http://de.ria.ru/opinion/20140417/268298760.html
Experten: Ukrainisches Militär will nicht aufs Volk schießen
MOSKAU, 17. April (RIA Novosti).
Die ukrainische Armee will keine kriminellen Befehle ausführen und auf Zivilisten im eigenen Land schießen. Laut den von RIA Novosti befragten Experten befürchtet die illegitime Regierung in Kiew, dass die Militärs einen Machtsturz planen.
Etwa 60 ukrainische Soldaten waren bei ihrem Einsatz im ostukrainischen Kramatorsk mit ihren Panzern auf die Seite der Protestierenden übergelaufen. „Das war zu erwarten gewesen. Die illegitimen Behörden, der Staatsstreich, die absolute Banden-Herrschaft erzürnen die Soldaten und Offiziere. Sollten die Behörden ihnen befohlen haben, gegen das eigene Volk vorzugehen, haben die ebenfalls zum ukrainischen Volk gehörenden Soldaten und Offiziere die richtige Entscheidung getroffen. Es kann keine andere Entscheidung geben“, sagte der ehemalige Leiter der Hauptverwaltung für internationale Militärkooperation, der russische Generaloberst Leonid Iwaschow.
Die neu ernannten Befehlshaber des ukrainischen Militärs könnten Entschlossenheit zeigen. Allerdings habe bereits ein Sinneswandel eingesetzt. Iwaschow zufolge ist von der „Maidan-Euphorie“ nichts mehr zu spüren. „Die Regierenden befürchten derzeit, dass die Militärs einen Machtsturz organisieren und die Ordnung wiederherstellen“, sagte Iwaschow. Es sei nicht ausgeschlossen, dass ein ukrainischer General Ungehorsam gegenüber der illegitimen Regierung probt. „Es könnte zu vereinzelten Zusammenstößen kommen. Doch einfache Soldaten und Offiziere würden nicht in den Krieg ziehen“.
Igor Korotschenko, Mitglied des gesellschaftlichen Rates des russischen Verteidigungsministeriums und Chefredakteur der Militärzeitschrift „Nazionaljnaja Oborona“ (Nationale Verteidigung), ist ebenfalls der Ansicht, dass die ukrainische Armee den kriminellen Befehlen aus Kiew keine Folge leisten wird.
Die ukrainische Armee werde nicht nur die Befehle verweigern, sondern auch faktisch auf die Seite des Volkes überlaufen. Das würde künftig die Dynamik der Entwicklung in dem von Massenprotesten gegen die Regierung erfassten Südosten der Ukraine bestimmen, so Korotschenko.
Die ukrainische Armee treffe eine historische Entscheidung, indem sie sich weigert, auf Zivilisten zu schießen. Diese ersten Tatsachen dieses begonnenen Prozesses zeigen, dass die Armee eine politische Entscheidung treffe, und diese nicht zu Gunsten Turtschinows und Jazenjuks ausfallen würde, so Korotschenko.
Dem Experten zufolge versucht das ukrainische Verteidigungsministerium, die Kontrolle über die Truppen beizubehalten. „Es gab einen Präzedenzfall, bei dem Truppen sich auf die Seite des Volkes gestellt und die Befehle der Behörden nicht befolgt haben. Für das ukrainische Verteidigungsministerium ist jetzt das Wichtigste, zumindest die elementare Kontrolle zu sichern“, so Korotschenko.
Die ukrainischen Militäreinheiten werden nicht ausreichend mit Lebensmitteln versorgt. Auf dem Schwarzmarkt gebe es Verpflegungspakete aus den USA, die als Hilfsgüter in die Ukraine geschickt worden seien.
Generalleutnant Jewgeni Buschinski zufolge ist die ukrainische Armee derzeit viel zu schwach, um in ein Gefecht zu ziehen. Das ukrainische Militär und das Kriegsgerät befänden sich in einem schlechten Zustand. Die Kampfeinheiten seien vor allem im Westen und im Zentrum stationiert. Im Osten gebe es keine großen Einheiten, so Buschinski.