Matthias Platzeck, der Vorstandsvorsitzende des Deutsch-Russischen Forums
ist davon überzeugt, dass man sich treffen muss. Denn wenn man Hunderte Verhandlungen geführt hat, durch Hunderte Türen gegangen ist, und das alles keinen Erfolg hatte, dann muss man eben an die 101. Tür klopfen. Es gibt dazu keine Alternative. Heute spielen Klarheit, Ehrlichkeit unter Partnern, Respekt und Geduld miteinander eine entscheidende Rolle. Matthias Platzeck betont zwei Dinge, die seiner Meinung nach immer wichtig bleiben.
„Ich finde es als außergewöhnliche Leistung des russischen Volkes, dass nach den Gräueltaten, die die deutsche Wehrmacht und SS von 1941 bis 1945 auf russischem Boden angerichtet haben, das russische Volk bereit, willens und fähig war für die Versöhnung. Das war nicht zu erwarten, das kann man nicht verlangen, sondern dankbar entgegennehmen. Und ich bin bis heute als Deutscher dafür dankbar. Und ich sage das auch als jemand, der direkt als Mitglied einer Landesregierung damit befasst war. Der größte Abzug der russischen Truppen, den es nie jemals gegeben hat im Frieden, es gab keine größere logistisch-militärische Operation als diesen Abzug der russischen Truppen aus dem Osten Deutschlands, war eine immense Vorleistung. Ich habe in diesen Jahren Generaloberst Bulakow kennengelernt. Er sagte, als Militär konnte er das nicht unterschreiben. Aber gut, ihr habt es versprochen, da wird in die leeren Räume nicht die Nato nachrücken. Jahre später, als wir uns in Moskau getroffen, sagte er: „Siehst du, was habe ich dir damals in den 1990ern gesagt?“ Und auch das war eine große Friedensvorleistung, ohne die die europäische Einigung nicht möglich gewesen wäre. Das danke ich den Russen bis heute.“