http://de.ria.ru/zeitungen/20140423/268338981.html
MOSKAU, 23. April (RIA Novosti).
Die Krim-Krise hat zur Abkühlung der militärdiplomatischen Beziehungen Russlands zu vielen Ländern geführt, schreibt die „Nesawissimaja Gaseta“ am Mittwoch.
Angesichts der Ereignisse in der Ukraine hat Russland nicht nur Probleme mit dem Westen, sondern auch mit seinen engsten Verbündeten in Sachen Militärkooperation bekommen. Die russische Militärführung sieht dahinter die Nato. Wie der russische Vizeverteidigungsminister Anatoli Antonow am Dienstag betonte, will die Nato eine Mauer zwischen Russland und seinen Verbündeten errichten.
„Es gibt moralischen Druck, den Versuch, die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass Russen schlecht sind und man sich deswegen auf die europäische Demokratie richten solle. Es wird von militärtechnischer Hilfe, der Entsendung von Beratern, Erhöhung der Zahl gemeinsamer Übungen gesprochen“, sagte Antonow.
Auch der russische Nato-Botschafter Alexander Gruschko machte darauf aufmerksam, dass die Allianz die Beziehungen zu Moskau fast völlig abgebaut hat und ihre Kräfte an der Grenze zu Russland konzentriert. Auf solche Nato-Schritte sollte eigentlich nicht nur Russland, sondern auch die OVKS reagieren. Neben Russland gehören fünf ehemalige Sowjetrepubliken (Armenien, Weißrussland, Kasachstan, Kirgisien, Tadschikistan) der OVKS an. Moskau betrachtet sie als seine Verbündeten. OVKS-Generalsekretär Nikolai Bordjuscha sagte am Dienstag jedoch, dass er keine Notwendigkeit darin sehe, auf die verstärkte Nato-Präsenz in Europa zu reagieren.
Seit Beginn der Ukraine-Krise übt sich die OVKS betont in Zurückhaltung. Bei einem Rundtisch-Gespräch Anfang April in Minsk äußerte OVKS-Chef Bordjuscha, dass die Ukraine nicht zur OVKS gehöre und sich die Frage nach der kollektiven Sicherheit nicht stelle.
Laut Gruschko schüchtert die Nato ihre Partner im Osten ein. Moskau würde entsprechende Maßnahmen treffen, die bei der Internationalen Sicherheitskonferenz in Moskau am 23. und 24. Mai erörtert werden, zu der Verteidigungsminister aus aller Welt eingeladen wurden. Neben den Ereignissen im Nahen Osten, Nordafrika und Afghanistan soll bei der Konferenz über die bunten Revolutionen im postsowjetischen Raum, darunter der Ukraine, diskutiert werden. Vizeverteidigungsminister Antonow zufolge haben die USA es bereits abgelehnt, an der Konferenz teilzunehmen.
Wahrscheinlich werden auch die meisten Nato-Staaten auf die Teilnahme an der Konferenz verzichten. „Das ist ihre Entscheidung. Wir führen keine Listen, keine einzige Einladung wurde abgesagt“, so Antonow. Mehr als 40 Länder und internationale Organisationen haben ihre Teilnahme bestätigt. Delegationen aus Asien und dem Nahen Osten werden erwartet. Vertreter Japans werden nicht zur Konferenz anreisen. Tokio hatte im vergangenen Jahr die begonnenen Verhandlungen über Abkommen abgebrochen.
Laut Quellen im russischen Verteidigungsministerium werden OVKS-Vertreter an der Konferenz teilnehmen. Doch Russlands Verbündete wollen ihre Kontakte mit den Nato-Partnern fortsetzen. Sowohl Armenien als auch Kasachstan erörtern eine militärische Kooperation mit der Nato. Auch Tadschikistan legt viel Wert auf eine Kooperation mit der Allianz. Die USA und die Nato rechnen damit, dass der tadschikische Präsident Emomalii Rahmon der Einrichtung von Nato-Stützpunkten nach dem Afghanistan-Abzug zustimmt.