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Nazizufluchtsort des Tages USA
Arnold Schölzel
Am heutigen Dienstag erscheint in den USA das Buch des Journalisten Eric Lichtblau »Die Nazis nebenan: Wie Amerika ein sicherer Zufluchtsort für Hitlers Männer wurde«. Am Montag berichtete der Autor in der New York Times, für die er in Washington arbeitet, über die Resultate seiner Studie. Sie stützt sich auf bisher unter Verschluss gehaltene Dokumente. Demnach beschäftigten die CIA und andere US-Behörden mindesten 1.000 Nazis als Spione und Informanten im Kalten Krieg. Nach Meinung des US-Historikers Norman Goda, der von Lichtblau zitiert wird, sei die Zahl »vermutlich viel höher«. In den 50er Jahren hätten der damalige FBI-Chef J. Edgar Hoover und Allen Dulles in der CIA »aggressiv« Faschisten jeglichen Rangs für den Kampf gegen den Kommunismus rekrutiert. Sie hätten geglaubt, deren geheimdienstlicher Wert überwiege das, was offiziell »moralischer Lapsus« im Dienst für das »Dritte Reich« genannt wurde. So sei z. B. ein ehemaliger SS-Offizier als Spion angeworben worden, obwohl er sich »kleinerer Kriegsverbrechen« schuldig gemacht hatte. 1994 habe die CIA auf Ermittler Druck ausgeübt, damit sie nicht gegen einen Exspion vorgingen – er war an Maschingewehrmassakern an Zehntausenden Juden in Litauen beteiligt. 1980 weigerte sich das FBI, dem US-Justizministerium Auskünfte über 16 verdächtige Nazi zu geben, die in den USA lebten. Sie alle hatten – unter der Tarnung »kommunistischer Sympathisant« – als FBI-Informanten gearbeitet. Einige der US-Spione waren auf höchster Ebene für die Nazis tätig, z. B. Otto von Bolschwing, als Adjutant Adolf Eichmanns Mitarchitekt der Judenvernichtung.
Der BND, der Verfassungsschutz, die bundesdeutsche Justiz und andere Organe des hiesigen Rechtsstaates können ruhiger auf die eigene Geschichte blicken: Die übelsten Judenmörder und Kriegsverbrecher wurden nicht bei ihnen untergebracht, sondern gleich in den USA.
Vom Feind zum Informant
Die USA beschäftigten 1000 Nazis als Spione
28.10.2014
Nach dem Zweiten Weltkrieg haben amerikanische Geheimdienste über 1000 deutsche Nationalsozialisten als Spione angeworben. Als Belohnung erhielten sie Straffreiheit und eine Umsiedlung in die USA.
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http://www.nzz.ch/international/amerika/usa-beschaeftigten-1000-nazis-als-spione-1.18413053