Vormarsch auf Bagdad ll German-Foreign-Policy

BAGDAD/DAMASKUS/BERLIN (Eigener Bericht) – Mit dem Vormarsch des
„Islamischen Staats im Irak und der Levante“ (ISIL) erschüttert einmal
mehr ein Produkt des auch von Berlin energisch befeuerten
Syrien-Krieges den Mittleren Osten. Der ISIS verdankt seine aktuelle
Stärke einer Radikalisierung im Aufstand gegen Assad, vor der
Beobachter schon frühzeitig gewarnt hatten – ohne bei der
Bundesregierung auf Gehör zu stoßen, die die Aufständischen weiter
bestärkte. Der ISIS hat zudem von Waffenlieferungen und von weiterer
Unterstützung aus Saudi-Arabien profitiert; die Golfdiktatur ist einer
der wichtigsten Kooperationspartner Berlins im Syrien-Krieg. Das
deutsche Polit-Establishment hält unter anderem engen Kontakt zu einem
saudischen Prinzen, der bereits in den 1980er Jahren als
Geheimdienstchef seines Landes die Mujahedin in Afghanistan
aufrüstete, darunter Usama bin Ladin, und noch heute über erheblichen
Einfluss verfügt. Auf der Beendigung der saudischen Hilfen für den
ISIS hat Berlin nie bestanden. Die salafistische Miliz hat jetzt weite
Teile des Irak unter ihre Kontrolle gebracht und beginnt auch den
Libanon anzugreifen. Zudem sind ISIS-Aktivisten in Europa unterwegs;
ihnen wird der mutmaßliche Vierfachmörder vom Jüdischen Museum in
Brüssel zugerechnet.

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http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58891