[ND] Starb Hauptgefreiter Horn durch Uran-Munition? – Strafanzeige gegen das Verteidigungsministerium – Hauptgrund: Vertuschung

Von René Heilig
Hauptgefreiter André Horn war nach Kosovo kommandiert. Im Leichensack kam er zurück. Ihn hat keine Kugel getroffen, er starb am am 31. Januar 2000 im Lazarett. Jetzt stellte der Vater Strafanzeige.

Vor einigen Tagen ging bei der Staatsanwaltschaft Cottbus eine nicht alltägliche Strafanzeige ein. Die Vorwürfe richten sich gegen das Bundesverteidigungsministerium. Es wird die Vermutung geäußert, dass der Hauptgefreite André Horn, der zuletzt im deutschen Stützpunkt Prizren eingesetzt war, durch die zumeist von den US-Verbündeten in Kosovo und Bosnien-Herzogowina eingesetzte Uranmunition erkrankt war. Die Bundeswehr verwendet keine Uranmunition. Dem Ministerium in Berlin wird jedoch Vertuschung von Gefahrenrisiken durch diese Granaten und andere Schwermetalle, unterlassene Hilfeleistung und vor allem die Angabe einer falschen Todesursache vorgeworfen.

In der vom Vater des toten Soldaten gestellten Strafanzeige sind mehrere medizinische Unstimmigkeiten aufgelistet. Zitiert werden Experten. Sie verweisen unter anderem auf Erfahrungen, die nach dem Einsatz solcher DU-Munition in Irak gewonnen worden sind. Beim Aufprall dieser panzerbrechenden Geschosse entstehen schwach radioaktive Partikel, die sich in der Umgebung verteilen können. Kritiker verweisen darauf, es bestehe auch Jahre danach die Gefahr, dass Menschen diese Substanzen durch die Luft oder das Grundwasser in ihren Körper aufnehmen. Die Munition soll dennoch auch im Libyenkrieg und bei den Angriffen in Mali eingesetzt worden sein.

Schon unmittelbar nach Horns Tod im Jahr 2000 gab es Fragen, doch eine Exhumierung des Leichnams wurde bislang stets abgelehnt. Ähnlichen Vorwürfen war die Bundeswehr mit dem Hinweis auf die Aussagen der sogenannten Sommer-Kommission entgegengetreten. Die Kommission unter Leitung des früheren »Zeit«-Journalisten Theo Sommer hatte 2001 behauptet: »Die von DU ausgehenden externen Strahlendosen sind mithin äußerst gering. Nach der in der Fachwelt vorherrschenden Meinung stellen sie keine Gefährdung dar.«

Die Eltern des Soldaten André Horn wollen sich damit nicht zufrieden geben: »Fast 13 Jahre Unsicherheit, Leid und Falschinformationen sollten aber langsam genug sein.«

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