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9/11-Bericht bedroht (Bündnis zwischen) USA und Saudis

Von Martin Kilian, Washington.
Jetzt könnte das schwierig gewordene Verhältnis durch neue Enthüllungen über die saudische Rolle bei 9/11 zusätzlich belastet werden. Als die Geheimdienstausschüsse des Kongresses 2002 ihren umfassenden Untersuchungsbericht zu 9/11 vorlegten, verfügte Präsident George W. Bush, dass 28 Seiten des Reports nicht veröffentlicht werden durften.

Abgeordnete fordern Publikation geheimer Informationen

Schon damals wurde vermutet, dass sich die zurückgehaltenen Informationen mit Saudiarabien befassten. Wie Osama Bin Laden stammten 15 der 19 Attentäter aus dem Königreich, auch war bekannt geworden, dass saudisches Geld die 9/11-Terroristen unterstützt hatte. Sogar Prinz Bandar Bin Sultan, derzeit saudischer Geheimdienstchef, damals Botschafter in Washington und ein enger Vertrauter der Familie Bush, war in Verdacht geraten, über eine islamische Wohltätigkeitsorganisation Geld an die Attentäter überwiesen zu haben.

Das saudisch-amerikanische Verhältnis ist bereits empfindlich gestört. Neue Enthüllungen über die Terroranschläge von 2001 könnten nun für Saudiarabien schwerwiegende Folgen haben.
Nahost-Politik der Amerikaner verärgert die Saudis

In Riads Augen zeigte der Fall des ägyptischen Autokraten Hosni Mubarak, wie schnell Washington einen langjährigen Freund zu opfern bereit war. Dass die Obama-Administration obendrein willens schien, der ägyptischen Muslimbruderschaft und Präsident Mohammed Mursi demokratische Legitimität zuzusprechen, verstörte die Saudis ebenso. Kaum hatten sie sich beruhigt, erregte der Zickzack-Kurs Barack Obamas in Syrien neuerlich ihren Unwillen: Der US-Präsident war offensichtlich nicht geneigt, Teherans Verbündeten Bashar al-Assad mit amerikanischer Waffengewalt aus dem Amt zu jagen.

Doch damit nicht genug: Obama bändelte sogar mit den saudischen Erzfeinden in Teheran an. Trägt die Annäherung Früchte, kehrten sich die Verhältnisse im Nahen Osten womöglich grundlegend um und bedrohten die Vormachtstellung der Saudis am Golf. Falls Obama die geheimen Passagen des 9/11-Untersuchungsreports freigäbe, könnte sich die amerikanische Abnabelung von Riad beschleunigen. Wenn schon die Abgeordneten Jones und Lynch «absolut geschockt» waren vom Inhalt der geheim gehaltenen 28 Seiten des Untersuchungsberichts, dürften es die Amerikaner erst recht sein.

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