Interventionismus tötet: Die Ukraine ein Jahr nach dem Staatsstreich – von Ron Paul

Vor einem Jahr wurde die rechtmäßig gewählten Regierung der Ukraine durch einen Staatstreich gestürzt. Der Putsch  wurde nicht nur von den USA und den EU-Regierungen unterstützt – sondern größtenteils tatsächlich von ihnen geplant. Im Rückblick auf die Ereignisse, die zum Sturz geführt haben wird klar, dass die Ukraine ohne ausländische Intervention nicht in die aktuelle, scheinbar ausweglose Situation geraten wäre.

Ende 2013 lag die ukrainische Wirtschaft in Trümmern. Die Regierung rang verzweifelt um ein wirtschaftliches Rettungspaket und der damalige Präsident Janukowitsch blickte zunächst nach Westen, in Richtung USA und EU vor seiner Entscheidung ein Hilfsangebot von Russland zu akzeptieren. Die vorwiegend russischsprachigen Bewohner der Süd- und Ostukraine, die intensive Handelsbeziehungen mit Russland haben, waren mit der Entscheidung zufrieden, während die West-Ukrainer, die sich mehr mit Polen und Europa identifizieren, zu protestieren begannen. Die Ukraine ist ein tief gespaltenes Land und der Präsident kam aus der östlichen Region des Landes.

Zu diesem Zeitpunkt spiegelte der Konflikt aber nur ein weiteres Kapitel in der schwierigen postsowjetischen Geschichte der Ukraine wider. Es war klar, dass es einige Unzufriedenheit mit der gefallenen Entscheidung geben würde, aber wenn es keine ausländische Intervention zur Unterstützung der Proteste gegeben hätte, würden Sie wahrscheinlich heute diesen Beitrag lesen überhaupt nicht lesen. Das Problem wäre wahrscheinlich irgendwie rechtzeitig gelöst worden, anstatt zu einem massivem Bürgerkrieg zu eskalieren. Aber die Interventionisten in den USA und in der EU setzte sich wieder einmal durch und ihr interventionistisches Projekt war eine Katastrophe.

Die Proteste gegen Ende des Jahres 2013 entwickelten sich immer dramatischer und gewalttätiger und bald gab es einen stetigen Strom von US- und EU-Politiker, die offen daran teilnahmen, wenn die Demonstranten den Sturz der ukrainischen Regierung forderten. Der Senator John McCain machte mehrere Besuche in Kiew und wandte sich sogar an die Demonstarnten, um sie zu anzufeuern.

Stellen Sie sich vor, ein ausländischer Staaatsmann wie Putin oder Assad würden nach Washington reisen, um dort Demonstranten zu ermutigen, die Obama-Regierung zu stürzen!

Wie wir bald durch ein durchgesickerten Telefongespräch herausfanden, schmiedeten der US-Botschafter in Kiew und die stellvertretende US-Außenministerin, Victoria Nuland detaillierte Pläne für eine neue Regierung für die Zeit nachdem in Kiew die rechtmäßigen Regierung mit ihrer Hilfe gestürzt wurde.

Die Proteste hielten an, aber schließlich am 20. Februar des vergangenen Jahres vermittelte eine europäische Delegation einen Kompromiss für vorgezogene Wahlen und erhielt zudem einige andere Zugeständnisse von Janukowitsch. Eine Katastrophe schien zunächst abgewendet worden zu sein, aber plötzlich in der Nacht führten einige der gewalttätigen Gruppen, die den USA nahestanden, den Putsch durch und Janukowitsch musste aus dem Land fliehen.

Als der Osten des Landes sich weigerte die neue Regierung als legitim anzuerkennen und sich durch eine Volksabstimmung vom Westen des Landes abspaltete, schickte Kiew Panzer um den Osten zur Aufgabe zu zwingen. Anstatt den Willen derer zu akzeptieren, die Unabhängigkeit von dem einforderten, was sie als eine illegitime Regierung ansahen, die durch ausländische Einmischung an die Macht gekommen war, entschied die Obama-Regierung, Russland die Schuld an allem zu geben und begann damit Sanktionen gegen Russland zu verhängen!

Dieser Krieg, der von Kiew begonnen wurde dauert bis heute an. In diesem Monat wurde von den Deutschland und Frankreich ein Waffenstillstand vermittelt, der schließlich Anlass auf etwas Hoffnung auf ein Ende des Tötens gibt. Mehr als 5.000 Menschen wurden getötet, viele davon Zivilisten in ihren Städten, die von Kiew bombardiert worden sind.

Was wäre geschehen, wenn John McCain zu Hause geblieben wäre und sich um seine Wähler in Arizona gekümmert hätte, anstatt  6000 Meilen weit entfernt um fremde Menschen? Was wäre geschehen, wenn die anderen Politiker aus den USA und EU-Staaten das Gleiche getan hätten? Was wäre geschehen, wenn Victoria Nuland und der US-Botschafter in Kiew, Geoffrey Pyatt sich tatsächlich auf Diplomatie, statt auf Regimewechsel konzentriert hätten?

Hätten sie das getan, dann gäbe es eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass viele wenn nicht alle der Menschen, die durch Gewalt ums Leben gekommen sind, heute noch leben würden.
Interventionismus, Einmischung tötet.

——————–

Ron Paul ist ein US-amerikanischer Politiker und Mitglied der Republikanischen Partei. Er war zwischen 1976 und 2013 Abgeordneter im US-Repräsentantenhaus. 1988 zur US-Präsidentschaftswahl war er Kandidat der Libertarian Party. 2008 und 2012 war er ein Bewerber um die republikanische Kandidatur für die US-Präsidentschaftswahl.

%d Bloggern gefällt das: