Unter dem grönländischen Eis ruhen riesige Rohstoffschätze, die große Umweltgefahren für die Insel bedeuten.

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Unter dem grönländischen Eis ruhen riesige Rohstoffschätze, die große Umweltgefahren für die Insel bedeuten.

Zunächst zum Hintergrund.

1921 erklärte Dänemark seine Oberhoheit über Grönland. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1951 wurde Grönland Teil des NATO-Einflussgebietes und die USA erbauten ab 1952 größere Luftstützpunkte wie die Thule Air Base, im Kalten Krieg von großer strategischer Bedeutung.

Mit dem Inkrafttreten des neuen dänischen Grundgesetzes war Grönland seit 1953 keine Kolonie mehr und hatte zwei demokratisch gewählte Abgeordnete im dänischen Parlament. 1955 wurde in Kopenhagen ein spezielles Grönlandministerium eingerichtet, das bis 1987 existierte.

1979 erlangte Grönland seine Selbstverwaltung sowie die innere Autonomie mit eigenem Parlament und eigener Regierung. Seither ist Grönland eine „Nation innerhalb des Königreichs Dänemark“. Nach außen hin wird es von Dänemark vertreten, nur die Verwaltung obliegt der Insel. Die Justiz und die Polizei liegen in grönländischer Hand, gleiches gilt für die Schürfrechte. Außen- und Finanzpolitik obliegen jedoch weiterhin Kopenhagen.

1988 erliess Dänemark ein Verbot „der Exploration nach radioaktiven Elementen“. Diese „Null-Toleranz“ gegenüber Uran gilt auch für das teilautonome Grönland. Dänemark hatte sich vor einigen Jahrzehnten entschlossen, keine Atomkraft-Nation zu werden.

Vor 4 Jahren wurde allerdings dennoch eine Erlaubnis für Uran-Explorationen und andere Mineralien auf der Arktikinsel gewährt.

Es wird geschätzt, dass Grönland über die fünftgrößte Uranlagerstätte der Welt verfügt. Die grönländische Regierung argumentiert, dass die Uranvorkommen Voraussetzung dafür seinen könnten, dass das Land sich endgültig von Dänemark trennen und in einen selbstständigen Staat transformieren könne.

Weltweite Uranknappheit erhöhte zudem den Druck und die Lobbyarbeit seitens der Uranindustrie. Für seine Rohstoffe ist die grönländische Selbstverwaltungsregierung seit drei Jahren allein zuständig.

Eine Mehrheit in der grönländischen Regierung möchte die Null-Toleranz gegenüber Uran jetzt aufgehoben sehen. Viele Einwohner sind dagegen.

Im Parlament von Grönland soll am 24. Oktober eine Entscheidung fallen, es scheint sich eine Mehrheit abzuzeichnen, danach müsste auch das dänische Parlament zustimmen, da es in Sicherheitsfragen das letzte Wort hat. Nach bisherigen Erkenntnissen könnte es auch dort eine Mehrheit für den Abbau geben.

Sollte dem Uranabbau in Grönland zugestimmt werden, ergeben sich noch ganz andere Perspektiven. Denn in der Erde der Insel liegen auch riesige Vorkommen an Seltenen Erden. Auch diese sind jedoch mit uranhaltiger Erde vermischt. Rund 25 Prozent des Weltbedarfs an Seltenen Erden könnten aus grönländischer Produktion gedeckt werden. Darüberhinaus wird geschätzt, dass 50 Milliarden Barrel Öl unter Grönlands Eis ruhen, was weitere Begehrlichkeiten auslösen wird.

Grönland hat knapp 60.000 Einwohner bei einer Fläche von etwa 2 Millionen Quadratkilometern.
Rund 90% der Bevölkerung gelten als Grönländer und Nachfahren der Inuit und Urbevölkerung, ca 10% sind europäischen, meist dänischen, Ursprungs.

Umweltschützer wissen, dass überall dort wo Uran abgebaut wird, riesige Umweltprobleme entstehen. Uran wird unter hohem Ressourcenverbrauch und mit schweren gesundheitlichen Folgen in vielen Regionen der Welt abgebaut, vorwiegend in Kanada, Australien, Kasachstan, Russland, Niger, Namibia, Usbekistan und den USA. Mehr als 85 Prozent der anfallenden Radioaktivität verbleiben beim Abbau in den Abfällen.

Beim Abbau selbst kann es für die beteiligten Arbeitskräfte zu gesundheitlichen Schäden kommen. Die Natur leidet unter Wassereinbrüchen und den daraus folgenden Kontamination ganzer Landstriche sowie an dem enormen Ressourcenverbrauch der durch Abbau und Weiterverarbeitung entsteht. Wind verweht die radioaktiven Partikel in alle Richtungen.

Eines der gefährlichsten Zerfallsprodukte des Urans ist das Edelgas Radon, das sich unsichtbar und geruchlos von den Aufbereitungsanlagen und den Halden und Mülldeponien ausbreitet und ein deutlich erhöhtes Lungenkrebsrisiko zur Folge hat.

Ca. 70% der weltweiten Uran-Lagerstätten befinden sich unter dem Land von indigenen Völkern, die dadurch besonders von den Folgen des Uranabbaus betroffen sind.

weitere Infos: http://www.netzwerk-regenbogen.de/akwi05050102.html

http://arcticjournal.com/opinion/greenlands-decision-making-uranium-towards-democratic-failure

http://cphpost.dk/business/no-uranium-no-investments-mining-company-tells-greenlander

http://cphpost.dk/opinion/opinion-starting-zero-denmark-and-greenland%E2%80%99s-uranium