Yaşar Kemal, aus seinem “Friedensmanifest” (2007)

Jetzt werden Sie fragen, ob sich alles Schlechte auf falsche Kriege schieben lässt. Natürlich mache ich nicht nur den Krieg für alles verantwortlich, was die Menschen unglücklich macht. Aber das meiste Unglück resultiert aus dem Krieg… Kriege sind ein Todesbefehl für die Menschen. Kriege sind der Tod für die Erde, auf der wir leben, für die Natur. […]

Bis zum Imperialismus haben die Kulturen sich gegenseitig genährt, ebenso die Zivilisationen. Es gibt keine Kultur und keine Zivilisation auf dieser Welt, die sich allein entwickelt hat.
Eine Reihe von Personen, die sich selbst zu den Wissenschaftlern und Intellektuellen dieses Landes zählen, zerreißt sich förmlich, um zu beweisen, dass eine Multikultur nicht möglich ist […]
Der Imperialismus hat von der Renaissance als Erbe zwei Begriffe übernommen: „Primitive und überlegene Menschen“. Und die Imperialisten haben sich selbst als berechtigt gesehen, den primitiven Menschen Kultur und Zivilisation zu bringen. […]

Wenn sich die Menschen eines Landes dafür entscheiden, menschenwürdig zu leben, wenn sie das Glück und die Schönheit wählen, dann geht das zunächst über die universellen Menschenrechte und dann über die universelle, grenzenlose Gedankenfreiheit. Die Menschen der Länder, die sich dagegen stellen, werden im 21. Jahrhundert als Menschen leben, die ihre Würde verloren haben und nicht in das Gesicht der Menschheit schauen können.


Yaşar Kemal, geboren am 6. Oktober 1923 und verstorben am 28. Februar 2015 war einer der bedeutendsten zeitgenössischen Romanciers der Türkei. Er war kurdischer Abstammung.