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Irland: Dorf boykottiert Israel
Wie die Kommunistische Partei Irlands unter Berufung auf die Irische Palästina-Solidaritätskampagne mitteilt, hat die kleine irische Ortschaft Kinvara in der Gemeinde Galway Geschichte geschrieben. Als erste Stadt in Irland habe sie geschlossen »Nein« zu israelischen Waren gesagt und »Ja« zur Gerechtigkeit für Palästina. Die Solidaritätskampagne begrüßte diese klare Haltung der Einwohner von Kinvara und äußerte die Hoffnung, daß andere Städte diesem Beispiel nacheifern und sich in ähnlicher Weise im Sinne der Gerechtigkeit für die Palästinenser positionieren. (lk)
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02.08.2014 / Inland / Seite 4Inhalt
»Die-In«-Flashmobs für Gaza
Twitter-Zitate voller Angst: Leipziger Aktivisten wollen Palästinensern unter israelischem Bombenhagel eine Stimme geben
Von Adam Maischhaus
Die Ansage hallt seit mehreren Tagen durch die Leipziger Innenstadt: »Achtung, Achtung! Hier spricht die israelische Armee. An die unschuldigen Menschen in Gaza: Unser Krieg ist nicht gegen euch gerichtet, sondern gegen die Hamas. Wenn diese nicht damit aufhört, uns mit Raketen zu beschießen, seid ihr in Gefahr! In zehn Minuten bombardieren wir Euer Haus!«. Die Aktivisten des AK Nahost Leipzig wollen mit Flashmob-Aktionen den Menschen in ihrer Stadt die Situation im Gazastreifen näherbringen. Sie wickeln sich bei dieser Ansage mitten auf der Straße in weiße Tücher und legen sich auf den Boden. Passanten blicken verwundert auf, manche kommen näher und lesen die weißen Plakate, die die Leichen symbolisierenden Aktivisten halten: »@Farah_Gazan: Jetzt ist mein Viertel dran. Kann nicht aufhören zu weinen. Ich könnte heute nacht in Gaza sterben.« Oder: »@imPalestine: Ich hoffe zu überleben. Falls nicht, sollt ihr wissen, daß ich weder Hamas oder militant noch ein menschliches Schutzschild war. Ich war einfach nur zu Hause.« Es sind Twitter-Nachrichten aus Gaza. Botschaften von Menschen, die während der israelischen Bombardements von ihrer Angst, Trauer und Verzweiflung schrieben.
Ziel der überraschenden »Die-Ins« (dt. etwa: reingehen und sterben) ist es, über ihre Lage aufzuklären und ihnen eine Stimme zu geben. Denn, so eine Aktivistin: »In Deutschland ist immer wieder die Rede von ›Eskalation der Gewalt von beiden Seiten‹« – um den Konflikt zu verstehen, müßten aber die realen Machtverhältnisse berücksichtigt werden. »Israel besetzt den Gazastreifen gegen internationales Recht faktisch seit 47 Jahren, es hat eine Blockade verhängt, die das Leben in diesem winzigen Landstrich fast unmöglich macht.« Die Betroffenen könnten nicht fliehen, da Israel alle Grenzübergänge geschlossen habe. Dem Leipziger AK Nahost ging es zunächst um ein Ende der israelischen Militäroffensive, die bis zur Waffenruhe am Freitag mehr als 1400 Menschen das Leben kostete. Adressat des Protests ist aber auch die deutsche Bundesregierung, die ihre Unterstützung für diesen Krieg einstellen solle: »Deutschland finanziert die Bomben, die auf Gaza geworfen werden, mit. Es liegt daher in unserer Verantwortung, die Bomdardierung zu stoppen.« Passanten nehmen die »Die-In«-Flashmobs unterschiedlich auf: Mitunter seien sie bei den Aktionen beschimpft und angegriffen worden, sagen die Teilnehmer. Dann habe es jedoch »immer mehr Nachfragen und Applaus« gegeben. Die Argumentation von Israels »Selbstverteidigung« sei angesichts der vielen Toten nicht mehr aufrechtzuerhalten.