junge Welt ll Rebellen auf dem Vormarsch ll Kiew verliert Kontrolle über Flughafen. »Separatisten« wollen in der Ukraine bleiben

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02.09.2014 / Ausland / Seite 2Inhalt

Vertreter der Ukraine, Rußlands und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sowie Abgesandte der ostukrainischen Widerstandsbewegung sind am Montag in Minsk zu einer Sitzung der sogenannten Kontaktgruppe zusammengekommen. Wie der russische Fernsehsender RT berichtete, haben die Repräsentanten der international nicht anerkannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk dabei ihre Bereitschaft erklärt, im Staatsverband der Ukraine zu verbleiben, wenn der Region Autonomierechte verliehen würden. Am Vortag waren Sprecher der Rebellen noch mit der Aussage aufgetreten, sie könnten sich einen gemeinsamen Staat »mit den Faschisten in Kiew« nicht mehr vorstellen.

Die ukrainische Regierung bestätigte am Montag, daß ihre Truppen die Kontrolle über den Flughafen von Lugansk verloren hätten. Dort sei ein »russisches Panzerbataillon« im Einsatz, so Sprecher des Regimes. Auch der Airport von Donezk war weiter umkämpft. Zudem erklärten die Aufständischen, mehrere Ortschaften eingenommen zu haben sowie alle Zufahrtswege nach Mariupol zu kontrollieren.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow wies den Vorwurf einer Militärintervention seines Landes in der Ukraine erneut zurück. »Es wird keine militärische Einmischung geben. Wir treten ausschließlich für eine friedliche Lösung dieser schwersten Krise ein, dieser Tragödie«, sagte er der Agentur Interfax zufolge vor Studenten in Moskau. Zugleich kritisierte Lawrow die vorbehaltlose Unterstützung des Westens für die Führung in Kiew. Es sei Aufgabe der EU und der USA, das zu fordern, was sie in anderen Konflikten predigten, nämlich damit aufzuhören, »schwere Waffentechnik und die Luftwaffe gegen zivile Objekte und gegen friedliche Menschen einzusetzen«.

Auch Rußlands Präsident Wladimir Putin machte deutlich, daß die Lösung der Ukraine-Krise »vom politischen Willen der aktuellen ukrainischen Führung« abhänge. Im Gespräch mit dem Fernsehsender Perwy Kanal sagte er, die Situation im Nachbarland werde auch durch die bevorstehende Parlamentswahl belastet: »Alle Teilnehmer des bereits begonnenen Wahlkampfes wollen ihre Stärke zeigen.« Allerdings habe er Hoffnung auf ein gutes Ende. Diese stütze sich auf seine jüngste Unterredung mit dem ukrainischen Staatschef Petro Poroschenko. Dieser sei »ein Partner, mit dem man einen Dialog führen kann«. (dpa/RIA Nowosti/jW)