CO-OP NEWS

Wie die Mainstream-Medien die Welt mit manipulierten Informationen in den Krieg treiben

Von James Corbett
Global Research, 14.09.13

Die unter http://www.youtube.com/watch?v=y4P2O8UjQeU aufzurufende, von James Corbett erstellte und von Global Research verbreitete TV-Produktion wurde erstmals im Januar 2012 veröffentlicht. Im Licht der neuen Desinformationskampagne der Medien über den Syrien-Konflikt möchten wir den Lesern von Global Research diese sorgfältig recherchierte Videodokumentation noch einmal in Erinnerung rufen.

Weil die Trommeln schon wieder für neue Kriege im Iran, in Syrien, im Südchinesischen Meer und in anderen potenziellen Krisenherden und Brennpunkten rund um den Erdball geschlagen werden, fragen sich besorgte Bürger, warum die Weltbevölkerung, die des Blutvergießens und der ständigen Konflikte so überdrüssig ist, immer wieder Kriege zulässt.

Um dieses paradox erscheinende Verhalten zu begreifen, müssen wir zuerst die seit Jahrhunderten praktizierten Methode verstehen, ganze Völker mit Hilfe der Massenmedien in Kriegsbegeisterung zu versetzen, die angeblichen Feinde zu dämonisieren und Kriegsgründe zu propagieren, die sich früher oder später als völlig frei erfunden erweisen.

Weil die Regierungen der USA und des Irans den (Anfang des Jahres 2012 erneut aufgeflammten) Konflikt in der Straße von Hormuz weiter eskalieren, und China und Russland sich gegen die Einmischung Washingtons in ihre inneren Angelegenheiten zu wehren beginnen, steht der Weltfrieden wieder einmal auf Messers Schneide. Die Medien sind weit davon entfernt, diese Entwicklung objektiv zu beobachten, sie tun alles, um die bestehenden Spannungen weiter anzuheizen und die Öffentlichkeit auf eine militärische Konfrontation einzustellen. Da die Online-Medien die Herausbildung der öffentlichen Meinung aber immer stärker beeinflussen, erkennen jetzt viele Menschen, dass die Mainstream-Medien die Welt mit ihren Lügen in einen neuen Krieg treiben wollen.

Der Begriff „Yellow Press“ wurde geprägt, um die sensationslüsterne, nur auf Skandale fixierte und häufig irreführende Berichterstattung zu kennzeichnen, die William Randolph Hearst mit seinem New York Journal begründet hat. Eins der ungeheuerlichsten Beispiele dieses bewusst irreführenden Sensationsjournalismus ist die von der Hearst-Zeitung verbreitete Falschmeldung, die Spanier hätten das US-Kriegsschiff „Maine“ versenkt. Aufgehetzt von immer neuen antispanischen Propaganda-Geschichten über den spanischen Besatzern auf Kuba angelastete Folterungen und Vergewaltigungen, die in der Meldung von der angeblichen Versenkung der „USS Maine“ gipfelten, drängte die US-Öffentlichkeit in einen Krieg gegen Spanien. Obwohl man heute ziemlich sicher weiß, dass die Explosion auf der „USS Maine“ durch einen Brand in einem ihrer Kohlenbunker ausgelöst wurde, erfüllte die Falschmeldung über einen angeblichen (mit Hilfe einer Mine durchgeführten) spanischen Angriff ihren Zweck – sie lieferte den erwünschten Kriegsgrund.

Der Hearst zugeschriebene schändliche Auftrag an den lllustrator seiner Zeitung „Sie liefern mir die Bilder, mit denen ich den Krieg auslösen kann,“ muss nicht authentisch sein, er ist aber bezeichnend für die Methode, mit der die Öffentlichkeit seither immer wieder für neue Kriege gewonnen wurde.

In den Ersten Weltkrieg traten die USA nach der Versenkung der „Lusitania“ ein; als der britische Überseedampfer, der viele US-Passagiere an Bord hatte, von einem deutschen U-Boot vor der Küste Irlands torpediert wurde, fanden mehr als 1.000 seiner Passagiere den Tod. Die (US-)Öffentlichkeit wurde damals natürlich nicht über den Brief informiert, den Winston Churchill, der damalige First Lord of the Admirality (der zivile Chef der britischen Kriegsflotte, s. hier) nur eine Woche vor dem Ereignis an den President of the Board of Trade (eines dem britischen Handelsministerium unterstehenden Komitees, s. hier) geschrieben hatte; darin stand, es sei „äußerst wichtig, neutrale Schiffe vor die britische Küste zu locken, in der Hoffnung, dadurch die USA in den Krieg mit Deutschland verwickeln zu können“. In den Berichten über den (Torpedo-)Angriff auf die „Lusitania“ stand auch nicht, dass Gewehr-Munition und anderer militärischer Bedarf [für die britische Armee, s. hier] an Bord waren. Stattdessen wurde immer wieder betont, das Schiff sei grundlos von einem wahnsinnigen Feind versenkt worden, um die US-Öffentlichkeit auf den Kriegseintritt der USA einzustimmen.

Auch der US-Eintritt in den Zweiten Weltkrieg war das Ergebnis vorsätzlicher Desinformation. Obwohl die Zeitung Honolulu Advertiser den Angriff auf Pearl Harbor schon Tage vorher angekündigt hatte, die japanischen Funksprüche entschlüsselt werden konnten und der damalige US-Kriegsminister Henry Stimson schon eine Woche vorher in seinem Tagebuch über ein Gespräch mit dem (damaligen US-Präsidenten) Roosevelt notiert hatte, es gehe darum, „wie wir sie [die Japaner] dazu bringen können, den ersten Schuss abzufeuern, ohne uns zu sehr in Gefahrzu bringen“, wurde der Öffentlichkeit vorgegaukelt, der (japanische) Angriff auf Pearl Harbor sei völlig überraschend erfolgt. Erst letzten Monat wurde ein bisher geheimes Dokument veröffentlicht, das belegt, dass Roosevelt schon drei Tage vor dem Überfall auf Pearl Harbor vor einem drohenden japanischen Angriff auf die Hawaii-Inseln gewarnt worden war; trotzdem ist in den Geschichtsbüchern immer noch von einem Überraschungsangriff auf Pearl Harbor die Rede.

Im August 1964 wurde der Öffentlichkeit vorgelogen, nordvietnamesische Schnellboote hätten im Golf von Tonkin gleich zweimal einen US-Zerstörer angegriffen. Die Angriffe wurden als eindeutiges Beispiel für eine „kommunistische Aggression“ ausgegeben; daraufhin beschloss der US-Kongress eine Resolution, die den damaligen US-Präsidenten Johnson ermächtigte, die US-Streitkräfte nach Vietnam zu entsenden. Erst 2005 wurde eine interne NSA-Studie freigegeben, aus der hervorgeht, dass der zweite Angriff überhaupt nicht stattgefunden hat. Neben 60.000 US-Soldaten starben drei Millionen Vietnamesen und 500.000 Kambodschaner und Laoten – wegen eines Ereignisses, das sich die Johnson-Regierung zwar nur ausgedacht hatte, das die US-Medien aber sehr bereitwillig ausgeschlachtet haben.

1991 erschütterte ein Mädchen aus Kuwait namens Nayirah die Welt mit einer emotionsgeladenen Story über Gräueltaten der irakische Armee in ihrem Land.

Die Welt sollte eigentlich nie erfahren, dass ihre Story (über die aus Brutkästen gerissenen Frühgeborenen) in Wirklichkeit von der Werbeagentur Hill and Knowltown erfunden worden war, und dass es sich bei dem Mädchen in Wirklichkeit um die Tochter des kuwaitischen Botschafters handelte. Damit wurde in der Öffentlichkeit eine Welle des Hasses auf das Regime Saddam Husseins erzeugt – nicht mit den dokumentierten Gräueltaten, die es tatsächlich mit Waffen aus den USA (und mit Giftgas,) an Teilen der eigenen Bevölkerung begangen hatte, sondern mit einer von einer Werbefirma erfundenen Geschichte, die über das Fernsehen ausgestrahlt wurde.

Bei der (psychologischen) Vorbereitung des Krieges gegen den Irak übernahmen die US-Medien die Führungsrolle in der berüchtigten Debatte über die Massenvernichtungswaffen der irakischen Regierung. Dabei ging es nicht darum, ob sie überhaupt existierten, sondern nur darum, wo sie angeblich versteckt waren und wie man sie Saddam Hussein wegnehmen könnte. Die New York Times leitete die Propaganda-Kampagne mit Judith Millers inzwischen als unzutreffend entlarvtem Bericht über die irakischen Massenvernichtungswaffen ein; heute ist bekannt, dass er auf falschen Information aus unzuverlässigen Quellen beruhte, aber die anderen Mainstream-Medien übernahmen die vorgegebene Linie. Die NBC fragte in ihren Abendnachrichten: „Welche konkrete Bedrohung geht von den irakischen Massenvernichtungswaffen für die USA aus?“; das Magazin Time warf die Frage auf, ob Hussein dazu gebracht werden könnte, „freiwillig auf seine Massenvernichtungswaffen zu verzichten“. Ohne Nachweis wurde auch über versteckte Chemiewaffenlager berichtet; in den Schlagzeilen wurde deren Existenz einfach als unwiderlegbare Tatsache dargestellt. Heute wissen wir, dass der Irak damals nicht mehr über Chemiewaffen verfügte, und dass die US-Regierung vorsätzlich einen weiteren Krieg herbeigelogen hatte; die einzige Kritik, die wegen dieses nachgewiesenen Kriegsverbrechens jemals (in den US-Medien) an der Bush-Regierung geübt wurde, war eine sehr zurückhaltende Nachfrage in einer sonntäglichen Polittalk-Runde.

Bemerkenswert ist, dass die breite Öffentlichkeit nichts aus den nachgewiesenen Manipulationen der Vergangenheit gelernt zu haben scheint. Die Medien manipulieren heute sogar noch unverschämter, vermutlich weil das Publikum mit ganz wenigen Ausnahmen immer wieder alle Lügen schluckt, die ihm in den Abendnachrichten serviert werden.

Im gleichen Jahr verbreitete der (US-TV-Sender) CNN Bilder von der (von georgischen Truppen) zerstörten Stadt Tskhinvali in Südossetien und behauptete, die Bilder zeigten das von den Russen zerstörte Gori. (Weitere Infos zu dem von Georgien provozierten Konflikt mit Russland sind hier und hier)

2009 zeigte der (britische TV-Sender) BBC einen Bildausschnitt von einer Kundgebung im Iran und behauptete, die Versammelten hätten gegen die iranische Regierung protestiert. Auf dem auf der Website der Los Angeles Times veröffentlichten vollständigen Foto war jedoch zu erkennen, dass es sich um eine Versammlung zur Unterstützung (des iranischen Präsidenten) Ahmedinedschad handelte.

Im August 2011 zeigte die BBC Bilder, die angeblich bei einer Veranstaltung auf dem Grünen Platz in (der libyschen Hauptstadt) Tripolis gemacht wurden. Als aufmerksame Zuschauer bemerkten, dass auf den Bildern indische Fahnen zu sehen waren, musste die BBC zugeben, dass sie „versehentlich“ Bilder aus Indien statt aus Tripolis gesendet hatte.

Im Januar 2012 brachte (der US-TV-Sender) CNN einen Bericht einer syrischen Menschenrechtsgruppe, in dem behauptet wurde, in einem Krankenhaus in (der syrischen Stadt) Hama seien acht in Brutkästen liegende Säuglinge gestorben, weil die syrischen Behörden die Stromversorgung in diesem Gebiet unterbrochen hätten. Auf einigen Nachrichten-Websites wurden sogar Bilder von den Säuglingen gezeigt. Später musste man zugegeben, dass die Bilder aus Ägypten stammten und nicht als Beweise für die Anschuldigungen taugten.

So verwerflich all diese Lügen, Manipulationen und so genannten „Irrtümer“ auch sind, die Medien leisten den Kriegstreibern noch weitere Dienste. Die US-Regierung betreibt neuerdings ihre Kriegspropaganda sogar direkt über die Mainstream-Medien und liefert der breiten Öffentlichkeit das aus der Sicht des Pentagons verfälschte Bild der Welt frei Haus.

Im Jahr 2005 gab das damals noch von Bush beherrschte Weiße Haus zu, eigene Videos produziert zu haben, die als Bildberichte unabhängiger Journalisten ausgegeben und den Fernsehsendern als vorproduzierte, fertige Beiträge für die Abendsendungen übergeben wurden. Als das Government Acountability Office diese vorgefertigten Medienberichte als verdeckte illegale Regierungspropaganda rügte, gab das Weiße Haus einfach eine Mitteilung heraus, in der es diese Praxis für legal erklärte.

Im April 2008 enthüllte die New York Times ein geheimes Programm des US-Verteidigungsministeriums, das 2002 gestartet wurde und pensionierte US-Offiziere dazu vergatterte, Themen, die dem Pentagon wichtig waren, in den Medien unterzubringen. Nachdem das Pentagon die Ruheständler eingewiesen hatte, wurden sie in Talk-Shows und Nachrichtensendungen als „unabhängige Analysten“ präsentiert. Im Dezember 2011 veröffentlichte der Generalinspekteur des Pentagons einen Bericht, aus dem hervorging, dass dieses Programm auf Betreiben der US-Regierung zur Unterstützung ihrer Politik eingeführt worden war [weitere Infos hier].

Anfang des Jahres 2012 Jahr wurde auch bekannt, dass die US-Regierung die Sicherheitsfirma HB Gary Federal beauftragt hatte, eine Software zu entwickeln, mit der gefakte Konten in sozialen Netzwerken eingerichtet werden konnten, über die sich die öffentliche Meinung steuern und Propaganda in populäre Websites eingeschleust werden konnte. Die Einflussnahme über diese Software konnte auf die MacDill Air Force Base in Florida zurückverfolgt werden.

Weil die Massenmedien Informationen über alles, was in der Welt vorgeht, sammeln, sichten, filtern, aufbereiten und für die Bevölkerung verfügbar machen, tragen sie eine riesige Verantwortung für die Meinungsbildung über alle Ereignisse, zu denen wir keinen direkten Zugang haben. Auch (ohne äußere Einflussnahme und) unter idealen Bedingungen ist es für recherchierende Reporter und verantwortungsbewusste Redakteure sehr schwierig, die wichtigsten Ereignisse auszuwählen und objektiv darüber zu berichten.

In einer Medienlandschaft, in der nur eine Hand voll Konzerne [s. http://hofstramass112.files.wordpress.com/2009/02/media-moguls-1200×849.jpg%5D alle Print- und elektronischen Medien in einem Staat besitzt, bleibt Menschen, die unverfälschte Informationen wollen, nur der Ausweg, sich völlig von den Mainstream-Medien abzuwenden. Und genau das geschieht gerade.

Alle Studien und Untersuchungen der letzten Jahre belegen ein fortschreitendes Sterben der alten Medien. Für immer mehr Menschen sind Zeitungen und neuerdings auch das Fernsehen nicht mehr die Hauptinformationsquellen. Sie informieren sich zunehmend aus unterschiedlichen Quellen im Internet, und entziehen sich so dem Einfluss der Kriegstreiber, deren Kriegspropaganda nur funktioniert, wenn sie das Informationsmonopol haben.

Weil sich aber immer mehr US-Bürger von der New York Times ab- und unabhängigen Websites zuwenden, die häufig von unabhängigen Journalisten und Amateurredakteuren betreut werden, scheint das Kontrollsystem, das die Meinungsbildung der letzten Generationen bestimmt hat, nicht mehr unbesiegbar zu sein.

Es trifft ganz sicher nicht zu, dass Online-Medien weniger manipulierbar als die traditionellen Medien sind, ganz im Gegenteil. Der Unterschied besteht aber darin, dass jeder Nutzer aus einem sehr breiten Online-Angebot noch frei wählen kann. So lange das Internet relativ frei bleibt, müssen sich die Nutzer nicht auf die Aussagen einer Website, eines Experten oder eines Kommentators zu einem bestimmten Problem verlassen. Sie können die Informationsquellen auch selbst überprüfen – am besten aber nicht auf den Websites, die von den Mainstream-Medien selbst betrieben werden, weil diese die Dokumente, aus denen ihre Informationen stammen, nur selten angeben oder verlinken.

Der SOPA Act, der Protect IP Act, die Versuche der US-Regierung, Websites zu verbieten, und alle anderen Angriffe auf die Internetfreiheit, die in den letzten Jahren zu beobachten waren, sollten uns alarmieren.

Eine informierte und engagierte Öffentlichkeit kann nicht mehr so leicht für Kriege gewonnen werden, in denen es nur um Macht und Profit geht. Weil die Menschen besser über die wirklichen Probleme informiert sind und die Lügen der Medien durchschauen, haben sie auch begriffen, wie sie der schamlosen Manipulation und der Kriegstreiberei viel einfacher entgehen können, als wir jemals glaubten: Sie können das Radio und den Fernseher einfach abschalten.

(Luftpost hat den Kommentar des eingangs verlinkten, sehr sehenswerten Videos komplett übersetzt. James Corbett betreibt die Website The Corbett Report, die aufzurufen ist unter http://www.corbettreport.com/gaslight-flnwo-08/