Julian Assange am 3.12.13 via Twitter: „Hat Otpor mit den Ereignissen in der Ukraine zu tun?“

Ehemalige Mitglieder der serbischen Widerstandsbewegung Otpor von Srdja Popovic haben eine der wichtigsten Rolle bei dem Sturz des serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic im Jahre 2000 gespielt. Nun haben sich mit der NGO CANVAS (Center for Applied NonViolent Action and Strategies) zusammengetan und somit ein weiteres Mal gezeigt, was sie bewegen können. Diesmal in der Ukraine.

Außerhalb Serbiens war diese Organisation erstmals 2003 in Georgien aktiv. Damals wurde Präsident Eduard Schewardnadse nach den Protesten gegen die Wahlfälschung zum Rücktritt gezwungen. Eine sehr wichtige Rolle spielte dabei die Studentenbewegung Kmara, die von der Otpor-Bewegung vorbereitet wurden war.

Im März 2003 fuhren mehrere Vertreter von Kmara nach Belgrad. Einer der Führer der Jugendbewegung Georgi Kandelaki gab zu:

„Nach unserem Besuch in Belgrad kamen die Otpor-Vertreter mehrmals nach Georgien. Bei ihrem zweiten Besuch wurde bei Tiflis eine Sommerschule organisiert, die 700 neue Aktivisten vorbereitete.“

2004 erschien die Otpor-Bewegung in der Ukraine, wo sie die Pora-Bewegung ausbildete, die neben anderen Organisationen die Orangenrevolution im Land initiiert hat. Die ukrainische Bewegung bekam viele Milliarden Dollar Hilfe aus den USA. Die Pora-Mitglieder besuchten einen Crashkurs im serbischen Novi Sad. Nach diesen Ereignissen wurde manchen Otpor-Mitgliedern die Einreise in die Ukrainie untersagt.

Im gleichen Jahr 2004 schloss sich die Otpor-Bewegung CANVAS an und „förderten Demokratie“ während der Zedernrevolution im Libanon; später zeigten sie sich auch bei dem Arabischen Frühling. Otpor bildete 2011 in Ägypten die Bewegung „6. April“ und andere Zivilgruppen aus, deren Rolle bei Mubarak-Sturz groß war. Es gab Hinweise, dass es die Otpor-Bewegung und die CIA waren, die die Occupy-Bewegung infiltrierten. Nach manchen Angaben soll der Otpor-Veteran Ivan Marovic im Kontakt zu der damals unbekannten Occupy-Bewegung gestanden haben. Es gibt Hinweise, dass der Arabische Frühling in Ägypten und Tunesien sowie die Occupy-Bewegung aus einem einheitlichen Zentrum beeinflusst wurden, dessen Ziel nicht in einem Sturz des Systems lag, sondern darin bestand, Oppositionskräfte unter seine Kontrolle zu bringen.

Nun tauchten die Otpor-Mitglieder in der Ukraine auf. „Haben die Otpor-Männer mit den diesmaligen Ereignissen in der Ukraine zu tun?“, twitterte Julian Assange am 3. Dezember 2013 und brachte einen Link zur Webseite der Organisation, die Beweise dafür liefert, dass Srdja Popovic und seine Bewegung an der Orangenrevolution in der Ukraine von 20o4 aktiv teilgenahmen, nach der prowestliche Parteien an die Macht gekommen sind.

Am 3. Dezember 2013 schrieb der Abgeordnete von der Partei der Regionen, Oleg Zarjow auf seiner Facebook-Seite: „Ein Kumpel von mir flog in die Ukraine und erkannte in seinem Nachbarn nebenan den bekannten Drahtzieher von Putschen und Umstürzen Marco Ivcovic. Er wurde als Gründer der serbischen Otpor-Bewegung bekannt, dann waren die georgische Kmara-Bewegung und die ukrainische Pora dran. Marco versuchte etwas von der Art auch in Russland zu organisieren, wurde jedoch des Landes verwiesen und darf nicht mehr rein. Er war 2010 in Kirgisien, als dort Präsident Bakijew gestürzt wurde. Nun ist der Maidan sanft und gut finanziell aufgehoben.“ Kein Wunder also, dass das ukrainische Außenamt Marco Ivcovic am 3. Dezember 2013 zur Persona non grata erklärt hat.

Was die Finanzierung von Otpor anbetrifft, so spricht man mit US-amerikanischen Stiftungen Freedom House, International Republican Institute, USAID und US Institute of Peace. WikiLeaks enthüllt einen weiteren Otpor-Freund: „Ich habe mit manchen Menschen gesprochen, die sie für sie lobbieren, um mehr Geld zu bekommen. Darunter sind Michael McFaul von der Hoover Institution (der aktuelle US-Botschafter in Russland)“, entnimmt man einer der Mitteilungen.

Laut WikiLeaks-Angaben habe die Otpor-Bewegung eng mit der bekannten US-amerikanischen Gesellschaft Stratfor zusammengearbeitet, die auch als „Schatten-CIA“ bekannt ist. Der Serbe Marco Papic, Stratfors geopolitischer Analytiker für Eurasien, lockte Ende 2007 Menschen aus CANVAS heran, um von ihnen Informationen aus Georgien, Venezuela und Serbien zu erhalten. „Diese Gruppe ist beeindruckend. Sie kommen, veranstalten eine gewisse „Aktion“ im Land und versuchen, das Regime zu zerstören. Bei einem richtigen Herangehen können sie eine stärkere Waffe werden, als ganze Flugzeugträgertrupps“, schreibt ein Stratfor-Mitarbeiter in einer Mitteilung auf der WikiLeaks-Seite vom 15. November über CANVAS.

Wie man sieht, sind die Ereignisse in der Ukraine kaum spontan. In beliebigen Protesten kann man heute Spuren von serbischen Kampforganisationen finden.