Euro-Maidaner werben für Coop Antikriegscafe, Antikrieg.TV und die Plakatinitiative „Frieden mit Russland“

de1669 Oct. 26 20.09

There is no such thing as bad publicity

Euro-Maidaner und „Faschistenversteher“ machen gerade wieder eine kostenlose Schmutzwerbekampagne für das  Coop Antikriegscafeantikrieg.TV und die Plakatinitiative „Frieden mit Russland“  –  bitte selbst entscheiden, ob es sich beim Betreiber der aufgeführten Initiativen tatsächlich um Verschwörungsideologen unter der Obhut eines einflussreichen, rechtsradikalen Netzwerkes handeln könnte?

de1667 Oct. 26 19.11
„Ein rechtsradikales Netzwerk aus Russland „fördert“ offenbar westliche Journalisten

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„Syria, Ukraine…Who’s next?“, rief die in schwarz-weiß gehaltene Werbeanzeige den Passanten entgegen, von unzähligen Linienbussen und U-Bahnen, beinahe überall in New York City. Die massive Werbeaktion galt einer Fotoausstellung namens ‚Material Evidence‘, die vom 21. September bis zum 11. Oktober 2014 in Chelsea, einem Stadtteil von Manhattan, gastierte. „Unique footage, artefacts and video filming from the countries“, nicht weniger versprach man, und das alles zum freien Eintritt [1][2].

Der Truther Luke Rudkowski war begeistert, als er die Ausstellung besuchte und vor Ort den Kurator interviewte, einen deutschen Fotojournalisten namens Benjamin Hiller [3]. In Rudkowskis YouTube-Kanal ‚We Are Change‘ finden sich verschwörungsideologische Beiträge sämtlicher Couleur. In einem seiner Videos hält er den Investmentbanker Jacob Rothschild auf der Straße an, um ihn mit wirren Fragen zur Federal Reserve und der Bilderberg-Konferenz zu ‚konfrontieren‘ [4]. An anderer Stelle kommt der Reptiloiden-Guru David Icke zum Thema Spiritualität zu Wort [5] oder Mark Dice klärt uns auf „Why Talking About the Illuminati Whores & Demons is Important” [6].

Die deutschen Montagsdemonstranten stellt Rudkowski dem Zuschauer als populäre Grass-Roots-Bewegung vor [7]. Rudkowski ist sogar selbst auf der ‚Bundesweiten Mahnwache‘ am 19. Juni in Berlin aufgetreten [8]. Wäre er ein paar Wochen früher in der deutschen Hauptstadt gewesen, hätte er sich die Ausstellung ‚Material Evidence‘ auch dort schon anschauen können. Vom 27.05. bis zum 01.07.14 war die in einer mietbaren ‚Eventlocation‘ in der Nähe des S-Bahnhofs Jannowitzbrücke zu sehen, auch hier mit kostenlosem Eintritt [9] [10]. Ein spanischsprachiger Redner hatte am 2.6. bereits Werbung dafür gemacht – auf der Montagsdemo am Brandenburger Tor [11].

Am 25. Juni stellte das ‚Antikriegscafe Coop‘ eine gemeinsame Veranstaltung mit ‚Material Evidence‘ auf die Beine. [12] Heiner Bücker, der Wirt des Coop, interviewte den Kurator Benjamin Hiller bei der Gelegenheit für seinen verschwörungsideologischen YouTube-Kanal antikrieg.tv [13] und spannte ihn auch gleich als Werbefigur für seine Plakataktion „Frieden mit Russland!“ mit ein [14]. In keinem der Interviews, weder in Berlin noch New York, wurde darüber gesprochen, wer hinter der Ausstellung steht. Doch mittlerweile kann mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass es sich um ein einflussreiches, rechtsradikales Netzwerk aus Russland handelt, das Einfluss auf westliche Journalisten gewinnen will.

Doch zunächst einmal zurück nach New York. Hier wurde Benjamin Hiller nach eigenen Angaben in der Ausstellung von einer Gruppe mit Pfefferspray angegriffen. Dem Blog hyperallergetic.com gegenüber vermutete Hiller Unterstützer von ukrainischen Rechtsradikalen hinter dem Angriff, auch die New York Times berichtete darüber [15] [16]. Am 10.6. beschäftigte sich der EuromaidanPress-Journalist Mat Babiak mit diesem Angriff und stellte die Vermutung an, dass der inszeniert worden sei – und zwar von den Hintermännern der Ausstellung, die sich seiner Recherche zufolge in den ultranationalistischen Kreisen Russlands bewegen [17].

Und damit wird es ein wenig kompliziert…

Tatsächlich hatte RT (ex-RussiaToday) bereits im Juni auf seiner Website berichtet, dass ‚Material Evidence‘ in Berlin von der russischen Zeitschrift ‚Schurnalistskaja Prawda‘ (dt. Journalistische Wahrheit) organisiert wurde [18]. Deren Chefredakteur Wladislaw Schurigin hatte sie im Dezember 2013 in Moskau eröffnet und darüber in seinem persönlichen Blog geschrieben [19].

Im Zusammenhang mit der Fotoausstellung sollen nicht zuletzt Stipendien in 5-stelliger Höhe an westliche Journalisten vergeben werden. Der ‚Grant‘, der diese Gelder verwaltet, heißt – wohl nicht ganz zufällig – ‚Journalistic Truth‘ – also genauso wie Schurigins Zeitschrift [20]. Grants sind in der Medienwelt nicht ungewöhnlich, in den USA beispielsweise bieten zahlreiche Stiftungen derartige Geldmittel für bestimmte Formen der Berichterstattung an [21]. Aber dieser hier scheint doch ein wenig speziell zu sein.

Babiak zufolge leitet Schurigin die Zeitschrift ‚Schurnalistskaja Prawda‘, tritt aber auch als Autor einer kommunistisch-nationalistischen Quertfront-Zeitschrift namens ‚Sawtra‘ (dt. Morgen) in Erscheinung, deren Chefredakteur Alexander Prochanow ist. Der wiederum gehört zur alten Garde des russischen Rechtsradikalismus und ist der Präsident eines Intellektuellenzirkels namens ‚Isborsk-Klub‘, dem auch Schurigin angehört [1]. Im Isbork-Klub, der eigentlich eher ein Think Tank ist denn ein Club, treffen ultrarechte Intellektuelle wie Alexander Dugin (der auch als Autor bei der Sawtra schreibt) und Politiker wie der Putin-Berater Sergei Glasjew aufeinander [22][23]. Dugin selbst behauptete Anfang September, auch der Stellvertretende Ministerpräsident der Russischen Föderation, Dimitri Rogosin, sei Mitglied dieser exklusiven Gesellschaft, obwohl der offiziell nicht genannt wird [24].

Babiaks Theorie, der Angriff auf die Ausstellung in New York sei von diesen Hintermännern inszeniert gewesen, konnte allerdings bislang nicht bewiesen werden.

Der Journalist Mostafa Heddaya von hyperallergic.com ging der Geschichte ebenfalls weiter nach und fand heraus, dass allein die Kosten für die Raummiete in New York im sechsstelligen Bereich gewesen sein müssen. Benjamin Hiller, der deutsche Kurator von ‚Material Evidence‘ stritt ihm gegenüber jedoch die Beteiligung von Finanziers aus diesen ultranationalistischen und regierungsnahen Kreisen ausdrücklich ab. [25] Lana Andreeva, die Assistentin Hillers in New York, erklärte die auffällig komfortable finanzielle Ausstattung des Projekts unterdessen mit privaten Spenden und Crowdfunding. So sei etwa in Berlin vollkommen überraschend ein unbekannter Mann aufgetaucht und habe – ohne weitere Worte dazu zu machen – einen Koffer voller Bargeld in die Ausstellung gebracht… [26]

Die einzige Frage daran ist wohl, wer das glauben soll.

Hiller selbst gab gegenüber BuzzFeed dann doch zu, dass eine Verbindung zu Schurigin und der Schurnalistskaja Prawda bestanden habe, diese sei aber auf seine persönliche Intervention hin beendet worden [27]. Wenn diese Geschichte wahr wäre, müsste man fragen, wie ein mittelmäßig bekannter Fotojournalist aus Deutschland zu einem solchen Einfluss im Moskauer Establishment kommt, den er bräuchte, um seine einsame Entscheidung gegen die eben beschriebenen Typen durchzusetzen… Der ganze Plot scheint eher demselben Groschenroman zu entstammen wie die angebliche Finanzierung durch unbekannte Herren mit Geldkoffern.

Ob im Rahmen des Grants bereits Stipendien an Journalisten vergeben wurden, ist aus der Website von ‚Material Evidence‘ nicht ersichtlich. Auch darüber, was die Anforderungen an die Interessenten sein sollen, ist nichts Genaues zu erfahren [20]. Angesichts der Initiatoren ist aber nicht unbedingt davon auszugehen, dass eine ‚unabhängige Berichterstattung‘ wirklich das ist, was Ihnen vorschwebt. Bislang sind eher vollmundige Forderungen bekannt. Auf einem Treffen hochrangiger Mitglieder des Isbork-Klubs am 22. Juni beispielsweise äußerten diverse Redner den Wunsch nach einer ‚Erneuerung der Elite‘ und einer Wiederherstellung des russischen Imperiums [21].

Foto: Wladislaw Schurigin bei der Erföffnung von ‚Material Evidence‘ in Moskau, Dezember 2013

[1] http://euromaidanpress.com/2014/10/06/new-york-material-evidence-anti-ukrainian-art-gallery-from-far-right-russian-propaganda-network/
[2] http://material-evidence.com/
[3] http://youtu.be/CntRGlcmoz0
[4] http://youtu.be/6sCioKnpHdY
[5] http://youtu.be/NiaYH_lsgqU
[6] http://youtu.be/hHHjBmb0RuE
[7] http://youtu.be/-d8eGMqzuU0
[8] http://youtu.be/erYUA24qg7c
[9] http://www.gratis-in-berlin.de/component/flexicontent/36-kunst/2015571-fotoausstellung-photographic-exhibition-material-evidence-syria-ukraine
[10] http://www.hoberlin.de/
[11] http://youtu.be/wIfkO6JHYPA
[12] https://cooptv.wordpress.com/2014/06/23/mi-25-juni-veransatltung-im-rahmen-der-ausstellung-material-evidence-ukraine-and-syria-im-ho-berlin-project-space/
[13] http://youtu.be/Y9Qd3ob40Gc
[14] http://youtu.be/VFNdZyfvXAQ
[15] http://hyperallergic.com/153278/nyc-photo-exhibition-vandalized-curator-attacked/
[16] http://artsbeat.blogs.nytimes.com/2014/10/05/exhibit-on-ukraine-displays-signs-of-vandalism/?_php=true&_type=blogs&_php=true&_type=blogs&_r=1
[17] http://ukrainianpolicy.com/new-yorks-anti-ukrainian-art-gallery-and-the-far-right-russian-network-behind-it/
[18] http://rt.com/news/164048-photo-exhibition-ukraine-syria/
[19] http://shurigin.livejournal.com/464489.html
[20] http://grant-jt.com/
[21] http://gijn.org/resources/grants-and-fellowships/#documentary
[22] http://www.bpb.de/internationales/europa/russland/159429/analyse-neue-rechtsextreme-intellektuellenzirkel?p=all
[23] http://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_politik/article130596329/Die-Hoeflinge-des-Zaren.html
[24] http://en.delfi.lt/central-eastern-europe/dmitry-rogozins-clan-visionaries-and-executors-behind-aggression-towards-ukraine.d?id=65585356
[25] http://hyperallergic.com/155146/after-alleged-attack-making-sense-of-a-chelsea-exhibitions-murky-backing/
[26] http://gawker.com/whos-behind-this-shady-propagandistic-russian-photo-ex-1643938683?utm_campaign=socialflow_gawker_twitter&utm_source=gawker_twitter&utm_medium=socialflow
[27] http://www.buzzfeed.com/rosiegray/new-yorks-mysterious-pro-russian-projects-claim-independence#34ytidc
[28] http://www.interpretermag.com/izborsky-club-leader-calls-for-renewal-of-russia-elite-to-build-empire/