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11. Juni 2012

Blitzlichter der Wahrheit auf Syriens ‚Rebellen‘ und das Houla-Massaker

11.06.2012:  Fast durchgängig zur Stereotype ist es in den bürgerlichen Medien der Herrschenden in EU und USA geworden, all die für das syrische Volk so schrecklichen Ereignisse des verdeckten Interventionskrieges der syrischen Regierung unter Staatpräsident al-Assad anzulasten. Dass die zwei großen Massaker der letzten 10 Tage dazu fast wie bestellt stattfanden, dass es tagelang keine wirklichen Nachweise gibt, wer konkret die Ausführenden waren, dass die Morde dabei viel eher in die Vorgehensmuster terroristischer Banden und bezahlter Auftragsmörder passen – den Journalismus der Herrschenden interessierte all dies fast durchweg nicht, er ist hier auf unterstem Niveau angekommen.

Dabei zeigen immer mal wieder einzelne konkrete Berichte, wie die militanten ‚Rebellen‘ in Syrien vorgehen – und dass dies nichts, rein gar nichts mit einer Orientierung an den Interessen des syrischen Volkes zu tun hat. Beispiele aus Nachrichten der letzten Tagen und zum Massaker von Houla können dies konkret machen.

Alex Thomson vom britischen TV-Sender Channel 4 ist einer der wenigen westlichen Journalisten, die in Syrien nicht nur legal arbeiten, sondern zudem versuchen, über beide Seiten des Konfliktes und Aufruhrs im Lande objektiv zu berichten. Nun berichtete er, wie er und sein Team ganz knapp einer Falle entkamen, in die sie von sogenannten ‚Rebellen‘ in der Nähe der Stadt Hama geschickt wurden. Offensichtlich in der Absicht, den Tod der Journalisten durch Beschuß von Regierungstruppen dann propagandistisch gegen das Regime von al-Assad lenken zu können.

„In Syriens Niemandsland zum Erschießen abgesetzt?“, so überschrieb Thomson auf seinem persönlichen Blog eine Geschichte der Gewalt in Syrien, die in den Berichten der westlichen und insbesondere der britischen Medien untypisch ist, weil man solche dort im allgemeinen verschweigt. Während die BBC noch eifrig gefälschte Bilder zu ihren einseitigen Berichten über das Houla-Massaker verbreiteten, hatte sich Thomson in der letzten Woche aufgemacht, Kriegführende beider Seiten in Syrien zu interviewen.

Thomson schildert in seinem Bericht so etwas wie eine Zweiteilung unter den Kräften der ‚Rebellen‘. Auf der einen Seite gibt es organisierte Kämpfer, die sich anscheinend einzig dem Kampf gegen die syrische Regierungsarmee widmen. Auf der anderen Seite scheint eine heimtückischere ‚dritte Kraft‘ beteiligt zu sein, deren Vertreter Thomson und seine Mitarbeiter nach seinen Angaben absichtlich in eine tödliche Falle lockten. Diese Angaben und Beschreibungen passen durchaus zu den Feststellungen und Behauptungen der syrischen Regierung selbst, und sie werden ebenso von unabhängigen Analysten der Weltpolitik in aller Welt geteilt: es gibt eine nennenswerte, erkennbare dritte Kraft im innersyrischen Krieg, die aus ausländischen Söldnern und sektiererischen Extremisten gebildet wird, und die die Masse der Gewalt und Gräuel ausübt bzw. provoziert.

In seinem Blog beschreibt Thomson seine Schreckenserlebnisse, nachdem er UN-Beobachter in von der ‚Freien Syrischen Armee‘ besetztes und gehaltenes Territorium begleitet hatte:

„Wir entschieden uns aus Sicherheitserwägungen, um eine Begleitung auf dem sicheren Weg zu bitten, auf dem wir hinein kamen. Beide Seiten würden unser Fahrzeug an ihren jeweiligen Kontrollpunkten wiedererkennen. Auf einmal winkten uns vier Männer in einem schwarzrn Wagen zu, ihnen zu folgen. Wir bewegten uns [aus dem Gebiet der FSA] hinter ihnen her. 

Aber wir fahren eine andere Route. Tatsächlich wurden wir direkt in eine Feuer-frei-Zone geleitet. Von der Freien Syrischen Armee wurden wir aufgefordert, einer Straße zu folgen, die in der Mitte eines Niemanslands blockiert war.

Dort angekommen hörte man das Krachen von Kugeln und mehreren Einschlägen. Wir flüchteten zur Seite in die nächste Seitenstraße, um Deckung zu suchen. Jedoch wiederum eine Sackgasse.

Es gab einen Ausweg, als noch einmal zurück auf das Gebiet der Scharfschützen zu fahren und mit Vollgas die Straße zurück zu jagen, auf die man uns geleitet hatte. Wie nicht anders erwartet, stand dort der schwarze Wagen, dessen Besatzung uns in die Falle gelockt hatte. Als sie uns zurück kommen sahen, brausten sie eiligst davon.

Ich bin fest davon überzeugt, dass die ‚Rebellen‘ uns absichtlich falsch führten, damit wir von der syrischen Armee erschossen würden. Denn tote Journalisten sind schlecht für Damaskus.“

Soweit Alex Thomsons Bericht, den er mit den Worten schloss: „Was sollte Besonderes daran sein, in einem Krieg, in dem sie die Kehlen von Kleinkindern bis zu den Knochen aufschlitzen, einen Kleinbus voller Journalisten in eine Todeszone zu schicken? Es hat nichts Personenbezogenes in sich.“

Liest man Alex Thomsons Bericht, so drängt sich einem angesichts der vorsätzlichen Lügen der westlichen Presse über das Houla-Massaker und den gleichen Versuchen bezüglich der Morde in Hama der Gedanke förmlich auf: Wenn ‚Rebellen‘ gewillt sind, ausländische Journalisten zu Propagandazwecken zu töten – Menschen, die lediglich versuchen, ihren Job anständig zu erledigen und der Welt die Wahrheit über das Geschehen in Syrien zu vermitteln – und nur, um der syrischen Regierung die Schuld an den Toten zu geben, warum sollten also diese ‚Rebellen‘ nicht Männer, Frauen und Kinder töten, um dies auch der syrischen Regierung in die Schuhe zu schieben? 

Eine weitere naheliegende Frage wäre: Wenn die ‚Rebellen‘ mit ihrem heimtückischen Plan zur Tötung von Thomson und seinen Mitarbeitern Erfolg gehabt hätten, was wäre dann geschehen? Hätte sich die westliche Presse gebührender Sorgfalt bei der Ermittlung der Wahrheit über die Umstände ihres Todes verpflichtet verhalten? Oder hätte sie als Schlagzeile geschrieben: ‚Britische Journalisten von Assad abgeschlachtet?‘

Ironischerweise wären es dann Thomsons eigene Landsleute und Kollegen – besonders von der BBC – gewesen, welche die Wirkung des hinterhältigen Plans der ‚Rebellen‘ maximiert hätten, falls er erfolgreich gewesen wäre. Über ermordete Journalisten (und manche andere ‚Opfer‘ unliebsamer Regierungen) erfundene Greueltaten zu fabrizieren und dafür ins Visier genommenen Regierungen die Schuld zuzuweisen, ist ein Zeitvertreib für westliche Medien.

Aber vor allem ist es scheinheilig und verlogen, wenn die westlichen hinterhältigen Führungen, die lange schon die Teilung Syriens, seine Zerstörung und seinen Untergang planten, und die westlichen diesen Zielen zuarbeitenden Medien, so viel reine Sympathie und Besorgtheit um menschliches Leben bei den Völkern der ganzen Welt beschören, wo es ihnen selbst doch vollständig daran mangelt.

Über andere Vorgehensweisen der syrischen ‚Rebellen‘ berichtete vor kurzem ein Christ aus Marmarita im Wadi Nasara, einem christlichen syrischen Gebiet nördlich des Libanons, in seinem Internet-Blog.

… Mehr als 40 junge Männer (darunter eine Anzahl von Ärzten) aus dem Wadi wurden von den bärtigen Männern getötet, die uns so eifrig die Demokratie bringen wollen. In einigen Fällen enthaupteten sie die Getöteten und trennten Körperteile ab. In einem Fall gaben sie der Familie den Körper zurück, behielten jedoch den Kopf und stellten ihn sichtbar auf einem Hügel auf. Sie standen in mehreren hundert Metern Entfernung und bedrohten jeden der kam, um ihn aufzuheben. Endlich kam ein Mann mit seinem Ladewagen in hoher Geschwindigkeit und schnappte sich unter Beschuss den Kopf, um ihn der Familie zu übergeben. …

Ein weitere Geschichte: Zeitweise wurde ‚Krak des Chevaliers‚ eine multi-nationale Drehscheibe von afghanischen, libyschen und libanesischen bärtigen Männern. Die Afghanen bedrohten eigentlich nicht. Aber die beiden arabischen Gruppen stritten darüber, welchem Scheich sich die Burg zu unterwerfen habe. Es gab einen libyschen und einen libanesischen. Es kam zu einem Gefecht und ein paar Menschen starben. Inzwischen wurde die Burg endlich von der syrischen Armee befreit. Und es ergab sich, dass der libanesische Scheich im Libanon wegen mehrerer Morde steckbrieflich gesucht wurde. Er wurde lebend gefangen gesetzt. … Dies ist die traurige Wahrheit. Die gute Nachricht ist, dass sich die Sicherheitslage stetig verbessert. So gibt es Hoffnung, dass die Flüchtlinge in ihre Häuser zurückkehren und mit dem Wiederaufbau beginnen. … Die meisten von ihnen ließen sich in Tartous, Latakia, Aleppo und Damaskus nieder. Meine Schwester gewann neue Freunde aus Homs, welche nur ihre Kleidung mitnahmen und alles andere zurück ließen. Einige wenige, die etwas wohlhabender waren, mieteten sich Läden und nahmen dort ihre Geschäfte (oder Arztpraxis) auf.

Die Schwägerin meines ältesten Cousins floh aus ihrem Haus in Bustan al-Deewan, weil es tägliche Schikanen von den Militanten [Rebellen] aus Baba Amr [Stadtteil von Homs] und al-Khalidea gab. Ein paar Wochen, nachdem sie weggegangen war, rief sie die Telefonnummer im eigenen Haus an. Ein Typ meldete sich am Telefon und nannte einen Namen. Sie fragte ihn: „Was machen Sie dort?“ Er antwortete, dass er in dem Haus wohne. Worauf sie ihn darauf hinwies: „Aber das ist mein Haus.“ Er antwortete: „Der Priester der örtlichen Kirche hat es mir übergeben!“

Die Militanten fahren ständig durch die Gegend und feuern entweder in die Luft oder zeigen demonstrativ ihre Waffen. Sie haben sich dauerhaft in den leeren Häusern eingenistet. Sie verschwinden nur, wenn die Regierungstruppen sie rauswerfen – um sofort wiederzukehren, wenn ‚die Katze nicht mehr in Nähe der Ratten ist‘. Kirchen werden innen verwüstet. Alles von Wert wird gestohlen. Sachen von geringem Wert werden auf die Straßen geworfen und zerstört.

Einem entfernten Verwandten von mir (über 70 Jahre alt) wurde ins Bein geschossen. Als die Familie versuchte, ihn ins Krankenhaus zu transportieren, erlaubten die Männer mit den langen Bärten nicht, ihn anzurühren. Er verblutete. Er kam aus Marmarita und wohnte in Homs.

Inzwischen enthüllt sich auch das Geheimnis der Mörder von Houla, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung vor drei Tagen meldete:

Syrische Oppositionelle, die den Einsatz von Gewalt ablehnen und aus der Region kommen, konnten in den vergangenen Tagen aufgrund glaubwürdiger Zeugenaussagen den wahrscheinlichen Tathergang in Hula rekonstruieren. Ihr Ergebnis widerspricht den Behauptungen der Rebellen, die die regimenahen Milizen Schabiha der Tat beschuldigt hatten. Sie sollen unter dem Schutz der syrischen Armee gehandelt haben.

Das Massaker von Hula hatte sich nach dem Freitagsgebet ereignet. Die Kämpfe setzten ein, als sunnitische Rebellen die drei Straßenkontrollen der syrischen Armee um Hula herum angriffen. Die Kontrollpunkte haben die Aufgabe, die alawitischen Dörfer um das überwiegend sunnitische Hula vor Anschlägen zu schützen. Eine angegriffene Straßenkontrolle rief Einheiten der syrischen Armee zu Hilfe, die 1.500 Meter entfernt eine Kaserne unterhält und umgehend Verstärkung schickte. Bei den Kämpfen um Hula, die 90 Minuten gedauert haben sollen, wurden Dutzende Soldaten und Rebellen getötet. Während der Kämpfe waren die drei Dörfer von Hula von der Außenwelt abgeriegelt.

Nach Angaben der Augenzeugen habe sich das Massaker in dieser Zeit ereignet. Getötet worden seien nahezu ausschließlich Familien der alawitischen und schiitischen Minderheit Hulas, dessen Bevölkerung zu mehr als neunzig Prozent Sunniten sind. So wurden mehrere Dutzend Mitglieder einer Familie abgeschlachtet, die in den vergangenen Jahren vom sunnitischen zum schiitischen Islam übergetreten sei. Getötet wurden ferner Mitglieder der alawitischen Familie Shomaliya und die Familie eines sunnitischen Parlamentsabgeordneten, weil dieser als Kollaborateur galt. Unmittelbar nach dem Massaker hätten die Täter ihre Opfer gefilmt, sie als sunnitische Opfer ausgegeben und die Videos über Internet verbreitet.

Man kann sicher sein, dass Außenminister Westerwelle u.a. sich selbst bei Kenntnisnahme dieser Untersuchungsergebnisse nicht entschuldigen werden, gleich nach dem Massaker von Houla die syrische Regierung der Schuld an diesem Ereignis bezichtigt zu haben.

Text: hth  /  Quellen: Global Research (Tony Cartalucci), SyriaComment, FAZ

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