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18.08.2014 / Ansichten / Seite 8Inhalt
Falschmeldung aus der Ostukraine
Kiewer Kriegsente
Von Rainer Rupp
In einem seiner letzten Interviews hat der am Wochenende verstorbenen Publizist Peter Scholl-Latour konstatiert: »Die Ukraine-Berichterstattung des Westens ist falsch.« Daß man den Behauptungen der von Neofaschisten durchsetzten Regierung in Kiew nicht trauen kann, hat nun auch der Spiegel zaghaft eingeräumt. Wie alle anderen Medien war auch das Internetportal des Wochenmagazins vollkommen unbesonnen auf die Hunnenmeldung aus Kiew vom Freitag nachmittag hereingefallen, die ukrainische Armee habe auf ukrainischem Gebiet einen russischen Militärkonvoi teilweise zerstört. Die Angst vor einer weiteren Eskalation in der Ostukraine wuchs, weltweit rutschten die Börsenkurse ab. Mit einer gehörigen Prise Heuchelei korrigierte sich Spiegel online am Samstag und stellte die rhetorische Frage: »Kann eine mögliche Falschmeldung aus einem Konflikt einen Krieg entzünden?« Natürlich, wenn sogenannte Qualitätsmedien ständig kritiklos die Kriegsstimmung anheizen.
Entschuldigend verweist man beim Spiegel darauf, daß auch NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen »in seiner wie üblich vorpreschenden Art« sofort den »Einfall« der russischen Armee in die Ostukraine bestätigt habe. Und selbst die Amerikaner hätten von einer »russischen Militärintervention« gesprochen. Natürlich, die Amerikaner lügen nie. Und was die Stellungnahmen eines NATO-Generalsekretärs betrifft, so wurden sie schon zu Zeiten des Kalten Krieges in der Regel kritiklos – wenn auch manchmal mit gespieltem Händeringen – vom Spiegel verbreitet.
Tatsächlich sah es am Wochenende nach einem Kriegsbeginn zwischen Rußland und den westlichen Schützlingen in Kiew aus. Das Außenministerium Großbritanniens hatte den russischen Botschafter in London einbestellt, um gegen den angeblichen Militäreinfall in der Ukraine zu protestieren. Schließlich hatten britische Journalisten angeblich eine reguläre russische Panzerkolonne beim Überschreiten der Grenze beobachtet, und der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hatte von deren »teilweiser« Vernichtung gesprochen. Beweise dafür wurden bisher nicht vorgelegt. Laut CNN kann nun auch das Weiße Haus die Zerstörung einer russischen Militärkolonne »nicht bestätigen«.
Tatsächlich deutet alles darauf hin, daß auch Kiews zweite Großoffensive gegen die Volksmilizen im Osten nach anfänglichen Erfolgen zu einem Desaster führt. Wie der stellvertretende Ministerpräsident der international nicht anerkannten Volksrepublik Donezk, Andrej Purgin, am Freitag abend gegenüber Interfax erklärte, sind in den vergangenen Tagen »etwa hundert« Panzerfahrzeuge der ukrainischen Streitkräfte ausgeschaltet worden. Laut anderen Meldungen befinden sich viele demoralisierte Verbände in Auflösung. Kiew wollte wohl dringend notwendige Militärhilfe vom Westen mit einer hochbrisanten Falschmeldung erzwingen.
http://de.ria.ru/politics/20140817/269315305.html
OSZE: Keine russische Militärkolonne beim Überqueren ukrainischer Grenze gesichtet
Die Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in der Ukraine haben keine Beweise für die Behauptung Kiews gefunden, dass eine russische Militärkolonne über die Grenze in die Ukraine vorgedrungen und dort zerstört worden sei.
Die Special Monitoring Mission (SMM) in der Ukraine versuche, die Informationen über ein Vordringen militärischer Kolonnen zu überprüfen, hat bislang jedoch keine Fakten gefunden“, heißt es in einem SMM-Bericht auf der OSZE-Seite.
Westliche Medien hatten berichtet, dass 23 Kampffahrzeuge, Tankwagen und Begleitautos mit russischen Kennzeichen in der Nacht zum Freitag über die ukrainische Grenze gefahren seien. Der ukrainische Präsident Pjotr Poroschenko berichtete dem britischen Premierminister David Cameron am Telefon über die Zerschlagung einer „russischen Militärkolonne“. Das russische Militär wies diese Behauptungen als „Phantasien“ zurück. Am Freitagabend teilte Caitlin Hayden, Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats der USA (NSC) mit, dass die Vereinigten Staaten die Berichte über einen Einmarsch russischer Militärfahrzeuge in der Ukraine vorerst nicht bestätigen könnten.
