Unter diesem Titel veröffentlichte das Handelsblatt am Donnerstag ein Interview mit dem Publizisten Jürgen Todenhöfer. Darin heißt es:
Anders als jetzt Rußland haben sich die USA dabei nie fremdes Territorium einverleibt.
Nie? Sie haben sich nach 1845 Texas, Kalifornien, New Mexiko, Arizona, Nevada, Utah, Teile von Kansas, Colorado, Wyoming, Hawaii und Puerto Rico einverleibt. Die haben einen großen Magen. Ähnlich wie Sie hat auch Barack Obama kürzlich in Brüssel argumentiert. Es war die zynischste Rede, die ich jemals von einem US-Präsidenten gehört habe.
Warum?
Er behauptete, der Krieg gegen den Irak sei weniger schlimm gewesen als die Annexion der Krim durch Rußland. Schließlich hätten die USA den Irak ja wieder zurückgegeben. Obama hat dabei unterschlagen, daß im Irak mehr als eine halbe Million Iraker getötet wurden und das Land seither traumatisiert ist. Zynischer geht es nicht mehr. (…)
Was werfen Sie dem Westen konkret vor?
Die westliche Außenpolitik hat sich verzockt: Wir wollten unsere strategische Position in der Ukraine stärken – und haben sie durch den Verlust der Krim geschwächt. Das ist eine diplomatische Niederlage, die natürlich niemand zugeben will. Sie hätte vermieden werden können, wenn wir von Anfang an Putin mit ins Boot geholt hätten, anstatt ihn zu umgehen und zu provozieren. Das hat auch der Ukraine massiv geschadet – schließlich ist sie jetzt ein geteiltes Land.
Was konkret hätten die Europäer denn anders machen sollen?
Nicht nur die Annexion der Krim war rechtswidrig, auch der Umsturz in Kiew war es. (…) Die Demokratie bietet die Möglichkeit des Machtwechsels durch Abwahl. Noch problematischer wird es, wenn Revolutionen in einer Demokratie wie der Ukraine von westlichen Demokratien unterstützt werden. Das halte ich für völlig inakzeptabel. Und für nicht zu Ende gedacht.
