Kiew räumt im „östlichen Protektorat“ auf, aber nur schlecht

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Andrei Fedjaschin Heute, 14:36

Kiew räumt im „östlichen Protektorat“ auf, aber nur schlecht
Der Interimspräsident der Ukraine, Alexander Turtschinow, erteilte den Auftrag, die einzige Fallschirmjäger-Brigade (stationiert in Dnipropetrowsk, im Osten der Ukraine) aufzulösen, denn ihre Angehörigen weigerten sich, an der Unterdrückung der Unruhen im benachbarten Gebiet Donezk teilzunehmen. Wie Turtschinow sagte, hätten die Soldaten mit der Weigerung, auf das eigene Volk zu schießen, „Feigheit offenbart“.

Kiew, das den „einheimischen Truppen“ nicht mehr vertraut, sammelt in aller Eile loyale Kräfte der halb räuberhaften Nationalgarde und treue Truppen aus den nationalistischen westlichen Landesgebieten zur Unterdrückung der friedlichen Proteste.

Unter den russischen Analytikern existiert bislang keine einheitliche Meinung über die Natur der gegenwärtigen Kiewer Macht. Eben weil sie bisher nicht mehr als ein Halbfabrikat ist und es einfach lächerlich ist, von der „Maidan-Junta“ als von einer Regierung zu sprechen.

Die seit dem vergangenen Jahr geplante Kolonisierung der Ukraine sei in ihr Endstadium eingetreten, vermutet der Direktor des Zentrums für ukrainische und weißrussische Sprache an der Moskauer Lomonossow-Universität, Bogdan Bespalko. Und wenn Russland nicht die Pläne der USA, der EU und der NATO zunichte gemacht hätte, so hätte die „koloniale Erschließung“ der Ukraine zum Jahresende bereits abgeschlossen sein können, meint er überzeugt und fährt fort:

„Ich habe stets behauptet, dass das Assoziierungsabkommen mit der EU einen rein kolonialen Charakter besitzt. Und jene Kräfte, die für dieses Abkommen eintreten, lobbyieren im Grunde genommen die Kolonialisierung der Ukraine. Ein bedeutender Teil der europäischen Länder, besonders im Osten, sind ebenfalls Kolonien. Nur privilegiertere. Die Ukraine würde in dieser Reihe den letzten Platz einnehmen – als das am meisten stagnierende Territorium, verwandelt in ein Reservoir billiger Arbeitskräfte und in ein Absatzgebiet für nicht sehr liquide europäische Waren. Deshalb kann man die jetzigen Machthaber der Ukraine, die durch einen Putsch an die Macht gelangten, als Kolonial- oder Besatzungsmacht betrachten.“

Von der Kiewer Macht als von einer „Kolonialmacht“ zu sprechen, sei verfrüht, meint seinerseits Professor Alexander Guschtschin von der Russischen Staatlichen Universität. Doch von Washington hänge sie vollkommen ab, sagte er und fährt fort:

„Die Administration in Kiew steht praktisch unter der vollen Kontrolle der Amerikaner. Ernsthafte Entscheidungen trifft niemand ohne die Abstimmung mit den Amerikanern. Das geschieht auf der Ebene des Sicherheitsdienstes der Ukraine (SBU), wo die Amerikaner breit vertreten sind und wo sich amerikanische Agenten befinden. Es gibt sogar eine Meldung, dass der heutige SBU-Chef Naliwaitschenko mit den amerikanischen Geheimdiensten verbunden sei. Ähnlich sieht es auch in anderen Behörden aus.“

Die Kiewer Behörden werden offensichtlich von CIA-Direktor John Brennan persönlich beraten. Er war in dieser Woche inkognito nach Kiew gekommen, wurde aber „entlarvt“, und das Weiße Haus sah sich daraufhin genötigt, offiziell die Tatsache seines Besuchs zu bestätigen. Am Tag nach dem Eintreffen Brennans verkündete Kiew den Start der „Säuberung“ des Ostens und Südens des Landes von den sogenannten „Terroristen“.

Die Kiewer Behörden können den Protest dämpfen, doch das Volk im Osten zu besiegen, dazu seien sie nicht in der Lage, meint Alexander Guschtschin überzeugt.

„In der kurzfristigen Perspektive werden die Kiewer Behörden wahrscheinlich die aktive Protestphase unterdrücken können. Sie haben eine solche Chance. In der langfristigen Perspektive wird das jedoch kaum zur Einheit des Landes führen. Sollte der Protest im Osten lokalisiert werden, so ist das eine Sache. Sollte sich jedoch der Protest auch auf den Süden ausdehnen – auf Cherson, Odessa, Mykolajiw – so werden es die Kiewer Behörden sehr schwer haben.“

Die Experten vermuten, dass sich Kiew jedenfalls kaum im Vorfeld des Besuchs des US-Vizepräsidenten Joe Biden in der Ukraine am 22. April zu einem aktiveren Einsatz von Gewalt im Osten des Landes entschließen werde.