28.05.2014 / Schwerpunkt / Seite 3Inhalt
Schwächen des Aufstands
Angesichts der anhaltenden Offensive der Kiewer Truppen stellt sich die Frage, wie lange sich die »Volksrepubliken« im Donbass halten können
Von Reinhard Lauterbach
Die verstärkte Offensive der Kiewer Streitkräfte im Donbass seit den ukrainischen Präsidentenwahlen zeigt entscheidende Schwächen der Aufständischen: daß ihre Chancen gegen den Einsatz von Kampfflugzeugen offensichtlich gering sind, daß ihnen schwere Waffen ebenso fehlen wie Koordination und ein einheitliches Oberkommando. Auch Disziplinmängel sind nicht zu übersehen.
Bisher haben die Erfolge der Aufständischen offenbar auch den Grund gehabt, daß die Kiewer Führung aus Furcht vor einer russischen Intervention vor einem allzu rigorosen Vorgehen gegen die Zivilbevölkerung zurückschreckte. Das hat sich in den vergangenen Tagen schon durch den offensichtlichen Austausch von Truppen der regulären Armee gegen Einheiten der »Nationalgarde« und diverser »Territorialverteidigungen« geändert. Diese Truppen setzen sich aus rechten Kämpfern vom Maidan zusammen, denen ein höheres Maß an Skrupellosigkeit unterstellt werden kann. Vor diesem Hintergrund muß der Versuch der Aufständischen vom Montag, den internationalen Flughafen von Donezk zu besetzen, wohl als militärischer Fehler angesehen werden. Es ist schwer nachzuvollziehen, was eine Guerillatruppe mit einem Objekt anfangen soll, auf dessen großen Freiflächen sie ein leichtes Ziel für Angriffe mit schweren Waffen wird. Das Rollfeld hätte auch mit Hilfe abgestellter Fahrzeuge oder sonstiger Hindernisse gegen eine Luftlandung des Gegners gesichert werden können. Solche Entscheidungen ziehen, nebenbei bemerkt, immerhin die These der Kiewer Propaganda in Zweifel, der Aufstand werde von Offizieren russischer Spezialkräfte geleitet. Militärischen Profis wäre so etwas kaum passiert.
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