Syriens denke, deren größter Traum darin besteht, von unserer Stiftung eine Prothese zu erhalten, möchte ich weinen. Wenn ich an den Friedensnobel-Preisträger Barack Obama denke, kann ich mir nur mit Mühe Joschka Fischers berüchtigten Wutausbruch aus dem Deutschen Bundestag verkneifen: „Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch.“ Doch ich werde diesen Satz nie sagen. Versprochen! Es reicht, wenn ich ihn denke.
Ein politischer Dilettant ist Obama allemal. Er hat die politische Entwicklung in Syrien völlig falsch eingeschätzt. Genauso wie Hillary Clinton. Alle paar Wochen sagten sie den Sturz Assads für übermorgen voraus. Die gesamte politische Klasse des Westens lag bei der Beurteilung der Lage in Syrien daneben. Teilweise berichten diese Politiker jetzt bewusst nicht über die neue Lage. Sie haben Angst, dass ihre Wähler merken, dass sie vom Mittleren Osten keine Ahnung haben. Was für eine Gurkentruppe!
Die USA versprachen der Welt nach 9/11 eine „Neuordnung des Mittleren Ostens“. Geschaffen haben sie blutiges Chaos. Es brennt in Afghanistan, Pakistan, Irak, Syrien, Libyen, Yemen, Somalia usw. Die USA haben völlig die Kontrolle verloren. Wie Goethes tollpatschiger Zauberlehrling, der schließlich verzweifelt ausrief:
„Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister
werd ich nun nicht los.“
Dabei war alles so schön geplant. Ex-NATO-Chef Wesley Clark berichtet, man habe ihm kurz nach 9/11 im Pentagon eine geheime Liste mit 7 Staaten gezeigt, die man in den nächsten 5 Jahren angreifen wolle. Irak, Libyen, Iran usw. Ziel sei gewesen, „den Mittleren Osten zu destabilisieren, auf den Kopf stellen und dann zu kontrollieren.“
Auf den Kopf gestellt haben die USA den Mittleren Osten in der Tat. Doch kontrollieren tun ihn schon lange nicht mehr. Zauberlehrlinge!
In großer Verbitterung
Euer JT

%d Bloggern gefällt das: