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[Junge Welt] Kulturvernichter des Tages: Syrische Taliban

http://www.jungewelt.de/2014/02-13/030.php

Ende Februar 2001 sprengten die fundamentalistischen Taliban die überlebensgroßen Buddha-Statuen im afghanischen Bamiyan. Westliche Politiker und Kulturschaffende überschlugen sich in den Medien vor Empörung. In der UN-Vollversammlung kritisierte der damalige deutsche UN-Botschafter Dieter Kastrup die Vernichtung des Weltkulturerbes als »barbarischen Akt religiöser Intoleranz«, das deutsche öffentlich-rechtliche Fernsehen walzte Berichte über die Zerstörungswut breit aus. Jetzt wird in Syrien »heidnisches« Weltkulturerbe von »Freiheitskämpfern« der syrischen Opposition in die Luft gejagt – und es herrscht Schweigen. Der Grund: Die zumeist aus dem Ausland angereisten Herrschaften werden vom Westen bezahlt und militärisch ausgebildet. Ihre Intoleranz steht der afghanischer Taliban in nichts nach.

Die britische Tageszeitung The Independent durchbrach nun endlich die Stille um diese Vorgänge. In einem detaillierten Artikel schilderte sie zahlreiche Beispiele für den Furor der »syrischen Taliban«. So hat z.B. Mitte Januar die kampfstärkste Formation der bewaffneten syrischen Opposition, die fundamentalistische Organisation »Islamischer Staat im Irak und in der Levante« (ISIL), die den größten Teil Nordost-Syriens kontrolliert, ein bekanntes byzantinisches Mosaik aus dem sechsten Jahrhundert in der Nähe der Stadt Raqqa am Euphrat zertrümmert. Es ist für immer verloren. Der archäologisch bedeutende römische Friedhof Shash Hamdan in der Provinz Aleppo mit antiken Reliefs sowie aus dem Fels gemeißelte Statuen im Al-Qatora Tal wurden von den ISIS-Kämpfern zerstört. Weil im Islam die Darstellung von Menschen verboten ist, werden griechische und römische Statuen als »Götzen« systematisch als Zielscheiben für Schießübungen genutzt und vernichtet.

(rwr)