Schuldfrage nach Boeing-Absturz: Malaysia hat Hinweise

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Andrei Fedjaschin

Die niederländische Flugsicherheitsbehörde hat ihren ersten Zwischenbericht zum Absturz der malaysischen Boeing 777 über der Ukraine vorgelegt. Der Bericht stützt die Abschuss-Theorie. Die Maschine sei von mehreren Objekten von außen getroffen worden, hieß es. Wer hinter der Attacke steckt, wurde noch nicht festgestellt.

Die ukrainischen Truppen und die Aufständischen werfen einander vor, die Boeing mit einer Boden-Luft-Rakete irrtümlich abgeschossen zu haben. Manche Experten vermuten außerdem, dass vielleicht ein ukrainisches Jagdflugzeug den Passagierjet angegriffen hatte.

Darüber hinaus gibt es eine recht exotische Version, wonach der Absturz auf ein versuchtes Attentat auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin zurückzuführen sei. Dessen Jet war am 17. Juli über Polen geflogen, eine Stunde später flog dort auch die Boeing. Die russischen Behörden halten diese Theorie allerdings für absurd: Putins Maschine flog ja nicht durch den ukrainischen Luftraum. Die Verschwörungstheoretiker argumentieren trotzdem, die Attentäter hätten das nicht gewusst und die Maschinen möglicherweise verwechselt.

Der russische Politik-Experte Pawel Swjatenkow von der Nichtregierungsorganisation „Stiftung der historischen Perspektive“ sagt, Russland sei wohl am meisten daran interessiert, die Wahrheit herauszufinden:

„Russland muss möglichst schnelle und objektive Untersuchungsergebnisse fordern – und wird das auch tun. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei dem Abschuss der malaysischen Boeing um eine Provokation der ukrainischen Regierung. Sie muss ans Licht gebracht werden. Diese Sache darf nicht vernachlässigt werden. Man hat Russland einen wesentlichen Imageschaden zugefügt. Wir werden die Wahrheit fordern.“

Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums kam die ukrainische Radaranlage Kupol an jenem Tag zum Einsatz. In ihren Kompetenzbereich gehört die Zielzuweisung für Boden-Luft-Raketen des Typs Buk. Die Anlage funktionierte damals 30 Kilometer von Donezk entfernt. Außerdem wurden ukrainische Kampfjets nahe der Boeing durch russische Radare geortet.

Die Ukraine behauptet, die Rebellen hätten den Passagierjet mit einer erbeuteten Buk-Rakete abgeschossen. Zwei Wochen vor dem Absturz hatte die Regierung in Kiew allerdings offiziell erklärt, dass die Armee alle Luftabwehrsysteme außer Betrieb gesetzt habe, damit die Separatisten sie im Fall der Erbeutung nicht einsetzen können.

Eigentlich sollen keine Passagierjets über einem umkämpften Konfliktgebiet fliegen, betont der russische Pilot und Luftfahrtexperte Alexander Romanow. Doch die malaysische Boeing flog trotzdem über den Südosten der Ukraine:

„Es gibt viele Fragen ohne Antwort. Unmittelbar vor der Katastrophe wich der Passagierjet um 14 Kilometer von seiner Route ab. Die aufgezeichneten Funkgespräche der Besatzung mit den Fluglotsen werden geheimgehalten. Solange wir diese Aufzeichnungen nicht hören, kommt die Wahrheit nicht ans Licht. Ein Passagierflugzeug kann ja nicht ohne Kommando des Fluglotsen um 14 Kilometer von der Route abweichen.“

Das internationale Luftfahrtrecht stuft einen Bürgerkrieg als Gefahr für die Luftfahrt ein. Vor diesem Hintergrund hätten die ukrainischen Behörden den Luftraum für zivile Flugzeuge sperren müssen. Deshalb muss sich der ukrainische Staat unabhängig von den Ergebnissen der Untersuchung verantworten.

Am Mittwoch kommt der malaysische Verteidigungsminister Hishammuddin Hussein nach Moskau, um den Verlauf der Untersuchung zu erörtern. Er mahnte, kein Schuldiger dürfe der Bestrafung entgehen. Der Minister sagte außerdem, Malaysia verfüge über Hinweise darauf, wer hinter dem Absturz steckt, will sie aber vorerst nicht publik machen. Demnächst soll ein weiteres Expertenteam aus Malaysia am Absturzort eintreffen, um das Wrack unter die Lupe zu nehmen und eine Bestätigung für die vorliegenden Hinweise zu finden.

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