02.05.2014 | MÜNCHEN
(Eigener Bericht) – Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat möglicherweise viel enger mit dem vormaligen ukrainischen NS-Kollaborateur Stepan Bandera zusammengearbeitet als bisher bekannt. Dies legen Recherchen des Berliner Historikers Grzegorz Rossolinski-Liebe nahe. Wie Rossolinski-Liebe im Interview mit german-foreign-policy.com berichtet, deuten freigegebene CIA-Dokumente darauf hin, „dass kein anderer westlicher Geheimdienst so lange wie der BND die Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) in München unterstützt und Bandera so viel Macht eingeräumt hat“. Aufklärung ist bislang nicht möglich, weil der deutsche Auslandsgeheimdienst die Akten unter Verschluss hält. München, wo Bandera bis zu seinem Tod 1959 wirkte, war nach dem Zweiten Weltkrieg einer der Sammelpunkte ukrainischer Faschisten, die dort umfassende politische Aktivitäten gegen die Sowjetunion und die Staaten der Warschauer Vertragsorganisation entfalteten. Am OUN-Organisationszentrum in der Münchener Zeppelinstraße hat der ehemalige ukrainische Präsident Wiktor Juschtschenko eine Gedenktafel mit ehrender Würdigung zweier ihrer einflussreichsten Aktivisten anbringen lassen. Eine der beiden hat nach 1991 den Aufbau extrem rechter Organisationen in der Ukraine mit vorangetrieben. …
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http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58855
http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/58855
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Das Interview mit Grzgorz Rossolinski-Liebe (er arbeitet als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin und forscht unter anderem über Antisemitismus, Faschismus und die Kollaboration in Ostmitteleuropa) hier:
Zitat: „… Die Ukraine ist eine heterogene Nation und ein heterogener Staat. Die Menschen in vielen Regionen der Ukraine sprechen kein Ukrainisch und betrachten die „ukrainischen“ Traditionen, die in der Westukraine – vor allem in Ostgalizien – verankert sind, nicht als ihre eigenen. Die von der ukrainischen Diaspora propagierten Werte basieren jedoch größtenteils auf einem Narrativ, das die OUN und UPA als patriotische Helden präsentiert und sich für eine ethnisch, kulturell und sprachlich homogene Ukraine ausspricht bzw. die gesamte Ukraine im nationalen Sinne ukrainisieren möchte. Dieser Prozess stößt in vielen Regionen der Ukraine auf Proteste und Gegenreaktion. Die Zentral-, Ost- und Südukraine glauben nicht an den heldenhaft-patriotischen Mythos der OUN-UPA oder an den „Nationalhelden“ Stepan Bandera und sie sind dazu noch feindlich gegenüber dieser Bewegung und ihren „Helden“ eingestellt. Meines Erachtens braucht die Ukraine eine pluralistische Politik und eine heterogene Staatsidentität, mit der sich Bewohner aller Teile der Ukraine identifizieren können. Die von der Diaspora propagierten Werte sind dafür nicht geeignet, weil sie nicht heterogen und pluralistisch sind und der gesamten Ukraine eine regional-nationalistische Identität oktroyieren wollen.“

