Multinationales Netzwerk, dass die Welt regiert

147 Firmen kontrollieren im Wesentlichen die Weltwirtschaft. Dies ist nicht die Theorie von „Verschwörungstheoretikern“, sondern das Ergebnis einer hochkomplexen Analyse von drei Systemtheoretikern der ETH Zürich. Sie untersuchte die Verbindungen der 43.000 größten internationalen Konzerne und kam dabei zu dem Schluss, dass eine verhältnismäßig kleine Gruppe von Unternehmen – größtenteils Banken – Macht über das gesamte System hat.

Was klingt, wie Teil einer Anti-Globalisierungskampagne oder Verschwörungstheorie ist tatsächlich eine ganz unideologische und wissenschaftliche Untersuchung.

„Die Realität ist so komplex“, meint James Glattfelder, einer der Autoren. „Wir müssen von dogmatischem Glauben loskommen – sei es nun der an Verschwörungstheorien oder an freie Marktwirtschaft. Unsere Analyse basiert auf der Wirklichkeit.“

Netzwerk von Macht und Einfluss

Aus einer Fülle von 37 Millionen Unternehmen wurden zunächst die 43.000 größten transnationalen Konzerne isoliert. Dann wurde analysiert, wie diese über Anteilseigner miteinander verwoben sind, und welche Konzerne welche anderen über Netzwerke von Teilhabern beeinflussen können. Daraus ergab sich ein Kern von 1318 Konzernen mit sich überschneidenden Eigentümern, die nicht nur selbst 20 Prozent des Weltumsatzes erwirtschafteten, sondern sich auch kollektiv im Besitz des Großteils der weltweiten Real-Industrie befand – die weitere 60 Prozent des weltweiten Umsatzes ausmacht.

Als die Besitzverhältnisse dieser 1300 Unternehmen dann weiter entworren wurden, zeigte sich ein zentraler Kern von 147 noch enger verwobenen Konzernen, die alle jeweils anteilig den anderen Mitgliedern dieses „Super-Netzwerkes“ gehörten und Kontrolle über 40 Prozent des gesamten Netzwerkes hatten.

„Effektiv kann ein Prozent der Unternehmen 40 Prozent des gesamten Netzwerkes kontrollieren“, erklärt Glattfelder. Die meisten der Unternehmen sind Finanzinstitute.

So viel Kontrolle die Struktur ermöglicht, so anfällig ist sie offenbar auch, da alle Teile so eng miteinander verwoben sind – ein Problem, dass schon sehr bald in der aktuellen Krise zu Tage treten könnte. „Wenn ein Konzern unter Stress steht, breitet sich das aus“, so Glattfelder.

Eine geplante Verschwörung zur Beherrschung der Welt sei das Ganze aber wohl eher nicht, meinen die Autoren – solche Strukturen seien natürlich und bilden sich von selbst, sofern dies nicht unterbunden wird – dass haben andere Simulationen bereits gezeigt. Dies ist denn auch eine der Schlussfolgerungen der Autoren: Die Kartellgesetze sollten sehr viel strenger sein. Denn es sei eine notwendige Folge des gegenwärtigen Systemdesigns, dass sich nach einiger Zeit der Großteil des Reichtums sich in den Händen von einem Prozent der Menschen konzentriert.

Wenn es also eine Verschwörung gibt, dann hat diese mit dem Design des Systems selbst zu tun.

Umstritten ist, ob die Besitzverhältnisse auch direkt Machtverhältnisse ausdrücken. Yaneer Bar-Yam, vom New England Complex Systems Institute (NECSI) etwa gab zu bedenken, dass Anteile an einer Firma zu halten nicht unbedingt bedeute, das Verhalten dieser Firma direkt kontrollieren zu können. Wie viel Einfluss möglich sein, müsse erst noch erforscht werden.

Auch das Team der Züricher Analyse stellt in Frage, ob ein Netzwerk von 147 Konzernen in der Lage ist, gezielt und einvernehmlich politische Interessen zu verfolgen, oder ob diese Zahl letztlich zu groß für eine „Verschwörung“ ist.

Die 25 machtvollsten Konzerne der Welt:

1. Barclays plc
2. Capital Group Companies Inc
3. FMR Corporation
4. AXA
5. State Street Corporation
6. JP Morgan Chase & Co
7. Legal & General Group plc
8. Vanguard Group Inc
9. UBS AG
10. Merrill Lynch & Co Inc
11. Wellington Management Co LLP
12. Deutsche Bank AG
13. Franklin Resources Inc
14. Credit Suisse Group
15. Walton Enterprises LLC
16. Bank of New York Mellon Corp
17. Natixis
18. Goldman Sachs Group Inc
19. T Rowe Price Group Inc
20. Legg Mason Inc
21. Morgan Stanley
22. Mitsubishi UFJ Financial Group Inc
23. Northern Trust Corporation
24. Société Générale
25. Bank of America Corporation

Studie „The network of global corporate control“ von Stefania Vitali, James B. Glattfelder und Stefano Battiston

http://ow.ly/7KkjV

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